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Lautsprecher Raumfeld Stereo M : Große Bühne für strömende Musik

  • -Aktualisiert am

Raumfelds Boxen heißen Stereo M und bestehen aus zwei Dreiwege-Boxen mit schwarzen oder weißen, matten Lack-Oberflächen. Bild: Hersteller

Raumfeld mischt seine Netzwerk-Lautsprecher Stereo M nach klassischen HiFi-Rezepten. Netzwerkfestplatte oder Streaming-Dienste liefern die Töne. Mit einer App wird gesteuert.

          3 Min.

          Funklautsprecher, Multiroom-Systeme, wie immer man sie nennen will: Die tönenden Apparate mit dem Zugriff auf das Heimnetz haben Hochkonjunktur, sie zählen zu den wichtigsten Umsatzträgern in der HiFi-Szene. Das Kürzel HiFi allerdings gerät dabei oft genug unter die Räder der Begriffsinflation. Die meisten vernetzten Lautsprecher geben beide Stereokanäle aus einem einzigen kompakten Gehäuse wieder, und stünden ihnen nicht hilfreiche Signalprozessoren zur Seite, um das Stereopanorama mit digitalen Mitteln auseinanderziehen, hätten wir es mit einer Retro-Bewegung zum Mono-Sound zu tun.

          Auch das Berliner Unternehmen Raumfeld, das sich schon seit sieben Jahren mit vernetzten Lautsprechern befasst, hat solche All-in-One-Lautsprecher im Programm, bietet aber auch echte Stereosysteme für die Heimvernetzung an. Das verdient unsere Aufmerksamkeit. So haben wir kürzlich den Stereo Cubes des Hauses gelauscht, zwei zierlichen Stereo-Böxchen mit koaxial aufgebauten Chassis, also mit Tief-Mitteltönern, die direkt vor ihren Membranen die Hochtöner tragen. Das kompakte Konstrukt hat uns mit seinem lebendigen Klang und seinem ausgeprägten Talent zu exakter Ortung der Schallereignisse begeistert, so sehr, dass wir uns nun auch noch mit einer größeren Ausgabe dieser Lösung beschäftigt haben.

          Sie heißt Stereo M und besteht aus zwei Dreiwege-Boxen mit schwarzen oder weißen, matten Lack-Oberflächen. Das M signalisiert ihre Abmessungen. Sie liegen so ziemlich in der Mitte zwischen den Dimensionen ausgewachsener Standboxen und kleineren Kalibern fürs Regal; sie musizieren also am besten auf einem Lautsprecher-Ständer. Den Mittel- und den Hochtonbereich geben sie, ebenso wie die Stereo Cubes, mit koaxialen Chassis wieder. Für die Bässe beschäftigen sie zusätzliche Tieftöner mit 13 Zentimeter großen Membranen, die in einer Bassreflex-Anordnung arbeiten. Zwei Schallschlitze auf den Rückseiten der Lautsprechergehäuse verraten das Prinzip. Das Stereo-M-Pärchen arbeitet halb aktiv. Eine der beiden Boxen enthält neben der Netzwerk-Elektronik die Verstärker für beide Kanäle, die Datenblätter geben satte Leistungsreserven von 320 Watt an. Ein normales Anschlusskabel führt von dieser Master-Box zum passiven Exemplar der Anlage.

          Den Kontakt zum Heimnetzwerk knüpfen die Lautsprecher entweder über ein Ethernet-Kabel oder drahtlos über W-Lan. Zwingend notwendig ist das Kabel nur für die erste Einbindung der Boxen in die Steuer-App, die es, wie üblich, sowohl für iOS als auch für Android gibt. Die Installation der Software und die Einrichtung des gesamten Systems macht keine große Mühe, alles ist in wenigen Minuten erledigt. Die Steuer-App kann auf Musikarchive in NAS-Laufwerken oder Computern zugreifen, zudem kontaktiert sie Internet-Radiostationen und erschließt Streamingdienste wie Spotify und Wimp. Wer mag, kann auch Festplatten oder Speichersticks direkt an den USB-Anschluss der aktiven Box anschließen. Die App erkennt auch deren Musikvorräte. Obendrein gibt es noch einen klassischen Hochpegeleingang, über den sich zum Beispiel ein CD-Player ins System eingemeinden lässt.

          Eine Funktion haben wir vermisst

          Das Bedienkonzept wirkt ausgereift, die Oberfläche der App geriet klar und übersichtlich, Plattencover werden erkannt und automatisch angezeigt. Und wie üblich kann die Software mehrere Lautsprechersysteme in verschiedenen Räumen ansteuern, unabhängig voneinander oder synchron. Auch diese Möglichkeit haben wir ausprobiert und dabei ein Zusatzgerät des Herstellers schätzen gelernt, das sich immer dann anbietet, wenn das W-Lan nicht mehr stark genug in den letzten Winkel eines Hauses funkt oder anderer Datenverkehr die Bandbreite allzu stark einschränkt. Raumfeld bietet zur Lösung solcher Probleme eine Base genannte kleine Elektronikkomponente an, die sich über eine Kabelverbindung mit dem Router vernetzen lässt und ein eigenes W-Lan-Netz aufbaut. Außerdem schnurrt in der Base eine 160 Gigabyte große Festplatte, die sich als zentraler Musikspeicher nutzen lässt.

          Nur eine Funktion haben wir vermisst. Auf eine Klangregelung oder eine Equalizer-Funktion hat Raumfeld verzichtet. Mit anderen Details sammelt das System indes Pluspunkte. An der aktiven Box gibt es einen Drehknopf zur Einstellung der Lautstärke. Und die Programmwahl klappt auch, wenn es mal schnell gehen soll, ganz ohne App. Sechs Tasten auf der dekorativen Aluminiumleiste am unteren Rand der Lautsprecherfront lassen sich mit beliebigen Quellen belegen, mit Playlisten ebenso wie mit Streamingdiensten oder Internet-Radiostationen.

          Im Hörraum schließlich wollten wir es wissen: Untermauern die Stereo-M-Lautsprecher ihre technische Verwandtschaft zu den Cubes mit kongenialen Klängen? Die Antwort fiel nicht ganz so eindeutig aus. Tatsächlich gibt es gewisse Ähnlichkeiten. Auch die größeren Boxen zeichnen räumliche Dimensionen exakt nach und lokalisieren Instrumente penibel auf imaginären Bühnen, ganz so, wie wir es erwartet hatten. Grundtönen verleiht das Stereo-M-Paar ein eher noch wärmeres, kräftiges Timbre, Hochtonglanz dosiert es eine Spur zurückhaltender, aber doch stets mit hinreichender Strahlkraft. Überrascht aber hat, wie saftig Raumfeld die Bässe dosiert hat - weit kräftiger, als das Boxenvolumen erwarten lässt. Wir haben die Lautsprecher deshalb frei im Raum plaziert. Direkt vor einer Wand hätten wir die Tiefton-Wucht als allzu üppig empfunden. Ob Raumfeld damit eher junge Leute als Zielpublikum anpeilt? Sie werden mit diesen Lautsprechern sicher glücklich, müssen aber, angesichts des Paarpreises von 900 Euro, für die Anschaffung eine ganze Weile sparen.

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