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Musik in der Cloud : Die wunderbare Leichtigkeit von HiFi 2.0

Und schließlich Apple. Mit dem kommenden iPhone-Betriebssystem iOS 5 geht die iCloud an den Start. Sie ersetzt den Online-Dienst Mobile Me, und dahinter steckt ein übergreifendes Konzept der Datenspeicherung in der Wolke, bei dem es nicht nur um Musik geht. Vielmehr werden auf Wunsch (und abschaltbar) alle Nutzerdaten des iPhone oder iPad auf Servern von Apple vorgehalten. Die bisherige Datensynchronisation der Kleingeräte mit iTunes am PC oder Mac soll überflüssig werden. iCloud ist zugleich eine Backup-Lösung und ein Bildverwalter. Fotos, die man mit dem iPhone schießt, wandern automatisch nach Cupertino. Jedem Nutzer stehen fünf Gigabyte für E-Mail, Dokumente, Backups und Musik zur Verfügung. Kauft man Musik oder Bücher in Apples Online-Geschäft, wird deren Speicherplatz nicht angerechnet. Weiteren Speicher kann man zukaufen, und wie bei Amazon und Google lässt sich auch die vorhandene Musik in die Cloud bewegen und auf anderen Geräten bereitstellen. Allerdings mit einem Kniff. Sie wird von iTunes Match identifiziert und dann direkt aus dem iTunes Music Store bereitgehalten. Und zwar in einer hohen Auflösung (256 KBit AAC), ohne dass man nur ein einziges Lied manuell hochladen müsste. Für 25 000 Stücke kostet dieser Dienst 25 Dollar im Jahr, und auf diese Weise wird der vorhandene Altbestand, egal aus welcher Quelle er stammt, automatisch legalisiert. Apple hat entsprechende Vereinbarungen mit den großen Musikkonzernen getroffen.

Apple geht also deutlich über Amazon und Google hinaus und kann zudem die Frage beantworten, wie die Musik aus der Cloud an der heimischen HiFi-Anlage aufspielt. Die Antwort ist Airplay, eine hauseigene Streaming-Technik, die es erlaubt, Medien aller Art drahtlos über entsprechende Empfangsgeräte wie Lautsprecher, Stereosysteme oder Fernsehgeräte wiederzugeben. Noch pflegt Airplay allerdings ein Nischendasein.

Abschied vom Besitz

An dieser Stelle darf man getrost innehalten und eine radikale Frage in den Raum werfen. Warum sollen Milliarden von Hörern identische Stücke in riesigen Rechenzentren lagern, um auf eine Musikbibliothek dieser Welt zuzugreifen, die sich bequem und günstig auf wenigen Terabyte unterbringen ließe? Nur deshalb, weil man einzelne Stücke besitzt und andere nicht? Ist dieser Aufwand überhaupt zu rechtfertigen?

Hier setzt die Idee der Streaming-Dienste an. Sie verabschiedet sich von dem Gedanken, dass man Musik besitzt. Man schließt ein Abonnement ab und kann aus dem jeweiligen Angebot alles uneingeschränkt hören. Allerdings nur während der Laufzeit des Abonnements. Kündigt man dieses, bleibt nichts. Titel und Alben lassen sich nur hören, nicht dauerhaft speichern oder weitergeben. Unternehmen wie Napster oder Simfy haben Verträge mit den Verwertungsgesellschaften, so dass hier legale Angebote vorliegen. Millionen von Titeln stehen zur Verfügung. Man hört sie wahlweise am PC mit Internetverbindung, was keine 10 Euro im Monat kostet. Oder auf dem Smartphone in einer etwas teureren Variante und hier wahlweise im Streaming-Verfahren mit Mobilfunk-Datenverbindung oder im "Offline-Modus" vom Gerätespeicher.

Die diversen Dienste unterscheiden sich in zahlreichen Einzelheiten. In der Größe und Aktualität des angebotenen Musikrepertoires, der Leistungsfähigkeit der Software sowie dem Umgang mit Wiedergabelisten. Ferner in den Möglichkeiten, Streaming-Hardware anzusteuern oder der Verknüpfung mit sozialen Musiknetzwerken, in denen man seine persönlichen Hörgewohnheiten mit anderen teilt - und von Gleichgesinnten neue Vorschläge für frische Musik erhält, quasi eine bidirektionale Empfehlungsfunktion.

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