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Leica M 8.2 : Und alles scheint noch einmal wie damals zu sein

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Ganz schwarz: Leica M 8.2 ohne roten Leica-Punkt mit Elmar-M 1:3,8/24mm Bild: Pardey

Digital fotografieren mit dem M-System (I): Die Leica M 8.2 bietet höchste Qualität, ohne konkurrenzfähig zu sein. Sie ist eher eine schmerzliche Erinnerung daran, welche Spitzenklasse die M-Leicas vor Jahrzehnten waren.

          Der Moment, sich in diese Kamera zu verlieben, kommt offenbar mit dem letzten Licht des Tages – und alles scheint noch einmal wie damals zu sein: Blende ganz auf, müheloses Scharfstellen am Iris-Spitzlicht der Porträtierten, Belichtungszeit 1/4 Sekunde gestützt, der Verschluss schnappt trocken, der Finger hebt sich, und in einem zweiten Schritt wird schnarr-schnalz die Kamera motorisch wieder gespannt. Aber tatsächlich ist mit der Leica M 8.2 nichts so, wie es vor 30 Jahren mit der Leica M 4-2 war: Denn sofort am Restauranttisch, nicht erst in der Dunkelkammer, lässt sich das Bild betrachten. „Ja, wunderschön scharfes Bild, aber du, mein Pullover ist schwarz, einfach schwarz.“

          Allmächtiger, möchte man da mit Perry Rhodan sozusagen extragalaktisch aufjaulen: War das denn nicht einer der Bugs, die schon vor der Version Punkt zwo behoben gewesen sein sollten? Diese besonders hohe Infrarotempfindlichkeit des Sensors, die bei Kunstfasern in Textilien zu Farbverschiebungen führte, wogegen es erst Filter und dann ein Firmware-Update und noch mal einen anderen Filter gab? (Der übrigens so kommentarlos und in der nicht zum Objektiv passenden Allerweltsgröße 55 im Versandkarton lag, als sei er eine irgendwie peinliche Zugabe.) Kann es, darf es denn sein, dass ein altes und nicht mit Leica-UV/IR-Sperrfilter bewehrtes Objektiv aller kamerainternen korrigierenden Rechenarbeit verlustig geht, weil es sich, da es nicht codiert ist, wenngleich es vom Service dreistellig kostenpflichtig codierbar wäre, bei der Kamera nicht anmelden kann?

          „Tja, meine kleine Lumix hier hat eben ein Leica-Objektiv“

          Das sind so Überlegungen, die einem angesichts eines nicht schwarz, sondern undefinierbar violett wiedergegebenen Pullovers durch den Kopf schwirren – sogar dann, wenn man nicht zu den Leuten gehört, die in solchen Momenten vierstellige Leica-Preisschilder gewissermaßen bengalisch beleuchtet vor sich sehen: UVP 4995 Euro für das Gehäuse ohne Objektiv, bis 30. Juni gibt es unter dem Motto „Sommerliebe“ Nachlässe von 800 Euro; rund 1795 Euro kostet das zur M 8.2 empfohlene Elmar-M 1:3,8/24mm Asph.

          Die Pointe, wie man sie einfach nicht erfinden kann, kommt ja noch: Unsere eben stimmungsvoll im schwindenden Licht mit Schnapp und Schnarr und Schnalz akustisch gar nicht mal so besonders diskret, aber bis auf den – mit Gimp oder Photoshop auszubessernden – Farbstich erstklassig Porträtierte zückt so etwas kleines Eloxiertes wie ein Visitenkarten-Etui. Sie drückt geräuschlos das coolpixelige Powerschüsschen auf sich selbst gerichtet ab und präsentiert im Handumdrehen ihr Bild: ein schön schulterfreier Pullover – sattschwarz ohne jede Farbverschiebung. „Tja, meine kleine Lumix hier hat eben ein Leica-Objektiv.“ Da ist man doch kurz davor, in die M 8.2 zu beißen.

          Ein exzellent gestaltetes Stück für Liebhaber schöner Technik

          Was man besser bleiben lässt: Denn rohe Gewalt hält diese Kamera bestens aus. Kursiert doch schon seit zwei Jahren als prototypische Leica-Legende der „Extreme Field Test: Leica M 8 in Iraq“ von Ashley Gilbertson im Internet: Als Antwort auf eine unpassende Frage fegt ein Iraker die M 8 vom Tisch. Die macht zwei Aufnahmen mit Farbstich und dann klaglos einfach weiter – eben ein Profi für den Profi. Dabei hatte die M8 im Irak noch nicht das superharte Saphirkristall-Display, das unter anderem die M 8 zur M 8.2 macht.

          Dass die teuren schwarzen Anzüge irakischer Offizieller auf Gilbertsons Leica-Bildern nicht wie schwarze Savile-Row-Arbeit aussahen, sondern wie „well-cut polyester suits“, war danach womöglich nicht mal unerwünscht. Hinsichtlich der physischen Robustheit des Gehäuses oder der herrlich griffigen „Vulkanit“-Belederung wie der gesamten Verarbeitungsqualität gilt unstrittig: Man muss sehr lange suchen, bis man annähernd Vergleichbares findet. Die Leica M 8.2 ist ein bis hin zur wohltuenden Nüchternheit der Software-Oberfläche und den wenigen Bedienknöpfen exzellent gestaltetes Stück für Liebhaber schöner Technik.

          Man muss ohne Vorkenntnisse sein, um davon beeindruckt zu sein

          Für alle jene wenigstens, die viel Zeit für die manuellen Einstellungen und das behäbige Tempo der Serienbildfunktion und der Speichervorgänge haben – und dazu die Unbedarftheit, sich an der teuersten Fixfokus-Kamera aller Zeiten zu freuen. Zu der wird die M 8.2 in der Zeitenrad-Stellung S. Drücken der Info-Taste zaubert aufs Display zunächst die Piktogramm-Empfehlung, etwa für Gruppenaufnahmen Blende 4 und 3 Meter Entfernung (oder bei Landschaften 5,6 und 5 Meter) am Objektiv einzustellen. Dann darf man einfach auslösen, wobei der nicht abgeglichene Mischbildentfernungsmesser eigentlich nur stört. Und die Kamera sorgt mit dem abgeblendeten 24mm-Objektiv dafür, dass tatsächlich von vorn bis hinten scharfe Aufnahmen entstehen.

          Bei Leica scheut man sich nicht, in diesem Zusammenhang das Wort „automatisch“ in den Mund zu nehmen, denn um Zeit, Iso-Empfindlichkeit und Weißabgleich brauche man sich nicht zu kümmern. „Der neue Schnappschussmodus S richtet sich an alle Anwender, die . . . spontan und ohne Vorkenntnisse sofort gute Ergebnisse erzielen wollen.“ Man muss wirklich ohne Vorkenntnisse sein, um davon beeindruckt zu sein. Egal, wie detailliert und kontrastreich die Bilder bis in die linke untere Ecke gelingen, die neueste Version der digitalen M-Leica ist nicht wirklich konkurrenzfähig, sondern eine eher schmerzliche Erinnerung daran, welche Spitzenklasse die M-Leicas vor Jahrzehnten waren.

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