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Schnelle Bilder : Manchmal muss es einfach Leica sein

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Zwillinge: Die Leica Sofort in Orange neben einer Mini Instax Neo Classic von Fujifilm Bild: Pardey

Die Leica Sofort im Vergleich mit der Fujifilm Mini Instax 90 Neo Classic: Schneller Bilder machen beide, nur zu welchem Preis?

          In Wetzlar wird ja heute gelegentlich so getan, als sei die Fotografie dort erfunden worden. Das trifft zwar nicht einmal wirklich und vollumfänglich für die analoge Kleinbildfotografie zu. Doch ohne Leitz, die Leica und ihren Konstrukteur Oskar Barnack hätten wir heute keine digitalen „Vollformatsensoren“ mit ungefähren Kantenlängen von 24 × 36 Millimeter, auch wenn die vielleicht auf den Namen Sony hören. Nun hatte schon Leitz und hat das Unternehmen Leica eine jahrzehntelang zurückreichende Tradition von Kooperationen mit japanischen Kameraherstellern. Zuerst, noch in vordigitalen Zeiten, war es Minolta, später wurde es, ebenfalls schon vor etlichen Jahren, Panasonic. Manche dieser Kooperationen sind eher Zukäufe japanischer Technik, die äußerlich auf Leica-Linie gebracht wird. Um solch einen Zukauf handelt es sich auch bei der zur Photokina im September präsentierten Leica Sofort.

          „Designed by Leica Camera Germany Made in China“ steht auf der Verpackung. Und auf der Rückseite der Sofortbild-Kamera wiederholt sich der Hinweis auf das Design. Nun hat der Begriff Design ja im Englischen eine etwas anders akzentuierte Bedeutung als im Deutschen. Während wir darunter vorwiegend (Produkt-)Gestaltung verstehen, ist der Designer im Englischen eher auch der Konstrukteur. Deshalb ist der Hinweis der Schachtel auf Englisch fast geschwindelt, von Deutschen verstanden aber wahr: Die Leica Sofort ist eine Fujifilm Mini Instax in einem fraglos wesentlich eleganteren Gehäuse zum etwa dreimal so hohen Preis. Für das eher knubbelige Original der Japaner, das farblich und mit einigem Zubehör-Schnickschnack in erster Linie auf weibliche Teenies und Partygängerinnen zielt, zahlt man im Hauptsache-Spaß-Markt um die 90 Euro. Die Wetzlarer verlangen für ihr Modell, das es ebenfalls in zarten Farbtönen, aber auch poppig in Orange gibt, rund 280 Euro. Und teilen die Kamera nach Warteliste zu. Da stellt sich doch sofort die Frage: Macht die Leica etwa dreimal bessere Bilder? Die Antwort wird noch kurz vertagt, denn zunächst kramen wir unsere Fujifilm Mini Instax 90 Neo Classic heraus. Das ist sozusagen die Mini Instax für den Herrn für rund 130 Euro.

          Gravierend erscheinende Unterschiede

          Witzigerweise unternimmt dieses Fuji-Modell den allerdings reichlich untauglichen Versuch, einer klassischen Meß-Sucherkamera aus Wetzlar zu ähneln. Dass es noch eine ebenfalls auf Fujifilms Instax-System beruhende Polaroid 300 sowie eine mit demselben Film-Material arbeitende Lomographen-Kamera gibt, wird hier einfach übergangen. Mit Fujis Neuklassiker in der einen und die Leica Sofort in der anderen Hand sind tatsächlich gravierend erscheinende Unterschiede des Wetzlarer Designs zu erkennen. So hat die Fuji etwa an der Front einen Hauptschalter, der sich als Ring um das runde Spiegelchen legt.

          Die Leica Sofort hingegen wird an der Rückseite mit einem Tastendruck eingeschaltet. Und ihr Spiegelchen an der Front ist nicht rund, sondern rechteckig. Wozu überhaupt die Spiegelchen? Natürlich zum Ausrichten der Kamera bei Selfies, wozu denn sonst? Wo sich das Gehäuse der Fuji pummelig abgerundet an die Nase des Benutzers schmiegt, wenn der mit dem linken Auge durch den Sucher blickt, zeigt die Leica Sofort klare Kante. Ein wenig unterschiedlich sind die Symbole auf den Tasten und im Display, das hat Wetzlar schicker hingekriegt. Die Logik ist die gleiche. Und im Übrigen gilt: derselbe Akku, die gleiche Art, ihn einzulegen, was bis hin zu der idiotensicheren Farbmarkierung auch für das Einlegen eines Zehner-Filmpacks (rund 12 Euro) gilt.

          Das Motörchen quengelt

          Doch Fuji legt uns mittels zweier Ösen nahe, die Mini Instax als Hochformat am Tragriemen zu tragen. Dazu passt das Stativgewinde an der unteren Schmalseite genauso wie die logische Folge, dass nach oben hin der Schlitz ständig freigehalten bleibt, aus dem das gerade belichtete Foto ausgeworfen wird. Den Schlitz hat die Leica selbstverständlich auch, und ihr Motörchen quengelt und surrt beim Auswerfen ganz genauso penetrant wie das im Original von Fuji. Die im Querformat am Riemen hängende Leica greift man gern schon mal so, dass ein Finger am Auswurfschlitz im Wege ist. Und ihr Stativgewinde hat die Leica logischerweise an der Gehäuse-Unterseite.

          Nun aber doch die Antwort auf die Frage „Liefert Leica für den dreimal höheren Preis die besseren Bilder?“. „Ja, wie denn das?“, möchte man fragen, wenn doch dieselbe Technik dahintersteckt? Es sind ja nicht nur die gleichen Filme, auch die Objektivdaten sind dieselben, bei Leica ein wenig ausführlicher für das „Automatik-Hektor“: 1:12,7/60 mm. Wahrhaftig, ein Lichtriese ist dieses Hektor nicht.

          Die praktischen Ergebnisse geraten denn auch völlig eindeutig: Unter den gleichen Bedingungen gemachte Aufnahmen lassen sich kaum bis gar nicht voneinander unterscheiden. Man muss acht geben, sie nicht durcheinanderzubringen: Leica-Fotos sehen aus wie Fujifilm-Fotos, und Fuji-Sofortbilder ähneln Leica-Sofortbildern wie ein Industrie-Ei dem anderen. Weder sind die Aufnahmen mit der Leica Sofort etwa schärfer, noch ist die Charakteristik der Farben eine andere oder der Bildwinkel. Gelegentlich - und offenbar rein zufällig - erscheint mal dieses oder jenes Bild gelungener als sein Pendant. Aber es ist keineswegs die Leica, die jedes Mal bei diesen Gelegenheiten punktet.

          Die beiden Kameras sehen wohl verschieden gut aus, können das Gleiche, und das einzige Argument für die Leica Sofort lautet schlicht und ergreifend: Manchmal muss es einfach Leica sein.

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