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Plasma-TV von Panasonic : Der Letzte seiner Art

  • -Aktualisiert am

Würdiger Abschied: Plasma-TV TX-P60ZT60E von Panasonic Bild: Hersteller

Die Ära der Plasma-Fernseher geht zu Ende. Panasonic will ihr ein Denkmal setzen - mit einem finalen Modell, das noch einmal in ganzer Pracht zeigen soll, was die Technik kann.

          Anfang November verbreitete Panasonic eine Nachricht mit dem Charme eines Nachrufs: Der Hersteller will fortan keine Plasma-Fernseher mehr bauen. Damit schließt sich ein Kapitel der Bildschirmtechnik, denn Panasonic ist bis heute Marktführer. Selbst wenn Samsung und LG dem Plasma-Prinzip noch eine Weile die Treue halten, liegt es auf der Hand: Seine Ära geht zu Ende. So mancher Heimkinobetreiber dürfte darauf mit Trennungsschmerz reagieren, denn die aus winzigen Edelgas-Zellen bestehenden Bildschirme haben Qualitäten, die LCD-Flachmänner nie erreichen werden. So zeigen sie Farben stets in konstanter Dosis - ganz gleich, aus welchem Winkel der Betrachter sie anschaut. Und sie folgen den Videosignalen blitzartig, bringen also prinzipiell mehr Bewegungsschärfe auf die Bildfläche - auch wenn die LCD-Fraktion in dieser Disziplin dramatisch aufgeholt hat. Lange Zeit galt zudem, dass Plasma-Schirme tieferes Schwarz zeigen und düstere Bildpartien besser differenzieren können. Auch das stimmt nicht mehr uneingeschränkt. Aber: Plasma-Pixel leuchten selbst - ganz ohne externe Lichtquelle und Farbfilter. Damit verleihen sie bewegten Bilder Leben und Strahlkraft, in einem Maß, hinter dem die LCD-Fraktion oft immer noch zurückbleibt.

          Die Entscheidung für den Ausstieg hat vor allem wirtschaftliche Gründe. Aber es gibt auch wichtige technische Aspekte: Seit Jahr und Tag stehen Oled-Schirme als mögliche Nachfolger in den Startlöchern. Ihre Pixel leuchten ebenfalls selbst, können ein noch breiteres Farbspektrum abbilden, brauchen deutlich weniger Strom und machen sich notfalls so klein, dass sie auch für Ultra-HD-Auflösungen taugen. Aus 24 Millionen Plasma-Zellen Ultra-HD-Schirme bauen zu wollen, dürfte dagegen kaum lösbare Probleme aufwerfen.

          Verdoppelte Garantiezeit von vier Jahren

          Nun aber die gute Nachricht für alle Plasma-Fans, die mit dem Gedanken spielen, noch einmal in ein aktuelles Modell zu investieren: Pansonic gewährt für alle Plasma-Geräte des Jahrgangs 2013 noch bis Ende Dezember eine verdoppelte Garantiezeit von vier Jahren. Noch wesentlich reizvoller aber: Mit dem 60-Zöller TX-P60ZT60E (Diagonale 165 Zentimeter) können sich Heim-Cineasten ein veritables Plasma-Denkmal ins Wohnzimmer stellen. Panasonic spricht ganz unbescheiden vom besten Plasma-TV aller Zeiten, Testmagazine stimmen begeistert zu, und wir haben den in limitierter Auflage gefertigten Kaventsmann geordert, um ihm tief in die Pixel zu schauen.

          Der Apparat zeigt die Bilder auf einem „Studio Master Panel“, auf das der Hersteller besonders stolz ist: Ein „Air Gapless“-Verfahren bindet erstmals Frontglas und Panel ohne Luftschicht direkt zusammen, was Reflexionen von Umgebungslicht reduziert und die Leuchtkraft erhöht. Verbesserte Phosphor-Mischungen sollen zudem die Farbwiedergabe nochmals verfeinern. Genug des Vorschusslorbeers, wir haben den flachen Schönling ausgepackt und auf seinen zarten Metallfuß gestellt, über seine vergoldeten Anschlüsse verkabelt und angeworfen. Zur Bedienung liefert Panasonic neben einem klassischen Infrarotsender auch einen kleineren Steuermann mit einer Touch-Pad-Oberfläche; damit fällt das Navigieren leicht. Und das ist wichtig, denn der finale Plasma gehört selbstverständlich auch zur Generation Smart TV, hat also Internet-Zugang und bringt neben Mediatheken und Youtube auch eine klassenübliche Fülle an Apps auf die Bildfläche, Skype-Bildtelefonie inklusive. Die Apps lassen sich individuell auf dem Bildschirm arrangieren. Zudem kann man festlegen, wie der Start-Bildschirm aussehen soll: Traditionalisten wollen gewiss direkt ins Fernsehprogramm, wer mag, kann aber auch eine Kalender-App oder den Wetterbericht in die Startansicht einbauen.

          Ein einziger Tastendruck führt ins smarte Angebot der vernetzten Dienste. Über eine Art grafische Kopfleiste lassen sich elementare Funktionen abrufen, etwa die des Medienplayers, der auf USB-Speichern geparkte Mediendateien abspielt. Oder die des DLNA-Klienten, der automatisch Mediendaten im Heimnetzwerk aufspürt und wiedergibt. Ferner gibt es virtuelle Buttons für den Internet-Browser, den Programmführer und last, but not least, für das Fernsehprogramm. Dies alles ist ergonomisch gut gelöst. Der Bildschirm reagiert stets flüssig und unverzüglich, das gilt auch die Aktivitäten des Web-Browsers.

          Unser Hauptinteresse aber galt natürlich der Bildqualität. Nur: welcher eigentlich? Panasonic hat diesem Gerät ein ungewöhnlich breites Angebot an Voreinstellungen der Bildparameter mitgegeben. Puristen mit Profi-Ambitionen mögen sich zum Beispiel auf den Menüpunkt EBU verlassen, der das Bild nach den Empfehlungen der Europäischen Rundfunk-Union kalibriert. Heimkino-Freaks lassen vielleicht nur gelten, was sich hinter den THX-Menüpunkten verbirgt; hier gleich zwei Varianten für helle und für abgedunkelte Räume zur Verfügung. Natürlich kann man auch seinen ganz individuellen Parameter-Mix abspeichern oder eine der beiden „Profi“-Vorgaben wählen. Hilfreich auch: Die Kompensation des Bildruckelns von Bluray-Filmen, hervorgerufen durch die niedrige Bildwechselfrequenz im Kino, lässt sich in mehreren Stufen einstellen, um so einen möglichst guten Kompromiss zwischen Konturenschärfe und flüssiger Bewegung zu erzielen.

          Allein das Experimentieren mit den Einstellungen macht Spaß, der Filmgenuss dann aber erst recht. Alles, was man den Plasmas an segensreichen Eigenschaften nachsagt: Der finale Panasonic bestätigt es mit Glanz und Gloria. Tiefes Schwarz, enormer Kontrast, leuchtende Farben, klare Bewegungen, das alles bietet dieser Fernseher in Perfektion. Einzige Nebenwirkung: Er zeigt gnadenlos auf, wie unterschiedlich (und leider oft gar nicht perfekt) die Qualität von Fernsehbildern ist. Das erinnert uns an exzellente HiFi-Anlagen, die alles hörbar machen, was in der Aufnahme steckt, auch die Schwächen. Der wahre Heimkino-Fan aber wird mit diesem Plasma-Monument glücklich. Dafür nimmt er sogar den Preis von 4500 Euro in Kauf.

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