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Neue Kopfhörer-Vorgaben für iPhone : Hat Apple deshalb Beats gekauft?

Der linke Anschluss, die Mini-Klinke, könnte bald am iPhone fehlen Bild: Eilmes, Wolfgang

Apple macht neue Vorgaben für die Verwendung von Kopfhörern am iPhone. Dies könnte die Hersteller wirtschaftlich in Bedrängnis bringen - und erklären, was Apple mit Beats vorhat.

          Es klingt nach einer unscheinbaren technischen Anforderung, könnte aber enorm große Auswirkungen auf die Kopfhörerindustrie haben: Apple hat im Rahmen seines „Made for iPhone/iPod/iPad“-Programms (Mfi) neue Vorgaben für die Verwendung eines Kopfhörers am Lightning-Anschluss veröffentlicht, berichtet das Portal 9to5Mac.

          Hersteller können ihre Kopfhörer somit künftig so konzipieren, dass sie über den Auflade-Eingang betrieben werden können und der klassische 3,5-Millimeter-Klinke-Anschluss unbenutzt bleibt. Das Mfi-Programm regelt, ob ein Kopfhörerhersteller ein Headset-Kabel als iPhone-tauglich verkaufen darf oder nicht.

          Warum sollte sich die Audioqualität verbessern?

          Dadurch ergeben sich neue technische Möglichkeiten beim Betrieb eines iPhones mit einem Kopfhörer. Erstens kann ein aktiver Hörer, der etwa für seine Noise-Cancelling-Technik Energie benötigt, sich diese vom iPhone abzapfen, statt auf Batterien oder Akkus im Kopfhörer angewiesen zu sein. Umgekehrt soll das auch funktionieren: Das iPhone kann per Kopfhörer aufgeladen werden. Dieser Vorteil überzeugt jedoch nicht so sehr, weil die Smartphonehersteller schon jetzt immer ausdauerndere Akkus anbieten und die Betriebssysteme mit Energiesparmodi ausrüsten, um eine möglichst lange Akkulaufzeit zu erreichen.

          Hat Apple mit dem Beats bald ein Monopol auf iPhone-Kopfhörer?

          Zweitens können die Lightning-Kabel durch den mehrpoligen Aufbau die Funktionalität eines Headset-Kabels übernehmen. Mit einem eingebauten Mikrofon am Kopfhörer könnte dann man auch telefonieren, mit Tasten die Musik laut und leiser stellen oder Anrufe annehmen. Auch hier ist der Mehrwert aber nicht sofort erkennbar, weil die Bedienung außerhalb des iPhones stattfände, was die aktuellen Kabel jetzt schon leisten. Neu wäre allerdings, dass sich etwa Apps öffnen könnten, sobald man das Lightning-Kopfhörerkabel ins iPhone steckt.

          Die Audioqualität dürfte nicht zunehmen

          Drittens könnte die Lightning-Verbindung Daten digital mit einer Abtastrate von 48 Kilohertz weitergeben. Dadurch würde, so liest man häufig, die Audioqualität gesteigert. Doch dies ist aus zwei Gründen zu bezweifeln. Zum einen müsste man dann auf seinem iPhone oder iPad Dateien speichern, die eine noch bessere Abtastrate als CDs haben. Formate wie WAV, Apple Lossless oder andere benötigen jedoch viel Platz und bringen den internen Speicher schnell an seine Grenzen. Nur wenige dürften ihr iPhone mit einer solchen Datenmenge beladen. Und wer es richtig ernst meint mit hochwertigen Audiodateien, benutzt einen HiRes-Player, der bis zu 392 Kilohertz wiedergeben kann und zudem über eine entsprechende große Festplatte verfügt.

          Viel wichtiger ist indes: Irgendwann müssen die digitalen Daten in analoge gewandelt werden. Denn eine Membran im Kopfhörer braucht analoge Signale, daran kann auch Apple nichts ändern. Diese Wandlung geschieht zurzeit im iPhone selbst oder in einem externen Digital-Analog-Wandler, den man sowieso schon über den Lightning-Anschluss verbindet. Die neue Technik würde diesen Prozess dann im Kopfhörer stattfinden lassen. Klanglich bringt dies jedoch nur den Mehrwert, den momentan externe Kopfhörerverstärker mit integriertem Digital-Analog-Wandler ohnehin bieten. Würde dieser im Kopfhörer stecken, hätte man zwar ein Gerät weniger, wäre aber auch an genau diesen gebunden.

          Apple hat im Übrigen genaue Vorstellungen davon, wie die neue Technik von den Kopfhörerherstellern umgesetzt werden soll. Die neuen Vorgaben sehen zwei Stufen vor: In der Basis-Version muss der Hersteller einen Wandlerchip von Wolfson verbauen. Um am „Advanced”-Programm teilnehmen zu können, muss er einen Digital Signal Prozessor (DSP) im Kopfhörer unterbringen. Letzterer hätte den Vorteil, dass man über ihn den Sound, der vom iPhone kommt, noch beeinflussen könnte.

          Warum der ganze Aufwand?

          Der wirkliche Grund für die neuen technischen Vorgaben im Mfi-Programm dürfte aber ganz anderer, wirtschaftlicher Natur sein. Mit den neuen Vorgaben könnte Apple seine neue Hausmarke Electronic Beats zu einer Art Monopolist für iPhone-Kopfhörer ausbauen. Neue Modelle könnten ausschließlich mit Lightning-Anschluss auf den Markt kommen, was für manchen vielleicht schon deshalb ein Kaufanreiz wäre, weil es neu ist. Solange die Mini-Klinke als alternativer Anschluss bleibt, könnten Kunden die neuen Beatsmodelle indes noch ignorieren.

          Aber es könnte anders kommen, wie das Magazin Forbes in einem Bericht sehr anschaulich beschrieben hat. Das Szenario: Apple verzichtet bei künftigen iPhone-Modellen auf die Mini-Klinke und lässt nur noch den Kopfhöreranschluss per Lightning zu. Dann wären alle Musikhörer mit herkömmlichem Kopfhörer außen vor. Es sei denn, sie kaufen sich ein Lightning-Klinke-Adapter, der vermutlich um die 30 Euro kosten dürfte, weil sich in diesem Preissegment die meisten Adapter bewegen.

          Doch der Lightning-Anschluss für Kopfhörer könnte für Apple noch aus anderen Gründen ein sehr lukratives Geschäft werden. Denn wenn die Kopfhörerhersteller auf die neuen Vorgaben reagieren sollten und ihre Modelle mit entsprechenden Kabeln ausrüsten, kostet sie das nicht nur viel Entwicklungsarbeit, sondern auch Lizenzgebühren. Damit sie ein solches Produkt anbieten dürfen, müssen sie Apples Mfi-Programm durchlaufen. Das heißt, sie müssen einen Prototypen entwerfen und ihn nach Cupertino schicken. Willigt Apple ein, ist ihr Produkt zertifiziert und die nötigen Chips für die Lightning-Kopfhörer dürfen gekauft werden. Bei jedem einzelnen Chip ist Apple über Lizenzgebühren finanziell beteiligt.

          Es gibt übrigens noch einen Grund, warum Apple bald auf die Mini-Klinke verzichten könnte: Ohne sie kann das iPhone noch schlanker werden. Vielleicht sehen wir das schon im Herbst bei der Version 6.

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