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Mobiles Fernsehen : Noch bleibt das Fernsehen mit dem Handy ein Traum

Noch toben Auseinandersetzungen um Frequenzen und Übertragungsstandards: Grabenkämpfe hinter den Kulissen verhindern immer noch das TV-Vergnügen unterwegs.

          3 Min.

          Daran hat man sich in den vergangenen Jahren schon gewöhnt: Das Handy ist zum mobilen Alleskönner geworden, mit Radio und MP3-Spieler, Digitalkamera, E-Mail-Software und Internetzugang. Nun soll spätestens zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 auch das Fernsehprogramm auf dem mobilen Begleiter zu sehen sein. T-Mobile will digitales Fernsehen an allen zwölf Austragungsstandorten anbieten, und Vodafone hatte bereits zu den Olympischen Spielen 2004 ein entsprechendes Projekt umgesetzt. Auch konnte man während der Internationalen Funkausstellung in Berlin über etliche Studien und Konzepte staunen. Indes ist das Warten auf neue Fernseh-Handys unter dem Weihnachtsbaum müßig. Noch streiten sich die Beteiligten und Experten über die richtige Technik. Kaum bekannt ist, daß es in Deutschland seit 1999 ein erfolgloses digitales Radioprogramm inklusive ansprechender Geräte fürs Auto gibt. Digital Audio Broadcasting (DAB) läuft seit 1999 parallel zum UKW-Betrieb und ist trotz dreistelliger Millionensubventionen durch Steuer- und Rundfunkgebührenzahler ein veritabler Flop. Keine 100 000 DAB-Geräte wurden bislang verkauft, schon spottet mancher, DAB stehe für "Dead And Buried", tot und beerdigt. Indes gilt die Weiterentwicklung von DAB - Digital Multimedia Broadcasting (DMB) - als ein potentieller Technik-Kandidat für digitales Fernsehen. In Südkorea läuft DMB bereits. Hierzulande soll es zur Videokodierung eine Variante des Filmformats MPEG-4 verwenden.

          Michael Spehr
          (misp.), Technik & Motor, Wirtschaft

          Ein zweiter Aspirant für die Umsetzung des mobilen Fernsehens hat ebenfalls seine Wurzeln in bekannter Technik. Mit DVB-T (Digital Video Broadcasting Terrestrial) kann man in vielen Ballungsräumen das digitale Fernsehen mit einer simplen Stabantenne zu Hause empfangen, es löst sukzessive die analoge Technik ab, ist aber für den Einsatz in schnellen Fahrzeugen nicht geeignet. Für den mobilen Gebrauch wurde die Technik weiterentwickelt und heißt dann DVB-H (Digital Video Broadcasting Handheld). Es ist auf kleine Displays vorbereitet und nutzt ebenfalls MPEG-4. Mit einem Fehlerschutz und einem Zeitschlitz-Sendeverfahren soll DVB-H auf batteriebetriebene und sich bewegende Endgeräte zugeschnitten sein. Eine DVB-H-Validierungsgruppe, bestehend unter anderem aus der BBC, Sony, T-Systems und Nokia, hat unlängst nachgewiesen, daß man mit DVB-H auch bei Schallgeschwindigkeit eine vollkommen ausreichende Datenübertragungsrate von fünf Megabit je Sekunde gewährleisten kann - schöne Herausforderungen für die Automobilindustrie.

          Ob es nun DMB oder DVB-H wird, darum führen die Beteiligten derzeit einen Grabenkampf hinter den Kulissen. Noch sind fast alle Fragen offen: Wer beispielsweise den horrend teuren Netzausbau bezahlt und welche Frequenzen zur Verfügung gestellt werden. DVB-H hat Übertragungskanäle mit acht Megahertz für 25 Audio- oder Videoprogramme a 400 Kilobit je Sekunde. Derweil bietet ein 1,5 Megahertz breiter DMB-Kanal nur Platz für zwei bis drei Programme, es sei denn, man könnte weitere freie Frequenzen nutzen. Während die norddeutschen Bundesländer den Ausbau von DVB-H präferieren, kämpft der Süden für DMB. Wichtige Partner wie T-Systems setzen gar auf beide Pferde: DMB soll den Markt öffnen und DVB-H die zweite Generation des mobilen TV bringen. Die 15 Landesmedienanstalten, die für die Frequenzzuweisungen zuständig sind, wollen beiden Verbreitungswegen eine Chance geben. Die Mobilfunkbetreiber schließlich wollen vor allem eins verhindern: daß der Empfang von mobilem Fernsehen so einfach wie das Musikhören unterwegs wird. Sie entwickeln deshalb gebührenpflichtige Geschäftsmodelle rund um elektronische Programmführer und personalisierte Informationsangebote und wittern ein neues Milliardengeschäft. Die Idee dahinter: wie beim digitalen Kabelfernsehen sollen frei empfangbare Programme verschlüsselt und nur gegen Gebühr freigeschaltet werden. Die Netzbetreiber wollen die Kundenbeziehungen kontrollieren. Dieses Spiel werden indes die öffentlich-rechtlichen und privaten Programmanbieter nicht mitmachen. Vor dem Start einer schönen neuen Fernsehwelt auf dem Handy sind also noch jede Menge Probleme zu lösen und politische Entscheidungen zu fällen. Auch ist die Frage aufgeworfen, ob man auf dem Weg zur Arbeit oder in der Mittagspause tatsächlich einen Spielfilm oder eine Sendung stückchenweise sehen will. Das Handy-TV wird also auch neue Inhalte mitbringen müssen, um zu einem attraktiven Programm zu werden.

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