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Technik : Die Ratlosigkeit des Menschen im Dickicht des Digitalen

Und dann die Inbetriebnahme. Spaß an der Technik braucht Erfolgserlebnisse. Einschalten, erkunden, Rückmeldungen erhalten, Aha-Erlebnisse genießen, sich dem Produkt spielerisch nähern, Neugier entwickeln, Resultate sehen oder hören und noch mehr wissen wollen. Die Realität ist aber immer öfter enttäuschend. Daß man schon den Ein- und Ausschalter nicht findet, ist eine Anekdote, aber manches Erlebnis ist wirklich bitter: Bisweilen sitzt man in dieser Redaktion wochenlang über Hard- und Software, die sich nicht installieren läßt, und wenn schon die Experten an die Grenzen ihrer Fähigkeiten geraten, fragt man sich, was der typische Konsument in solchen Fällen macht. Da ist etwa fast jede Handysoftware neuerdings so konstruiert, daß sie zunächst eine Zwangsregistrierung via SMS oder Mobilfunk vornimmt, die Daten der Sim-Karte und die Identifikationsnummer des Mobiltelefons an irgendeine Zentrale schickt, die Antwort abwartet und damit die Software so verschlüsselt, daß sie fest an Handy und Sim-Karte gebunden ist. Eine unsägliche Situation (vor allem, wenn man die Software verkaufen oder mit anderer Ausstattung weiternutzen möchte), die beim Scheitern der Aktion dafür sorgt, daß nichts läuft. Selbst hochkarätige und erstklassige Standardsoftware für den PC wie der Photoshop von Adobe macht ähnliche Sperenzchen. Kaum vorstellbar, welche Dramen sich abends oder am Wochenende bei einem Grafiker mit Eilauftrag abspielen, der mit der Zwangsregistrierung nicht zurechtkommt und sein wichtigstes Arbeitswerkzeug nicht starten kann.

Ist diese Hürde überwunden, geht es gleich weiter: der Ärger über unausgereifte Produkte und die Tücken der Bedienung. Die Beispiele sind Legion. Da gibt es Hersteller von Grafikkarten, die in kürzester Zeit immer neue Hardware und stets neue Treiber auf den Markt bringen, auf daß die Spiele schneller laufen sollen. Melden die Testlabors der Fachzeitschriften Probleme und Inkompatibilitäten, ist gleich wieder der nächste Treiber zur Hand. Um das Produkt geht es den PR-Strategen dieser Unternehmen weniger: Die Verwirrstrategie für Journalisten und Konsumenten besteht darin, früh anzukündigen, den ersten Platz in der Benchmark-Liste zu sichern, und alles andere ist ziemlich egal. Fehler, Pannen und Probleme: Man kann hier nahezu den gesamten Bereich von PC-Hard- und Software durchbuchstabieren, aber auch die Welt der Unterhaltungselektronik, viele Produkte aus der Digitalfotografie und natürlich die Telekommunikation. Technisches aller Art kommt unausgereift auf den Markt, arbeitet nicht mit anderen Komponenten ordnungsgemäß zusammen, die Bedienung ist umständlich, wichtige Funktionen liegen nicht an zentraler Stelle, verschachtelte Menüs und immer mehr Details versperren den Blick aufs Ganze. Handbücher gibt es nicht mehr (bestenfalls elektronisch auf CD), Kundenbetreuung und Support fehlen oder sind horrend teuer.

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