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Neue JVC-Kamera : Mehr Videomaschine als Fotoapparat

  • -Aktualisiert am

Schlanker Body, knorriger Griff: Das Äußere der JVC-Kamera signalisiert Zugehörigkeit zur Bridge-Klasse. Bild: JVC

Eine neue Kamera von JVC sieht aus wie ein Fotoapparat. Aber drinnen stecken Video-Gene. Ein leistungsstarker Bildprozessor ermöglicht paralleles Arbeiten.

          3 Min.

          Videokameras schießen Fotos, Spiegelreflex-Apparate drehen Filme - die modernen Digitalos lieben das Spiel mit artfremden Rollen. Ein neues Aufnahmegerät von JVC wirft sogar die Frage auf: Wo liegt sie denn überhaupt, die Kernkompetenz dieses Apparates? Seiner Gestalt nach könnte er sich das Etikett Bridgekamera anheften: Hinter dem langen Rohr eines Zoom-Objektivs sitz ein Foto-typischer, sehr flach gehaltener Korpus mit knorrigem Griff, ganz nach Art der Standbild-Kameras. Aber JVC ist nun einmal in der Videotechnik zuhause. Das legt die primäre Einordnung ins Bewegtbild-Lager nahe.

          In jedem Fall macht das Gerät mit der Typenbezeichnung GC-PX10 neugierig - nicht zuletzt wegen all der spektakulären technischen Details, mit denen JVS für seinen jüngsten Zögling wirbt. So filmt die Kamera in voller HD-Auflösung mit 50 Bildern je Sekunde - und zwar im Vollbildmodus mit sämtlichen 1080 Zeilen. Dabei schwingt sie sich zu einem Datenumsatz auf, der seinesgleichen sucht: Bis zu 36 Megabit entströmen dem Bildsensor in jeder Sekunde, zur Speicherung verpackt in MP4-Dateien nach dem Kompressionsstandard H.264. Damit wird nur ein Bildverarbeitungsprozessor fertig, der wie von Sinnen schuftet.

          Wie ein Maschinengewehr

          So ganz nebenbei gelingen diesem Bildrechner noch weitere bemerkenswerte Leistungsnachweise. Während die Kamera Bewegtbilder einfängt, kann sie gleichzeitig Fotos aufnehmen und mit Auflösungen über 8 Megapixel im Speicher ablegen. Und wenn es gilt, Spielzüge auf dem Fußballrasen in Superzeitlupe zu analysieren, erhöht die Kamera die Video-Schlagzahl auf 250 Einzelbilder je Sekunde. Dann schafft sie allerdings nur noch eine Auflösung von 640 mal 360 Bildpunkten.

          Zu Höchstleistungen läuft das JVC-Modell auch im Fotomodus auf. So schießt sie wie ein Maschinengewehr bis zu 130 Fotos nacheinander - in jeder Sekunde 50 Bilder mit jeweils 8 Megapixel Auflösung. Knipst sie ganz normale Einzelmotive, schafft sie sogar Auflösungen bis 12 Megapixel. Die gesamte digitale Ausbeute landet entweder im 32 Gigabyte großen eingebauten Speicher oder auf zusätzlichen Speicherkarten vom Typ SDXC oder SDHC.

          Erst einmal ein bisschen suchen

          Doch grau ist alle Theorie. Im praktischen Einsatz gemahnt das Gerät tatsächlich eher an Kameras der Spezies Foto: Umgreift die aktive Hand den Griff, der zugleich als Batteriefach dient, findet der Zeigefinger intuitiv jenen Auslöseknopf, der die Einzelbilder knipst. Stehen aber Dreharbeiten auf dem Arbeitsplan, so muss der Daumen erst einmal ein bisschen suchen, bis er den zuständigen Auslöser auf der Gehäuserückseite findet. Und er muss sich etwas verbiegen, bis er den ebenfalls auf der Rückseite und damit ungewohnt angeordneten Zoomhebel erwischt. Ergonomische Traditionen haben, das zeigt sich hier, durchaus prägende Langzeitwirkung.

          Unkonventionell muten auch die Bedienmenüs auf dem Touchscreen-Monitor an: Sie sind überraschend einfach gestaltet und lassen vieles weg, was in anderen Apparaten eher verwirrt. Das bedeutet keineswegs den Verzicht auf sinnvolle Funktionen. So bietet die Kamera neben der narrensicheren Automatik auch eine Programm-Auswahl und die Möglichkeit, Blenden oder Verschlusszeiten vorzuwählen oder die Tiefenschärfe festzulegen. Ein Rädchen links am Objektiv-Tubus nimmt die nötigen Einstellungen vor.

          Tolle Feinzeichnung, natürliche Farben

          Vor den Probeaufnahmen haben wir uns noch mit ein paar weiteren Details vertraut gemacht, etwa den Fähigkeiten des Monitors: Der 8 Zentimeter große, helle Schirm lässt sich nach oben schwenken - so weit, dass er für Selbstporträt-Zwecke von vorn zu sehen ist. Und im Trockenkurs haben wir uns zunächst auch noch mit dem Objektiv befasst. Das lange Rohr deckt einen zehnfachen Brennweitenbereich ab, der, auf Kleinbildverhältnisse umgerechnet, etwa den Werten 40 bis 400 Millimeter entspricht. Das sind übliche Größen in der Kamkorder-Welt: nicht wirklich weiter Winkel zur Aufnahme in Räumen, aber sehr weite Tele-Perspektive.

          Beim Filmen verhält sich das JVC-Maschinchen so, wie wir es von guten Kamkordern her kennen: Der Zoom arbeitet ruhig und gleichmäßig, der Bildstabilisator bremst Wackler wirksam aus. Nur in extremen Tele-Einstellungen kommt er an seine natürlichen Grenzen. Im Foto-Modus agiert der Autofokus zu langsam - jedenfalls im Vergleich zu einer echten Bridgekamera. Auch die höhere Auslöseverzögerung markiert den Abstand zu reinrassiger Fotoausrüstung. Die Resultate aber können sich durchaus sehen lassen - sowohl die bewegten als auch die statischen Bilder. Denn haben die Linsen das Motiv erst einmal scharf im Visier, lichten sie es mit toller Feinzeichnung und natürlichen Farben ab.

          Und in unseren Testvideos fanden wir keine sichtbaren Kompressions- oder Bewegungsartefakte - eine wirklich überzeugende Leistung. Dass sich das Bildrauschen im Dämmerlicht rasch erhöht, akzeptieren wir als klassenübliche Eigenschaft. So lautet unser Fazit: Die neue Kombi-Kamera von JVC, Preis: etwa 900 Euro, kann ihre Herkunft nicht verleugnen: Als Videomaschine schlägt sie sich sehr gut. Sie macht auch schöne Fotos, nur: Geräte, die speziell für diesen Zweck konstruiert wurden, stellen flotter scharf und kommen schneller zum Schuss.

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