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Tech-Talk : Die Zune-Zone

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Microsoft versucht dem iPod Konkurrenz zu machen. Mitsamt des eigenen Musikmarktplatzes soll der Zune auch Microsofts digitales Rechtemanagement etablieren. Bis es in Europa aber soweit ist, wird es noch eine Weile dauern. Der neue Tech-Talk.

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          Klotz am Bein, Klavier vorm Bauch, wie lang ist die Chaussee ... sangen wir einst beim Wandern. Heute hängt ein MP3-Player vor unserer Brust und beschallt uns mit fremden Gesängen. Ins tönende Geschäft ist Mitte des Monats auch Microsoft mit einem eigenen Gerät eingestiegen: Der Zune soll Microsofts marginalen Anteil am Musikgeschäft nachhaltig steigern. Hierfür hat der Zune ähnlich wie der Ipod eine proprietäre Verwaltung für Musikrechte.

          Wer also online gekaufte Digitalklänge auf ihm abspielen will, muß sie auf der Verkaufsplattform Zune Marketplace erwerben. Songs, deren Abspielrechte bereits von anderen Online-Services gekauft wurden, laufen nicht auf dem Zune. Das betrifft nicht nur das Angebot von Itunes, sondern auch Microsofts eigenes digitales Rechtemanagement (DRM), das unter dem Etikett „Plays for shure“ dem Käufer die Sicherheit gibt, daß sich die Lieder auf den meisten MP3-Playern abspielen lassen. Der Zune spielt diese Songs allerdings mit Sicherheit nicht.

          Deutschland wartet noch

          So wundert es nicht, daß in den Vereinigten Staaten Microsofts eigener Online-Vertrieb MSN Music den kaufwilligen Kunden nicht mehr direkt mit Songs versorgt, sondern seit Mitte November an Zunes Marktplatz verweist. Schließlich gehört dies zum Marketingkonzept.

          Zune : Microsofts Antwort auf den iPod ist da

          Microsoft will ebenso wie Apple nicht nur die Geräte vertreiben, sondern auch die Inhalte für die Digitalplayer verkaufen. Das alles aber kann den europäischen Zuhörer kalt lassen: Vom Zune Musikservice gibt es bislang keine kontinentale Version. Folgerichtig ist der Zune auch noch kein Produkt für den deutschen Markt. Microsoft schaut erst einmal, wie sich der heimische Erfolg des Abspielgeräts gestaltet.

          Doch auch ohne passenden Online-Service ist die Attraktivität neuer Geräte immens. Dies hat bereits Apples Ipod bewiesen. Nach seiner Markteinführung im Jahr 2001 dauerte es rund dreieinhalb Jahre, bis Itunes auch als deutsche Verkaufsplattform auftrat.

          Geduld zahlt sich aus

          Schwierig macht die Lokalisierung des Songvertriebs, daß die Rechte am Liedgut nicht weltweit vergeben, sondern von Land zu Land ausgehandelt werden müssen. Hier zeigt sich, daß auch das globale Netz zumindest juristisch rasch an Grenzen stößt. Uns kümmert es nicht, haben wir doch in den zahlreich verfügbaren MP3-Playern verschiedenster Hersteller attraktive Alternativen, die uns mit digitalen Klängen versorgen. So wird es für geraume Zeit ein wohl klangvoll zu ertragender Nachteil sein, ohne Zune auf dem alten Kontinent auskommen zu müssen. Ein Mangel ist derzeit ohnehin nicht auszumachen. Aber es bleibt eine kleine Lücke in der Begehrlichkeitserfüllung. Wenn man an der Spitze der Bewegung sein will, dann möchte man nicht mit enttäuschtem Hecheln auf einen anderen Kontinent schielen müssen. Doch Geduld zahlt sich wohl auch aus.

          Wenn dann der Zune voraussichtlich Ende nächsten Jahres, vielleicht aber auch erst später oder gar nie zum transatlantischen Schritt ansetzt, dann wird es sicherlich nicht mehr jenes Gerät sein, das momentan die Gemüter erhitzt. Wir kennen die kurzen Produktzyklen und rechnen damit, daß es zumindest die zweite Generation wird, die das europäische Publikum beglückt. Das hat auch Vorteile, brauchen wir uns doch nicht um überholte Fehlentwicklungen und Beschränkungen zu kümmern, die sich im ersten Anlauf als unbrauchbar erweisen. Statt aufgeregt dem Hype zu folgen, bringt uns Geduld bessere Technik und erspart manchen Klotz am Bein.

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