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Kult-Gitarre Gibson „Les Paul“ : So teuer wie ein Porsche Turbo

  • -Aktualisiert am

Kult-Gitarre Les Paul Bild: Hersteller, Bearbeitung FAZ.NET

Es war einmal eine unscheinbare elektrische Gitarre, 1959 kam sie auf den Markt. Kaum jemand wollte eine „Les Paul“ haben. Heute kostet sie so viel wie ein Einfamilienhaus.

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          Verschrammt sieht sie aus, überall kleine Macken. Die Schönheit der Holzmaserung ihrer Ahorndecke schimmert schwach durch, ist aber nicht sehr auffällig. Sie wurde erkennbar viel benutzt, und jetzt ist sie eine gebrauchte Gitarre. Zumindest für den oberflächlichen Betrachter, der gleich daneben ein makelloses neues Modell sieht. So sah diese Gibson Les Paul Standard auch einmal aus, als sie 1959 im Laden hing. Ein Jahr zuvor hatte Gibson sein seit 1952 lieferbares erstes reines E-Gitarren-Modell mit einer neuen Farbe namens Sunburst ausgeliefert. Der Farbverlauf vom roten Rand hin zur hellen, gelben Mitte erinnerte an einen Sonnenaufgang. Zudem wurde so die Maserung des Ahornholzes betont.

          Dem Publikum, also dem Gitarristen der späten fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, gefielen weder Farbe noch Gitarre. Lediglich knapp 2000, andere Quellen sagen 1750 Sunburst-Les-Pauls wurden von 1958 bis 1960 produziert. Dann stellte Gibson das Modell ein und versuchte mit einer vermeintlich moderneren Form eine Antwort auf den Erfolg, den Wettbewerber Fender mit der zukunftsweisenden Form der Stratocaster hatte. Damals konnte keiner ahnen, dass die wenigen Exemplare der Gibson Les Paul Standard, die just in diesen drei Jahren hergestellt wurden, einmal der Heilige Gral der allermeisten E-Gitarristen werden würden. Das vermackte Exemplar, das wir bei Detlef Alder, einem auf Vintage-Gitarren spezialisierten Händler im beschaulichen Maintal ausprobieren dürfen, ist heute so viel wert wie ein kleines Einfamilienhaus auf dem Land oder ein neuer Porsche Turbo.

          Eric Clapton, Jimmy Page und Keith Richards lösten den Sturm auf eine der wenigen hergestellten „Les Paul“-Gitarren der Marke Gibson aus. Bilderstrecke
          Eric Clapton, Jimmy Page und Keith Richards lösten den Sturm auf eine der wenigen hergestellten „Les Paul“-Gitarren der Marke Gibson aus. :

          189.000 Euro stehen auf dem Preisschild, und dieses Exemplar ist nicht das teuerste seiner Art. Weit über eine viertel Million Euro für eine 55 Jahre alte Les Paul - benannt nach dem Gitarristen und Gitarrenentwickler Lester Polsfuss (1915-2009) - sind keine Seltenheit. Und wenn im Stammbaum ein berühmter Saitenvirtuose verbrieft ist, kann sich der Preis auch schnell verdoppeln oder verdreifachen. Eine neue Les Paul von der Stange gibt es schon für weniger als 2000 Euro. Neue, auf alt gemachte kosten zwischen 5000 und 10.000 Euro.

          Die im Stile einer kleinen Archtop-Gitarre mit dezent gewölbter Decke gehaltene Les Paul hätte in Vergessenheit geraten und eine Randnotiz im Kinderbuch des gerade flügge werdenden Rock’n’Roll bleiben können. Doch Mitte der 1960er Jahre entdecken Gitarristen wie Eric Clapton, Jimmy Page oder Keith Richards, dass diese nur gebraucht und damit günstig zu bekommende E-Gitarre ihre eigenen Reize hat, und machten das Modell populär. 1968 legt Gibson wieder eine Les Paul auf, später in vielen Varianten, aber erst seit den 1980ern und einem starken Revival, ausgelöst durch die Rockband Guns N’ Roses und ihren Gitarristen Slash, versucht man, die Gitarre wieder so zu bauen, wie man es Ende der 1950er schon einmal konnte.

          An den Sound einer alten Les Paul kommt kein neues Modell heran

          Allein, es will nicht gelingen. Dabei sollte man annehmen, dass hinter jeder und eben auch dieser elektrischen Gitarre eigentlich nur Physik steckt. Auf einen Mahagoniblock wird eine geschnitzte Decke aus Ahorn geleimt, ein Hals aus Mahagoni mit einem Griffbrett aus Palisander ergänzt die Holzbestandteile. Der eigentliche Klang wird von Metallsaiten erzeugt, mittels eines Nickelsattels auf das Holz übertragen und von Magnettonabnehmern, also Spulen, die von einem Draht einer bestimmten Dicke umwickelt sind, in elektrische Signale umgewandelt und mit einem definierten Widerstand in Lautstärke und Klangfarbe reguliert.

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