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Musik in der Cloud : Die wunderbare Leichtigkeit von HiFi 2.0

Wir haben das Angebot des Marktführers Napster einige Zeit ausprobiert. Das amerikanische Unternehmen entstand als Musiktauschbörse und bietet mittlerweile rund 17 Millionen Titel an. Die erste wichtige Erfahrung lautet: Die Masse macht's. Geht man mit einem Mainstream-Musikgeschmack an Napster heran, ist die Fülle geradezu erschlagend. Es ist eben alles auf Mausklick verfügbar, zumindest aus den Bereichen Rock und Pop, Rap, Dance, Soul und Alternative. Wer sich mit Jugendlichen oder Junggebliebenen auf die Suche nach ihren Lieblingstiteln macht, sieht schnell ein Leuchten in den Augen.

Tote Hose bei den Toten Hosen

Nur kurz für 30 Sekunden anspielbar sind jedoch Titel einzelner Musikgruppen, die ihre Rechte nicht für Napster und Co. freigegeben haben. Dazu gehören etwa Die Ärzte, Die Toten Hosen und die Red Hot Chili Peppers. Auch manche Compilation fehlt bei unklarer Rechtelage, gegebenenfalls findet man aber die einzelnen Titel. Klassik und Jazz sind ordentlich bei Napster aufgestellt, aber der HiFi-Liebhaber älterer Schule wird mühelos Dutzende von CDs aus seinem Regal ziehen, die man auf Napster nicht findet, alte Einspielungen beispielsweise oder kleine Auflagen exotischer Labels. In diesem Sinne sind 17 Millionen Titel gewiss viel, aber mit viel weniger sollte man sich nicht zufriedengeben.

Faszinierend ist die Smartphone-Unterstützung. Auf bis zu drei Geräten, wahlweise Android oder iPhone, kann man mit der zugehörigen Napster-App nicht nur streamend live empfangen, sondern sich beispielsweise morgens Tag für Tag ein neues Album auf das Gerät laden, um es später mit Bluetooth A2DP im Auto wiederzugeben. Ein Limit für diese Offline-Titel gibt es bei Napster nicht. Dass die Napster-Software fürs iPhone gelegentlich hakt, sei am Rande erwähnt. Insgesamt ist das eine Zäsur. Der flinke Zugriff auf fast alle Titel wird selbstverständlich. Die Wege zur Musik sind nicht mehr durch den eigenen Aufenthaltsort oder durch das Vorhandensein von Medien begrenzt. Musik ist vielmehr so selbstverständlich wie Strom oder Wasser. Damit geht die Bedeutung einzelner Titel zurück, ihr ökonomischer Wert strebt bei solchen Flatrate-Angeboten gegen null.

Und für die Musik zu Hause ändern Napster & Co ebenfalls alles. Wir haben nicht die HiFi-Anlage abgebaut. Denn die Klangqualität der mit MP3 oder AAC eingedampften Stücke ist zwar ordentlich, befriedigt aber nicht höchste Ansprüche. Indes haben wir die neue kleine Sonos-Anlage Play 3 zusätzlich aufgebaut. Sonos richtet sich seit Jahren an Zeitgenossen, die ihre Musik in iTunes-Archiven oder auf Netzwerkfestplatten vorhalten. Das amerikanische System reicht sie drahtlos an Abspielstationen (Zonen) im Heimnetz weiter. Mit Apps fürs iPhone oder Android steuert man die Wiedergabe, und zwar im gesamten Haus. Faszinierend ist, wie einfach das Ganze vonstattengeht. Neue Einheiten sind im Nu angekoppelt, aus zwei Zonen kann man ein Stereo-Pärchen machen, aber selbst im Mono-Einsatz klingt die Play 3 verblüffend gut. Nur ärgert man sich über einige Nickeligkeiten: Ein Zugriff auf iTunes-Wiedergabelisten fehlt, und Airplay wird von Sonos nur über den Umweg einer weiteren Komponente - Apples Airport Express - hergestellt.

Aber Sonos arbeitet sowohl mit sozialen Musiknetzwerken wie Last FM zusammen wie auch mit Napster. Damit schließt sich der Kreis. Ein solches System hat mit dem gewohnten HiFi-Konsum und der Stapelware im Tonträgerregal nichts mehr gemeinsam. Gesten auf dem Smartphone dienen der Navigation durch Genres, Alben, Interpreten oder das Internet-Radio, man startet eine Suchfunktion oder hört die Last-FM-Empfehlungen unbekannter Wahlverwandtschaften. Mit einem Fingerstreich werden also fast alle Zugangsgrenzen zum Universum der digitalen Musik niedergemäht. Das ist Musikhören 2.0.

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