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Musik in der Cloud : Die wunderbare Leichtigkeit von HiFi 2.0

Musik im Griff: Mit zwei, drei Fingertipps ist der Titel schnell gefunden Bild: Michael Spehr

Musik wandert in die Wolke, die Audio-CD wird überflüssig. Ein Blick auf die neuen Dienste in der Cloud und das Musik-Streaming fürs Smartphone.

          6 Min.

          Noch bilden sie den HiFi-Altar im Wohnzimmer. Lautsprecher, CD-Spieler, Verstärker, Radio und andere Apparate tummeln sich rund ums Fernsehgerät, und im Regal kommen Hunderte von Audio-CDs dazu. Der Weg zur guten Musik im eigenen Heim gleicht einer japanischen Teezeremonie: Auswahl der zu spielenden Quelle, Blättern und Suche in der CD-Sammlung, Einschalten verschiedener Geräte und die manuelle Abstimmung der Lautstärke mit einem Drehsteller. Man kann dieses Ritual genießen.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Aber es geht auch einfacher. Ein Lautsprecher mit eingebautem Verstärker am W-Lan-Router, die passende App fürs Smartphone und ein Abonnement für Musikdienste im Internet sind schon alles. In weniger als fünf Sekunden erscheint die Liste der Neuerscheinungen auf dem Display des Telefons. Und mit einem weiteren Fingertipp spielt das neue Album von "Adele" im Wohnzimmer. Man hat es nicht erworben, man muss es auch nicht kaufen, und trotzdem ist das Ganze legal.

          Musik-Streaming aus dem Netz und Musikspeicherung in der Cloud sind vor allem bei der jungen Generation beliebt. Die neuen Verfahren lösen sich vom physikalischen Datenträger und bieten damit einen universellen Zugriff auf Musik: zu Hause am PC und an der HiFi-Anlage, unterwegs auf dem Smartphone und dem Tablet PC. Streaming ist der Medienempfang über das Netz und die gleichzeitige Wiedergabe. Der Inhalt muss also vor der Wiedergabe nicht lokal (etwa auf der Festplatte) gespeichert werden.

          Wer einen Blick auf die neuen Angebote wirft, sieht eine klare Differenzierungslinie. Das "konservative" Modell setzt wie gehabt auf den Kauf von Alben und Titeln. Die Innovation ist das Vorhalten in der Datenwolke des Internet und der einfache Kaufvorgang, indem neu erworbene Titel automatisch in die private Musik-Cloud eingeordnet werden. Überflüssig wird der Zwischenhandel, das Umwandeln der CD in MP3-Dateien und das manuelle Übertragen auf ein Smartphone.

          Amazon hat in den Vereinigten Staaten sein "Cloud Drive" gestartet. Man meldet sich mit seinem Amazon-Nutzernamen an und kann unentgeltlich 5 Gigabyte Musik (und andere Daten) in die Wolke hochladen. Musik in den Formaten MP3 und AAC lässt sich fortan über ein Web-Interface streamen oder - auf Android-Smartphones und Tablet PC - mit Hilfe einer App wiedergeben. Auf den mobilen Geräten wird die Musik entweder lokal vorgehalten oder (bei vorhandener Netzverbindung) direkt aus der eigenen Cloud heraus abgespielt. Der Clou tut sich nach dem Erwerb von weiteren Stücken oder Alben bei Amazon auf: Sie wandern nicht nur sofort als MP3 in das eigene Cloud-Drive, sondern erhöhen derzeit auch den Gratis-Speicherplatz auf 20 Gigabyte.

          Bei Amazon gekaufte Musik wird zudem nicht auf das Speicherlimit angerechnet. Ein starkes Argument, seine Musik nur noch bei Amazon zu kaufen. Und damit sind gleich die Grenzen dieses Diensts aufgezeigt. Ein direkter Zugriff auf vorhandene Musikbibliotheken (etwa Apple iTunes) ist nicht möglich, zudem gibt es die Amazon-App nur für Android und in einer (eingeschränkten) Version für die Blackberrys.

          Eigene Musik landet in der Cloud

          Das Hochladen älterer eigener Bestände in die Amazon-Cloud ist nicht nur mühselig, sondern selbst mit einem schnellen DSL-Anschluss zeitraubend. Gegebenenfalls ist man tagelang beschäftigt. Diesen großen Nachteil bringt auch das neue Google Music mit, das ebenfalls für das allgemeine Publikum nur in den Vereinigten Staaten zur Verfügung steht (man kann es mit "Einladungen" auch in Deutschland ausprobieren). Google Music bietet Platz für bis zu 20.000 Titel, auf die man via Browser oder Android-App zugreift. Für das iPhone und das iPad gibt es eine im Safari-Browser laufende Web-App. Bis zu acht Mobilgeräte lassen sich mit einem Account anbinden, ausgewählte Titel stehen "offline" für die Wiedergabe ohne Netzverbindung parat. Google bietet jedoch keine Möglichkeit, neue Alben zu kaufen und direkt in der Cloud abzulegen.

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