https://www.faz.net/-gy9-6keue

Sony NEX-3 : Spiegellos, spiegellos in der Hand

  • -Aktualisiert am

Vor der schlanken Sony NEX-3 sitzt ein mächtiges Objektiv Bild: Pardey

Sony hat sich zu den Anbietern von „spiegellosen“ Kompaktkameras mit Wechseloptik-System gesellt. Die NEX-3 ist besonders zierlich geraten - ohne Blitz und Objektiv jedenfalls. Beim Verschlanken hat Sony mit optischen Tricks gearbeitet.

          3 Min.

          Ob und gegebenenfalls wie lange die Sony NEX-3 die kleinste und leichteste Digitalkamera mit Wechseloptik ist und bleiben wird, diese Frage sei mal beiseitegelassen. Den Rekord beansprucht auch eigentlich die zu Full-HD-Videos fähige (1920 × 1080 Pixel im Format AVCHD) NEX-5 mit ihrem angeblich zehn Gramm leichteren Magnesium-Gehäuse. Aber Gehäusemaße - laut Typenblatt des Herstellers - von 117,2 × 62,6 × 33,4 Millimeter (B/H/T) und persönlich gewogene betriebsbereite 510 Gramm mit und 297 Gramm ohne das Standard-Zoomobjektiv Sony E 1:3,5-5,6/ 18-55mm OSS (elf Linsen in neun Gruppen, entsprechend Kleinbildbrennweiten von 27 bis 82,5 mm), das ist schon ein Wort. Dennoch stellt sich allen Werbefloskeln vom „Ultrakompakten Kamerasystem“ zum Trotz auch nach einiger Probezeit nicht der Eindruck ein, die NEX-3 sei so viel handlicher als andere kompakte Systemkameras.

          Beim Verschlanken des Gehäuses hat Sony mit optischen und technischen Tricks gearbeitet. Zum einen wurde auf den internen Blitz verzichtet, wie es Olympus bei zwei Pen-Modellen vorgemacht hat. Sony liefert jedoch die nicht nur für einen Aufsteckblitz nutzbare Buchse von Anfang an mit und versteckt sie unter einer Klappe auf der Gehäuseoberseite. Der Blitz ist besonders klein, denn er wird über die Buchse mit Energie versorgt und gesteuert. So weit, so elegant.

          Um zu blitzen, klappt man also die Kamera oben auf. Und dann öffnet man am Blitz eine zweite Klappe, denn der hat nicht nur eine Kontaktleiste, sondern auch noch eine veritable Rändelschraube, die es anzuziehen gilt. Dieweil die Klappe am Kameragehäuse hochsteht, klappt man den Blitz wieder zu und sein komplettes Gehäuse im Gelenk nach oben in Arbeitsposition. Für den Rückbau des Blitzes sind damenhafte XXL-Fingernägel zu empfehlen. So umständlich-unelegant ist die Prozedur, dass man sich zweimal überlegt, ob man denn überhaupt blitzen muss. Und ein größeres, gar ein Systemblitzgerät unter die Klappe zwängen - ganz großes Fragezeichen.

          Fummel-Blitz und Monitor
          Fummel-Blitz und Monitor : Bild: Pardey

          Optisch hat Sony beim Auflagemaß getrickst. Den kameraseitigen Ring des neuen E-Bajonetts, an das mit einem Adapter Sony/Minolta/Konica-Objektive (ohne Autofokus-Funktion) passen, nimmt man als Teil des Objektivtubus wahr. Dadurch wirkt die Kamera dünner und das Standard-Zoom noch wuchtiger als tatsächlich. In dieser Zusammenstellung kommt man nicht einmal in Versuchung, die NEX-3 in eine Manteltasche zu stecken - mit dem Weitwinkel-Pancake E 1:2,8/16 mm mag das etwas anderes sein.

          Das Gehäuse der NEX-3 ist sehr griffig

          Handlichkeit hat ja nicht nur etwas mit Größe und Gewicht zu tun. Griffig ist das Gehäuse der NEX-3 wirklich sehr gut, und auch der satte Gang des sich angenehm metallisch anfassenden Objektivs muss unbedingt gefallen. Oberseite und Rückfront der Kamera wirken mustergültig aufgeräumt, denn da ist einfach nicht viel an Tasten und Hebeln: oben neben dem Auslöser mit dem Hauptschalter die Taste für den Wiedergabemodus und in halber Höhe weit genug abgesetzt der unentbehrliche Knopf für Videoaufnahmen (1280 × 720 Bildpunkte). Die Öffnungen des Stereo-Mikrofons flankieren die Gehäuseklappe.

          An der Rückseite dominiert das in zwei Schritten, aber nicht ganz in die Waagrechte zu neigende Display (7,5 Zentimeter Diagonale, 921 600 Bildpunkte), das man nur vorzüglich nennen kann. Rechts davon gibt es oben und unten einen so genannten Softkey, zwei Tasten, deren wechselnde Bedeutung auf dem Rand des Monitorbilds angezeigt werden. In der Mitte sitzt ein Drehrad, zugleich eine Vier-Wege-Wippe mit einem zentralen dritten Softkey. Diese schöne Einfachheit hat ihren Preis: Solange man die Kamera mit ihrer „intelligenten Automatik“ machen lässt, was sie für richtig hält, kann einen nichts verwirren. Sobald man aber von da weg möchte, muss man wie zu jeder anderen Einstellung - sie sei häufig und rasch nötig oder nur ganz selten und stets mit Muße - ins Menüsystem der Kamera einsteigen. Beispiel: Wechsel von Blenden- auf Programmautomatik - ein erster Tastendruck für die Anwahl des Menüs, und zwar ein anderer Tastendruck als für den Weg von der Programm- zur Blendenautomatik, ein zweiter Druck oder ein Drehen des Einstellrädchens für die Anwahl des Menüpunkts und schließlich ein dritter Tastendruck für dessen Aktivierung. Diese Unhandlichkeit - weil systemimmanent mit unzähligen Beispielen zu illustrieren - hat nichts mit Größe und Gewicht zu tun, wohl aber viel mit Bedienungskomfort, nämlich fehlendem. Die Kamera ähnlich schnell und kreativ wie Modelle der Konkurrenz einzustellen, ist ziemlich unmöglich und wird zusätzlich von einer Menüstruktur erschwert, über deren Logik in manchem Punkt lange zu diskutieren wäre.

          Wem die Einstellmöglichkeiten einschließlich der Wahl von Raw- und Jpeg-Dateien schnuppe sind, der wird mit der Qualität der Bilder, die der im APS-C-Format 23,4 × 15,6 Millimeter neu entwickelte Exmor APS HD CMOS-Sensor in einer Größe von 14,2 Megapixel liefert, gewiss glücklich. Das gilt auch in den höheren Regionen der Empfindlichkeit, wenn man nicht gerade ISO 12800 anwählt, wobei die Kamera selbst warnt: „Bildeindruck wird gröber.“ Solche Benutzer werden sich an Panoramaaufnahmen, Quasi-HDR und gesoftetem Hintergrund erfreuen und mit einem Preis von rund 550 Euro für das Kit mit Zoom hochzufrieden sein.

          Weitere Themen

          Ein guter Draht

          Schlusslicht : Ein guter Draht

          Nordkorea schafft Verbindungen, die wir im ICE gern hätten. Aber die Zukunft nimmt auch so Fahrt auf: Elon Diess surft auf dem VW-See in Wolfsburg in die Ferien.

          Topmeldungen

          Leere in der  Messe Frankfurt: Ohne Unterstützung  hätte es allerdings noch mehr Insolvenzen gegeben.

          Corona-Förderung : Der Weg in die Zombie-Wirtschaft

          Die Bundesregierung will die Corona-Hilfen verlängern. Doch nicht alle Geschäftsmodelle haben eine Zukunft. Ökonomen warnen: Die Hilfe könnte mehr schaden als nutzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.