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Kopfhörerverstärker im Test : Damit es noch besser klingt

Sennheiser HDVD 800 und Beyerdynamic A20 Bild: Hersteller

Die neuen Kopfhörerverstärker A20 von Beyerdynamic und HDVD 800 von Sennheiser holen das Beste aus dem Kopfhörer heraus. Einer von ihnen kümmert sich sogar noch um die Digital-Analog-Wandlung.

          Es hört sich nach der typischen Strategie eines cleveren Verkäufers an. „Wenn Sie sich schon einen guten Kopfhörer gekauft haben, dann sollten Sie auch gleich den passenden Verstärker dazu kaufen.“ Doch im Unterschied zum geschäftstüchtigen HiFi-Händler, der Lautsprecherkabel für mehrere tausend Euro für unverzichtbar hält, ist die Empfehlung eines Kopfhörerverstärkers durchaus sinnvoll. Schauen wir uns neue Produkte von Beyerdynamic und Sennheiser genauer an.

          Zunächst unterscheiden sich die beiden Geräte deutlich im Preis. Mit dem A20 bringt Beyerdynamic einen Kopfhörerverstärker auf den Markt, der mit Anschaffungskosten von 500 Euro potentielle Kunden nicht gleich abschreckt. Dafür konzentriert er sich nur auf die Verstärkung. Sennheiser verlangt seinem Käufer schon einiges mehr ab. 1800 Euro kostet der HDVD 800. Dafür bietet er mehr. Er wandelt digitale in analoge Daten und hat an Anschlüssen alles an Bord, was man sich wünscht. Prinzipiell kann man an beiden Verstärkern beliebige Kopfhörer betreiben. Dennoch gebietet es sich, einen Kopfhörer von Beyerdynamic mit dem A20 und einen von Sennheiser mit dem HDVD 800 zu verbinden. Dann entfaltet jedes Paar sein volles Potential. Ein Traumpartner für den A20 ist der T90, macht dann zusammen 1000 Euro. Und Sennheiser sieht an seinem Verstärker am liebsten - die Zahl deutet es an - den HD 800. Macht zusammen 3000 Euro.

          Der A20 von Beyerdynamic ist sehr puristisch konzipiert

          Die deutliche Differenz im Preis erklärt sich vor allem durch die Ausstattung. Der A20 ist sehr puristisch konzipiert. Er kann lediglich analoge Daten per Cinch annehmen und auf die gleiche Weise weitergeben. Ansonsten hat er zwei 6,3-Millimeter-Eingänge für Kopfhörer und einen An- und Ausschalter. Der A20 lässt sich nicht direkt mit einem Computer koppeln. Der klassische Aufbau dürfte sein, dass man ihn etwa mit einem CD-Spieler per Cinch verbindet.

          Was man im Falle des T90 - und wahrscheinlich mit allen anderen Modellen - sofort hört, ist die akustische Umsetzung des Wortes „Verstärkung“. Der Kopfhörer spielt noch transparenter und luftiger, differenziert noch deutlicher tiefe Töne und verhält sich noch pointierter, was die Impulstreue betrifft. Die bewusste Zurückhaltung des T90 bleibt, sein feines Abbildungsverhalten wirkt noch edler. Um den Unterschied zu erkennen, muss man allerdings sehr gut hinhören und ein hinreichend seriöses Quellmedium wählen. Eine schlecht gemischte CD kann auch der A20 zusammen mit dem T90 nicht retten. Und umgekehrt hört sich mit diesem Kopfhörer eine seriöse Produktion als ordentlich komprimierte Datei am iPhone schon ansprechend an.

          Doch hier geht es eben um das Optimum. Ein sehr hochwertiger Kopfhörer erreicht nur im Zusammenspiel mit einem guten Verstärker allerhöchstes Qualitätsniveau. Und diesen Anspruch hat auch Sennheiser. Wer die 3000 Euro für den HDVD 800 und HD 800 ausgibt, greift nicht nur preislich ganz nach oben. Die Klangqualität erklimmt locker die begehrten High-End-Sphären. Normalerweise kommt man dort nur teuer ausgerüstet mit CD-Spieler, Vollverstärker und Standlautsprechern hin, die zusammen schon mal über 10.000 Euro kosten.

          Die XLR-Ausgänge zeigen, dass Sennheiser sein Gerät konsequent symmetrisch aufgebaut hat

          Sennheiser hat sich Zeit gelassen mit einem eigenen Kopfhörerverstärker. Vor mehr als 20 Jahren präsentierte das Unternehmen zwar „Orpheus“, einen elektrostatischen Kopfhörer mit Röhrenverstärker. Doch für damals 30.000 Mark gingen nur wenige hundert Exemplare in den Verkauf. Für Sennheiser ist der HDVD 800 daher ein besonderes Produkt, und die Ingenieure betonen in Gesprächen immer wieder, dass sie das Produkt „mit dem Ohr“ entwickelt haben. Technische Messungen seien nicht ausschlaggebend gewesen, sondern der bloße Test, wie gut sich ein Bauteil oder eine Kombination von mehreren anhört. Diese Methode führte offenbar zu dem recht hohen Preis. Denn Sennheiser hat weitestgehend sehr teure Komponenten verbaut. Zudem wirkt das Äußere sehr hochwertig und edel, ein Sichtfenster aus Glas gewährt sogar Einblicke ins Innere.

          Auf der Rückseite bietet Sennheiser dem Kunden absolute Vielfalt. Der asynchrone USB-Eingang übernimmt die Daten vom Computer, am koaxialen und optischen Eingang fühlen sich etwa CD-Spieler wohl, analoge Quellgeräte lassen sich per Cinch verbinden, und selbst ein Zuspieler mit XLR-Anschlüssen findet an dem HDVD 800 Platz. Außergewöhnlich sind die XLR-Ausgänge, zeigen aber auch, wie konsequent Sennheiser sein Gerät aufgebaut hat. Dadurch kann der HDVD 800 als hochwertiger Digital-Analog-Wandler in eine bestehende Kette integriert werden und Signale werden zudem auf symmetrischem Weg durchgeschleift. Auch diese Eigenschaft sollte man bei der Beurteilung des Preises beachten.

          Der Hörtest war wunderbar. Sennheisers Flaggschiff HD 800 ist ohnehin eines unserer Lieblingsobjekte. Im Zusammenspiel mit dem HDVD 800 näherte sich das Gespann dem perfekten Klang. Der analytische Ausdruck verliert den letzten Rest Kälte, jedes Instrument hat auf der riesigen Bühne seinen eigenen Platz, und der Bass macht exakt das, was er soll. Doch wie gesagt: Beide Kopfhörerverstärker machen das noch besser, was eh schon sehr gut ist.

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