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Nucontrol und Nupower im Test : Präzisionswerkzeug und Kraftprotz

  • -Aktualisiert am

Vorverstärker und Endstufe von Nubert Bild: Hersteller

Lautsprecher-Hersteller Nubert verstärkt sich selbst. Mit der Kombination aus Nucontrol und Nupower ist man für alle akustischen Fälle gerüstet. Die Endstufen haben eine enorme Leistung.

          Günther Nubert, der Lautsprecher-Versender aus Schwäbisch Gmünd, kann die Tugenden seiner Heimatregion kaum verleugnen: Seit mehr als 40 Jahren tüftelt und schraubt er, was das Zeug hält, kennt so ziemlich jedes Chassis, das der Markt hergibt, persönlich und kann abendfüllend über Frequenzweichen referieren. Neuerdings aber gilt seine ungeteilte Aufmerksamkeit der Elektronik. So hat er als jüngste Errungenschaft eine Kombination aus Vor- und Endverstärker im Programm, die High-End-Qualitäten zu überschaubaren Preisen bieten soll - ganz so, wie es die Haus-Philosophie vorgibt. Hält das Duo tatsächlich, was Günther Nubert verspricht?

          Äußerlich geben sich die beiden Flachbauten, Nucontrol und Nupower genannt, denkbar schlicht. Auf den mattschwarzen, dicken Aluminium-Fronten tummeln sich nur wenige Bedienelemente: Je ein Drehknopf, beim Vorverstärker noch eine Handvoll Tasten und ein Display-Fernster für eine dreizeilige Menüführung - mehr zeigen die Geräte nicht her. Doch der Understatement-Look täuscht. So steckt der Vorverstärker voller digitaler Raffinessen, mit denen er sich wie kaum ein anderes Gerät an seine Einsatzbedingungen anpassen lässt.

          Eines der Highlights ist ein siebenbandiger parametrischer Equalizer. Die Einsatzfrequenzen und die Bandbreiten der Filterwirkung (Fachbegriff: Güte) lassen sich exakt festlegen. Natürlich gibt es auch die einfacheren, üblichen Klangregelungen für Bässe und Höhen. Zusätzlich betreibt eine in zwei Stärken wählbare Loudness-Korrektur Klangkosmetik, um die subjektiv empfundenen Bass-Schwächen bei geringen Lautstärken auszugleichen.

          Außerdem gibt es separate Justagemöglichkeiten für jeden der beiden Stereo-Lautsprecher. Dazu gehören Lautstärkekorrekturen, Laufzeit-Kompensationen für Boxen, die unterschiedlich weit vom Hörplatz entfernt sind, Bass-Korrekturen und maßgeschneiderte Optimierungsfilter für Lautsprecher aus dem Nubert-Programm. Der Vorverstärker kann auch zwei aktive Subwoofer speisen und ihre Wiedergabe subtil beeinflussen.

          Tiefpassfilter definieren ihre oberen Grenzfrequenzen mit Werten zwischen 30 und 240 Hertz. Ein weiterer Menüpunkt definierte die Flankensteilheit mit sechs oder zwölf Dezibel je Oktave. Die Phase lässt sich, falls nötig, um 180 Grad drehen, und die „Delay“-Einstellung legt fest, ob der jeweilige Subwoofer mit Zeitverzögerung arbeiten soll. Sogar ein justierbares Hochpassfilter ist vorhanden, das die Subwoofer bei Bedarf vor allzu tiefen Frequenzen schützt. Mehr geht eigentlich nicht. Doch, der Nucontrol bietet noch ein paar Feinheiten. Eine „Mute“-Voreinstellung etwa. Sie definiert, um wie viel die Lautstärke gesenkt werden soll, wenn der Operateur die entsprechende Taste auf der Fernbedienung drückt. Obendrein lässt sich die Empfindlichkeit der drei analogen Cinch-Eingänge einstellen.

          Professionelle XLR-Anschlüsse

          Neben diesen Anschlüssen gibt es noch einen symmetrischen Analogeingang in Form von professionellen XLR-Anschlüssen, zwei elektrische und zwei optische Digitaleingänge sowie einen USB-Anschluss, den ein Notebook direkt mit digitaler Musik bespielen kann. Schade nur, dass Nubert ausgerechnet diese Schnittstelle mit den Auflösungswerten 48 Kilohertz/16 Bit begrenzt. Als Ausgänge bietet der Vorverstärker Cinch-Buchsen für die Endstufe und zwei weitere Cinch-Anschlüsse für die Subwoofer an, außerdem analoge und digitale Schnittstellen für Aufnahmen. Wer mag, kann den Endverstärker auch symmetrisch über XLR-Buchsen ansteuern.

          Der Nupower hat die passenden Eingänge. Als Ausgänge für zwei Lautsprecherpaare halten sich mächtige Schraubklemmen mit vergoldeten Kontakten bereit. Im Inneren des Leistungsverstärkers arbeiten Schaltendstufen mit sehr hohem Wirkungsgrad; das erklärt die kompakte Bauform und die Abwesenheit sperriger Kühlkörper. Dem Gebot der Effizienz folgt auch das Schaltnetzteil, dem Nubert, so behaupten es die Datenblätter, Spitzenleistungen bis zu vier Kilowatt entlockt.

          Kann ein solches Effizienz-Monster überhaupt gut klingen?

          Dazu passt der Wert, den der Hersteller als Verstärker-Ausgangsleistung angibt: Aberwitzige zweimal 920 Watt soll der Nupower liefern, und zwar an allen erdenklichen Lasten, also selbst an Lautsprechern, deren Niedrig-Impedanz in gefährlicher Nähe zu Kurzschluss liegt. Das macht neugierig: Kann ein solches Effizienz-Monster überhaupt gut klingen?

          Manche High-End-Puristen hätten dazu schon vor dem Hören ein klares Urteil parat, aber wir lauschten, wie immer, ergebnisoffen. Kurzum: Die Nuberts klingen verblüffend gut. Nicht nur, weil sie selbst extreme Bassgewitter standfest, klar und knochentrocken in den Hörraum wuchten, sondern auch, weil sie mit der Sensibilität elektronischer Mimosen operieren, wenn die Musik es verlangt. Holzbläser etwa intonieren so samtweich und zart, als hätten erzkonservativ konstruierte Klasse-A-Verstärker ihre heißen Halbleiter im Spiel - da kommt einfach Freude auf.

          Der Blick in die Preisliste lässt den Kenner fast schmunzeln: 1940 Euro verlangt Nubert für den Vorverstärker, 2450 Euro kostet die Endstufe. So mancher High-Ender würde das Doppelte in die Rechnung schreiben.

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