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Möbel : Das Ende des Kabelwusts

  • -Aktualisiert am

Platz für Maschinen: Blick ins Innere Bild: Hersteller

Der durch Unterhaltungselektronik verursachte Kabelwust stört die Optik und lässt sich nur selten verstecken. Der Tüftler Ralf Roppelt mochte sich damit nicht mehr abfinden und konstruierte ein Möbel, das Platz für die ungeliebten Kabel hat und mit etlichen Finessen glänzt.

          Wenn Profi-Fotografen Unterhaltungselektronik ablichten, lassen sie zuallererst sämtliche Kabelstrippen verschwinden. Sie nehmen Kabelbinder, Klebeband oder, wenn es schnell gehen muss, auch schon mal den Seitenschneider. Denn das Leitungsgewirr stört das Motiv. Im wahren Leben allerdings lässt sich der Kabelwust nicht so einfach aus dem Sichtfeld räumen. Oder doch? Der schwäbische Tüftler Ralf Roppelt, selbst gelernter Fotograf, mochte sich damit jedenfalls nicht abfinden und konstruierte ein Möbel, das die ungeliebten Kabel versteckt und mit noch etlichen weiteren Finessen glänzt.

          Das Konstrukt - es trägt die Bezeichnung Nextboard (next-board.de) - ist eine Art Regalbaukasten: Aus einzelnen Elementen lässt sich eine beliebig breite Regalfläche zusammenstecken, auf der alles Platz findet, was Musik macht, Bilder zeigt und dekorativ genug ist, um sichtbar das Interieur zu bereichern. Was den Anblick stören könnte, verschwindet im Maschinenraum: Der Regalkorpus ist eigentlich ein hohler Kasten mit einer Deckelfläche, der Mehrfachdosen für die Stromverteilung, Medienserver oder Medienplayer, zum Beispiel die Apple-TV-Schachtel, diskret versteckt. NAS-Laufwerke, Festplatten, der Mac Mini oder Rechenknechte im ITX-Format passen ebenfalls ins Regaluntergeschoss.

          Jedes Element ist 45 Zentimeter tief und misst 60 Zentimeter in der Breite. Es wird mit einer Halterung aus Stahl an die Wand geschraubt. Der Korpus besteht aus vier miteinander verleimten, jeweils zwei Zentimeter dicken MFD-Platten; Ausfräsungen lassen den Hohlraum entstehen. Eine weitere MFT-Schicht dient als Bodenplatte. Mit ausgefrästen Lüftungsschlitzen erlaubt sie die für die Gerätekühlung nötige Zirkulation. Demselben Zweck dienen auch Distanzhalter aus Aluminium, die einen Luftschlitz zwischen dem Korpus und der Deckfläche entstehen lassen.

          Die Deckplatte besteht aus HPL-Schichtstoff. Das ist ein besonders festes, belastbares Material aus mit Kunstharz vergossenen Papierschichten. Roppelt lässt sie komplett durchfärben, wahlweise in Schwarz, Weiß oder Grau. Aussparungen an der Wandseite dienen zur Kabeldurchführung. So können die auf dem Oberdeck aufgestellten Geräte ihre elektrischen Verbindungen versenken. Die im Inneren montierte Netzdosenleiste gibt es auch auf Wunsch auch mit Überspannungsschutz und Hochfrequenzfiltern.

          Pfiffig gelöst: Wer mehrere Elemente nebeneinander montiert, verbindet sie über ein Stecksystem, das die Stromversorgung von Element zu Element weiterführt. Die unverzichtbare Kabelverbindung von einem der Regalelemente zur Netzsteckdose in der Wand lässt sich ebenfalls verstecken. Dazu bietet Roppelt Kabelkanäle an, die ihre Funktion mit gewölbten Aluminiumblenden dekorativ kaschieren. Auch die Verbindungen zu einem an der Wand montierten Bildschirm können auf diese Weise aus dem Sichtfeld verschwinden; eine spezielle Aussparung in der Regalabdeckung sorgt dafür, dass der Kabelkanal nahtlos bis ins Untergeschoss des Nextboard führt.

          Schön aufgeräumt: Strippen verschwinden im Unterdeck

          Die Datenblätter des Medienmöbels nennen eine Belastbarkeit von 25 Kilogramm je Regalelement. Das reicht nicht für jedes Endstufen-Monster aus dem High-End-Arsenal, aber dafür ist das System auch nicht gedacht. Mit Fernsehern haben die Regalelemente keine Schwierigkeiten: Selbst ein 55 Zoll großer Bildschirm (Schirmdiagonale: 140 Zentimeter) wiegt selten mehr als 20 Kilogramm, und für ein solches Kaliber bieten sich ohnehin zwei Elemente als gemeinsame Stellfläche an. Für iPads, iPhones und ihre Widersacher von der Android-Fraktion gibt es eine universelle Docking-Station, die Lade- und Wiedergabefunktionen unterstützt - über Apples Lightning-Schnittstelle, ihren dreißigpoligen Vorläufer oder einen Mini-USB-Anschluss.

          Haben die Nextboard-Konstrukteure damit wirklich an alles gedacht? Ein wünschenswertes Detail fällt uns noch ein: Wer im Korpus versteckte Geräte mit einer Infrarot-Fernbedienung steuern möchte, braucht dazu ein kleines Sichtfenster in der Regalfront - oder die Möglichkeit, einen optoelektronischen Repeater zu installieren. Dies sollte der Hersteller zumindest als Option anbieten. Ansonsten gilt: Das originelle Medienmöbel - die Preise beginnen mit 469 Euro je Element - ist ein echter Problemlöser.

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