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Sofortbildkamera von Fujifilm : Der Retroschnarrer für die Weihnachtsparty

  • -Aktualisiert am

Kleine Sofortbilder, Retrokamera und Abfall: Instax Mini 90 Neo Classic Bild: Pardey

Eine Sofortbildkamera wie die Instax Mini 90 Neo Classic von Fujifilm braucht strenggenommen niemand. Aber man fühlt sich wie in der guten alten Zeit, wenn das - nicht so tolle - Bild aus der Kamera schnarrt.

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          Es gibt Kameras, die müssen nicht mit hoher Serienbildfrequenz, exzellenter Abbildungsqualität und zwei Dutzend Motivprogrammen oder Wechselobjektiven punkten. Für die ist es völlig ausreichend, wenn sie nett oder gar drollig aussehen, wenn man mit ihnen Spaß haben kann, und wenn sie, nun ja, auch Bilder machen. Eine Kamera von dieser Sorte ist die Sofortbildkamera Instax Mini 90 Neo Classic von Fujifilm. Um es nur gleich zu sagen, damit ernste Fotoliebhaber das Lesen einstellen können: So eine Kamera braucht strenggenommen niemand. Aber wer mit ihr liebäugelt, soll doch erfahren dürfen, was ihn erwartet.

          Sofortbildkamera? „Aha, Polaroid“, sagt da mancher, „dass es das überhaupt noch gibt . . .“ Ja, das tut es, und die Marke Instax ist Polaroid und Kodak und Fujifilm zusammen. Die Bilder im besseren Sondermarken-Format von 6,2 × 4,6 Zentimeter basieren auf der Integralfilm-Technik, die Polaroid für die 1972 herausgebrachte Kameralegende SX-70 entwickelte: Dabei wurde die Foto-Chemie aus einem am Bild verbleibenden Reservoir beim motorischen Auswurf zwischen Positiv und Negativ über das Bildfeld gepresst, um die Entwicklung der belichteten Fläche in Gang zu setzen.

          Kodak verbesserte bei seinem vier Jahre später vorgestellten System den Integralfilm zum einen durch Änderung der Farbschichten-Reihenfolge. Der Kodak-Instantfilm zeigte deshalb die blauen Bildbereiche zuerst. Vor allem aber wurde er - wie heute die Instax-Bildchen - durch die schwarz erscheinende Bildrückseite belichtet. Daher konnte in den Kodak-Kameras auf den Umkehrspiegel, den die Kameras von Polaroid haben mussten, verzichtet werden.

          Das Allerbeste ist der breite Bildrand

          Zwischen Polaroid und Kodak kam es zum Patentstreit, den Polaroid gewann. Das Kodak-System musste aufgegeben werden. Fuji hingegen stellte sein Instax-System mit Erlaubnis von Polaroid her, was im Gegenzug den Verzicht darauf einschloss, Instax unter anderem in den Vereinigten Staaten zu vertreiben. Die Japaner nahmen zwei wesentliche technische Verbesserungen vor: Sie verlagerten die Stromversorgung für den Bildauswurf, der bei Polaroid als flache Batterie in jedem Filmpaket steckte, und die Andruckplatte in die Kamera. Ergebnis: Der Preis je Bild war geringer als bei Polaroid - und auch der Abfall. Fujifilm stellt außer dem Instax-Mini-Material auch noch Filme für Bilder im Format 6 × 9,9 Zentimeter her. Von Polaroid gibt es heute die knubbeligen Instax Minis als Polaroid 300.

          So weit die Familiengeschichte der Mini 90 Neo Classic, der die Japaner ein schwarz-silbergraues Retrogewand geschneidert haben, wie sie es ja sehr erfolgreich bereits mit den digitalen Modellen der X-Serie tun. Der für Hochformat-Porträts sehr praktische Auslöser an der Front - ein zweiter sitzt oben auf dem Gehäuse - ist zugleich der Hauptschalter und lässt den insgesamt vierstufigen Objektivtubus herausschnurren. Das Objektiv: Brennweite 60 mm, Lichtstärke 1:12,7, bei Einstellung Makro wird automatisch auf Blende 22 zugemacht - „2 Komponenten, 2 Elemente“, sagt das Datenblatt sibyllinisch. Es gibt drei Fixfokus-Stellungen: Makro, Normal und Landschaft. Der Verschluss schafft 1/400 Sekunde als schnellste Zeit und bleibt bei Bulb maximal zehn Sekunden offen. Die Belichtung erfolgt vollautomatisch; die Bildhelligkeit ist zu beeinflussen, Doppelbelichtungen und Vorblitze gegen rote Augen sind möglich. Mit Film und Akku wiegt die Kamera etwa 350 Gramm. Sie kostet knapp 150 Euro, ein Filmdoppelpack mit 20 Aufnahmen etwa 15 Euro.

          Und der Spaß? Es wird einem so wie in der guten alten Zeit, wenn das - nicht so tolle - Bild aus der Kamera schnarrt. Das Allerbeste aber ist der breite Bildrand, auf den man schreibt, was man der Blonden auf der Weihnachtsparty sagen möchte.

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