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Surround-Kopfhörer : Zum echten Kino-Spaß fehlt nur noch die Popcorn-Tüte

  • -Aktualisiert am

Der Surround-Kopfhörer Headzone Home von Beyerdynamic Bild: Hersteller

Bewegungsfreiheit mit einem neuen Kopfhörer: Zwei Ultraschallsensoren lassen das Surround-Klangbild mitwandern. Beyerdynamic schafft mit dem Headzone Home ein Heimkino-Gefühl für den wahren Individualisten.

          Das Thema ist so alt wie das Heimkino: Lässt der Film es ordentlich krachen, grüßt die Nachbarschaft am nächsten Morgen nicht mehr. Greift man in sozialer Verantwortung zum Kopfhörer, schnurrt das Surround-Panorama auf unnatürliche Enge zusammen, das akustische Geschehen scheint sich im Kopf abzuspielen, vom Eindruck räumlicher Tiefe bleibt schon gar nichts übrig - nicht einmal dann, wenn das Hörgerät sich müht, saftige Lautstärken zu liefern. Dagegen helfen Surround-Kopfhörer, die den räumlichen Klangeindruck einer sechskanaligen Lautsprecheranlage mit digitalen Mitteln zu simulieren versuchen, was ihnen mal besser, mal nicht so gut gelingt. Das jüngste Konstrukt dieser Art stammt von Beyerdynamik nennt sich Headzone Home und erhebt schon mit seinem unbescheidenen Preis von 2490 Euro den Anspruch, die Surround-Sinnestäuschung besonders überzeugend zu bewerkstelligen. Wir haben deshalb sehr genau hingehört.

          Um die Signalaufbereitung kümmert sich ein separater Elektronik-Baustein. Er bezieht das digitale Mehrkanal-Tonsignal in Dolby Digital oder in DTS entweder über eine optische Verbindung oder über ein Cinch-Kabel vom DVD-Player, dekodiert es nach den üblichen Regeln der Kunst und prägt den einzelnen Kanälen spezifische Richtungsinformationen auf. Das sind subtile Klangfärbungen, an denen unser Gehör exakt erkennt, von wo aus eine Schallquelle tönt. Die so geimpften fünf Kanäle und der zusätzliche Tonzweig für die tiefen Bässe gelangen dann in einen Mixer, der sie zu zwei Stereo-Informationen für die beiden Hörmuscheln des Kopfhörers zusammenführt. Zusätzlich erlaubt das Elektronik-Kästchen spezielle Einstellungen - etwa der Größe des virtuellen Raums und seiner Hall-Charakteristik.

          Wie Biene Maja auf dem Mars

          Aber das ist noch nicht alles: Eine „Head-Tracking“ genannte Funktion soll das gesamte Klangpanorama mitdrehen, wenn der Zuschauer seinen Kopf bewegt - so wie im wirklichen Kino-Leben vor der Großleinwand. Dazu montierten die Beyerdynamik-Konstrukteure zwei Ultraschall-Sender in eine Halterung auf dem Kopfhörerbügel, die ihren Träger ein wenig aussehen lassen wie die Biene Maja auf dem Mars. Das passende Gegenstück, ein ähnlicher Träger mit zwei Sensoren, hält sich mit einer Klemmvorrichtung am oberen Bildschirmrand fest. Das gesamte System ist souverän verarbeitet und untermauert somit seinen hohen Anspruch. Der mit samtbezogenen Ohrpolstern und einem ebenfalls weich ausstaffierten Bügel ausgerüstete Kopfhörer vom Typ DT 880 sitzt sehr bequem. Allerdings fehlt uns eine Fernbedienung zur Einstellung der Lautstärke und der Akustik-Parameter; das kleine Lautstärke-Rädchen am Hörer-Kabel kann diesen eigentlich angemessenen Komfort, den man bei diesem Preis erwarten könnte, nicht ersetzen.

          Das akustische Ergebnis überzeugt um so mehr: Der Hörer, ganz auf knackige Dynamik, aberwitzige Bass- und Pegelfestigkeit und spritzig-lebendige Höhenwiedergabe gezüchtet, erweist sich als prächtiges Utensil für den Heimkino-Einsatz. Die Elektronik zur Erzeugung der Raumklang-Illusion funktioniert eindrucksvoll: Sie platziert sogar Klänge, die der Regieanweisung nach von hinten kommen, bemerkenswert realistisch. Schön auch, dass der Tiefton-Effektkanal uneingeschränkt in die Wiedergabe einfließt: Tiefton-Attacken, die einen wesentlichen Teil am Kinovergnügen ausmachen, kommen hier so wuchtig und doch so präzise, wie wir es noch mit keinem anderen Heimkino-Kopfhörer erleben durften.

          Wenn sich der Bösewicht anschleicht

          Das Sahnehäubchen schließlich setzt der Head-Tracker dem Hörgenuss auf: Wer erschrocken herumfährt, weil sich im Film ein Bösewicht von hinten anschleicht, wendet sich tatsächlich der Schallquelle zu. Der ganze Spaß funktioniert sogar, wenn Surround-kodierte Stereo-Tonspuren das Programm bestreiten. Dann nimmt sich ein Dolby pro Logic II-Dekoder der Signale an und liefert auf seine Weise die Mehrkanal-Vorlagen für die Virtualisierungselektronik. Und selbst Musik von der CD klingt über das Heimkino-System plastischer.

          Was wir allerdings vermissen, ist ein Stück Zukunftssicherheit: Die neuen High-Definition-Scheiben warten mit noch deutlich feineren Surround-Tonformaten auf. Sie ebenfalls zu dekodieren, stünde einer so anspruchsvollen Lösung wie diesem Heimkino-Kopfhörer gut zu Gesicht. Immerhin: Auch die neuen optischen Medien haben Tonspuren in den klassischen Formaten. An Kompatibilität also wird es nicht mangeln - höchstens am Gefühl, das Beste vom Besten zu genießen.

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