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Musik hören : Die Wiedergeburt des Stereo

  • -Aktualisiert am

Für Feinschmecker noch immer erste Wahl: Stereo-Klang Bild: AP

Als Audio-Format hat der Mehrkanalton alle Erwartungen enttäuscht. Die nur zweikanalige Musikwiedergabe ist selbst für Audiophile kein Nachteil. Stereo ist alles andere als von gestern.

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          Stereo ist von gestern? Dieses Urteil über die zweikanalige Musikwiedergabe wäre genauso falsch wie die Behauptung, die analogen Tonträger seien tot.

          Im Gegenteil: Diese beiden Audio-Welten erleben zurzeit eine Renaissance, und das gerade im anspruchsvollen Bereich, der sich traditionell High End nennt. Die Langspielplatte, das Flaggschiff der analogen Musik-Speichermedien, erfreut sich wieder hoher Wertschätzung. Das Angebot an Plattenspielern, vom Einfachmodell bis zum mechanisch ausgebufften 35-Kilogramm-Boliden mit Zimmerschmuck-Fähigkeiten, ist größer denn je, und auch die Zahl der Releases (so heißen Neuaufnahmen nun einmal in der Sprache der Musikindustrie) von LPs nimmt zu, allerdings ausschließlich unter der Obhut kleiner audiophiler Produzenten.

          Analog heißt praktisch Stereo - die Experimente mit Quadrophonie liegen inzwischen weit zurück -, und so würde die zweikanalige Musik (wie schon im Konsumbereich, Stichwort MP3, freilich mit datenreduzierten Formaten und daher für Hör-Gourmets nicht satisfaktionsfähig) jedenfalls eine Bastion behalten, selbst wenn die digitale Szene ganz auf Mehrkanaligkeit umgeschaltet hätte. Dem ist aber durchaus nicht so. Während der Mehrkanalton im Videoumfeld schon Standard ist - wer wollte sich noch einen Action-Film auf DVD ohne passende akustische Eindrücke vorführen lassen? -, hat er als Audio-Format bisher alle Erwartungen enttäuscht.

          SACD auf herkömmlichen CD-Spielern

          Das liegt zum geringeren Teil daran, dass hier, wie so oft bei Innovationen in der Unterhaltungselektronik, zwei Systeme miteinander konkurrieren. Sonys Geschöpf SACD (Super Audio Compact Disc) steht der DVD-Audio gegenüber, hinter deren Fahne sich eine ganze Reihe von Unternehmen versammelt hatten. Beide sind inzwischen rund sieben Jahre alt, aber von einem Durchbruch sind sie weit entfernt. Die Gesamtzahl der veröffentlichten SACDs liegt noch unter 5000 (das wird an CDs in weniger als einem halben Jahr neu herausgebracht), und die Zahl der in Europa kaum verbreiteten DVD-Audio ist gerade erst vierstellig. Die SACD ist nicht zuletzt deswegen im Vorteil, weil sie - ursprünglich als fortschrittliches, da höherauflösendes Zweikanal-Medium konzipiert - längst nicht nur mehrkanalig, sondern als Hybrid angeboten wird, mit einer separaten CD-Spur, die sie für alle herkömmlichen CD-Spieler tauglich macht.

          So erreicht man auch Käufer, die noch keinen SACD-Player besitzen, sich aber die Option darauf offenhalten wollen. Dass die SACD ihren Premium-Anspruch jedoch nicht einlösen kann, zeigt sich an ihrem Preis: Er ist, anders als zu Beginn ihrer Laufbahn, heute nicht höher als der von normalen CDs, oft aus Promotion-Gründen sogar niedriger. Neben der Beschränktheit des Sortiments stehen auch andere Faktoren der Verbreitung der mehrkanaligen digitalen Tonträger (auch der künftigen Generation Blu-ray und HD-DVD mit ihrem weit höheren Speichervermögen, die als reine Audio-Medien wohl kaum in Frage kommen) wirkungsmächtig entgegen.

          Trotzreaktion der Audiophilen

          So zum Beispiel die Notwendigkeit, mehr als zwei Lautsprecher im Hörraum unterzubringen, möglichst gegen den Protest von Freundin oder Ehefrau. Man kann zwar schon aus einem reichen Angebot an Quasi-Surround-Lösungen wählen, die mit zwei Boxen auskommen, doch derlei kann allenfalls Videofreunden, nicht aber anspruchsvollen Musikgenießern gefallen. Denen ist auch nicht entgangen, und das schmälert das High-End-Renommee von SACD und DVD-Audio doch erheblich -, dass mehrkanalige Klassikaufnahmen nicht immer zusätzlichen Hörgenuss bieten. Oft entsteht der Eindruck, ungewohnterweise mitten im Orchester statt auf einem Parkettplatz zu sitzen.

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