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Photokina 2010 : Kompaktheit mit System ist Trumpf

  • -Aktualisiert am
Strahlengang: So gelangt in Sonys SLT-Modellen Licht zum AF-Sensor
          4 Min.

          Die erste – oft sogar einzige – Frage einer großen Mehrheit im Zusammenhang mit einer Kamera ist ziemlich simpel: „Macht die gute Bilder?“ Dass dabei das Wort „gut“ unendlich vieldeutig ist, bleibe hier ebenso außen vor wie die Feststellung, dass nicht die Kamera, sondern ihr Benutzer das Bild macht. Was Millionen Käufer wollen, lässt sich technisch als scharf, kontrastreich, richtig belichtet umschreiben. Aber das ist nur eine Grundlage für das eigentlich Gewollte: emotional anrührende Bilder. Was damit gemeint ist, wird einem bewusst, wenn man nach dem optischen Trommelfeuer der Photokina-Bilderschauen einen Moment lang überlegt, welches Bild einem wohl bis zur nächsten Photokina im Gedächtnis bleiben wird.

          Etwa der, Verzeihung, scheußliche Kitsch, den die neue Casio Exilim EX-ZR10 als HDR-Funktion bietet? Die Bildbeispiele, mit denen Casio wirbt, sehen so aus, als habe eine unrettbar gut gelaunte Frieda Kahlo sie gemalt. Technisch wird diese grelle Buntheit durch das Ineinanderrechnen einer mit Hochgeschwindigkeit – Casios Spezialität – und verschiedener Belichtung aufgenommenen Bilderserie bewerkstelligt. Das überzeugt so wenig wie die in der EX-H20G eingebaute GPS-Funktion, die uns rund um den Globus zum Abfotografieren von 10.000 Sehenswürdigkeiten führen können soll. Ob das zu einem „Shaking up the Digital Camera Market“ (Casio Selbstdarstellung) reichen wird, darf bezweifelt werden.

          Der Kameramarkt wird nämlich gerade von etwas ganz anderem aufgemischt: Die Königsklasse der Spiegelreflexkameras nimmt nach Stückzahlen ab, während die Kompaktkameras, die hilflos „mirrorless“ oder „kompakte Systemkameras mit Wechselobjektiven“ und in Köln nun häufig einfach nur noch „Systemkameras“ genannt wurden, kräftig zulegen. Hierzulande haben die Pen-E-Serie von Olympus, die Lumix-G-Serie von Panasonic, die NEX-Kameras von Sony oder die NX-Kameras von Samsung einen Anteil von etwa 15 Prozent an den Kameras mit Wechseloptik. Auf anderen Märkten, speziell in Asien ist der Anteil schon doppelt so groß: Was ehedem vergleichsweise voluminösen und schweren Spiegelreflexen vorbehalten war – eine breite Auswahl an austauschbaren Brennweiten und eine exzellente Bildqualität, passt mittlerweile bequem in eine Jackentasche.

          Riesentüte: Canon PowerShot SX30IS
          Riesentüte: Canon PowerShot SX30IS : Bild: Hersteller

          Gewiss, der Photokina-Besucher sah auch eine Reihe neuer Spiegelreflexen: etwa die Canon Eos 60D als erste Eos mit Dreh- und Schwenkdisplay; die Olympus E-5 als neues Spitzenmodell des E-Systems; die Nikon D7000 als Nachfolgerin der D90; oder die Pentax K-r als Verschmelzung von Hochleistungstechnik von der Pentax 645 und einfacher Handhabung (12 Megapixel, Empfindlichkeit bis ISO 25 600, Bildserien mit einer Frequenz von sechs Aufnahmen in der Sekunde). Nicht zu vergessen die angekündigte Sigma SD1 mit einem neuen Foveon-Sensor, der jeweils 15,3 Megapixel für jede der drei Grundfarben mitbringt, eine Datenmenge zu deren Verarbeitung in der Kamera zwei Bildprozessoren arbeiten.

          Spiegelreflexkameras bei Autofokusgeschwindigkeit unschlagbar

          Richtig spannend erschienen jedoch die schon in die Hand zu nehmenden SLT-Modelle von Sony. Die erreichen eher rasselnd, als klackend Bildfrequenzen von zehn (A55) und sieben (A33) Bildern in der Sekunde, stellen dabei mit Phasendetektion scharf, haben zwar einen Spiegel, sind aber keine Spiegelreflexkameras: der teildurchlässige Spiegel bewegt sich vor dem Sensor nicht, sondern zwackt 30 Prozent des Lichts für den Autofokussensor nach oben ab. Bei den rasch bewegten, vor allem aber gut ausgeleuchteten Motiven in der Kölner Messehalle und im Sonnenschein funktionierte das wahrhaft beeindruckend. Wie das bei weniger Licht sein wird, bleibt noch auszuprobieren.

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