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Kopfhörermesse Can Jam : Gut zuhören!

Orpheus zum Anhören

Der Stax-Kopfhörer ist an diesem Tag preislich und klanglich noch nicht der Höhepunkt. Sennheiser hat nämlich für die Can Jam eine Legende mitgebracht: Orpheus. Diese Kombination aus Kopfhörer und Verstärker zieht auch auf der IFA oder High End immer wieder Neugierige an. Das Einmalige auf dieser Messe ist, dass man sich das geheimnisvolle Objekt in Ruhe anhören kann.

Vor etwa zwanzig Jahren wollte Sennheiser das technisch Mögliche ausreizen und hatte ohne wirtschaftliche Zielvorgaben drauflos entwickelt. Das Ergebnis des Projektes war ein elektrostatischer Kopfhörer mit Röhrenverstärker. Es war der Legendenbildung sicherlich zuträglich, dass man die Stückzahl vor vorneherein auf wenige hundert Exemplare begrenzt hatte. Es gab allerdings eh nicht so viele Musikliebhaber, die mal ebenso 20.000 Mark ausgeben konnten. Paul McCartney war einer von ihnen und bestellte ein Exemplar.

Chefentwickler Axel Grell kam erst zu Sennheiser, als das Projekt Orpheus nahezu abgeschlossen war. Aber er kann hier auf der Can Jam jedes Detail erklären und vor allen Dingen verständlich machen, warum das Produkt so teuer ist. Da wäre etwa die nur 1 Mikrometer dünne Membran, die mit Platin bedampft ist. Oder die filigranen Elektroden, die in ihrem elektrischen Feld die Membran hin- und herbewegen. Sie bestehen aus 0,5 Millimeter dickem Glas, auf das eine hauchdünne Goldschicht aufgetragen ist. Die Wandlertechnik des Orpheus ist so dünn gebaut, dass man durch die Muschel schauen kann, wenn man sie gegen das Licht hält. Überraschenderweise hat Sennheiser die Entwicklung des elektrostatischen Bauprinzips nach Erscheinen des Orpheus eingestellt und sich ganz auf die elektrodynamischen Kopfhörer konzentriert. Und das - wie auch auf der Can Jam zu hören war - mit Erfolg. Der mittlerweile nun vier Jahre alte Sennheiser HD 800 gilt in vielen Redaktionen und Foren nach wie vor als Referenz für offene, ohrumschließende Kopfhörer.

Valentin Hogea gefällt eigentlich gar kein Kopfhörer auf dieser Messe. Der freundliche junge Mann aus Schweden ist allerdings nicht hierher gereist, um zu meckern und alles niederzumachen. Obwohl er hauptberuflich Arzt ist, kann er zu vielen Kopfhörern etwas Konstruktives sagen, weil er in seiner Freizeit für das Blog Headfonia.com schreibt. Kopfhörer sind seine Leidenschaft. Dennoch habe er alle seine bisherigen Modelle verkauft. Und die Produkte, die er um seinen Hals trägt und in der Hand hält? „Das sind modifizierte Kopfhörer“, erklärt er. Einer davon ist der HE-5 von HiFiMan aus dem Jahr 2007. Hogea hat ihn nicht selbst umgebaut, sondern bei „Luis“ gekauft. Stecker, Polster, Kabel sind neu, aber auch Bauteile im Inneren. Der Kopfhörer klingt nun so, wie es der schwedische Arzt hören will.

Eigentlich dürften die Kenner auf der Can Jam nur ein Unternehmen vermissen. AKG lässt sich hier nicht blicken. Dabei haben die Österreicher einige beachtenswerte Modelle im Angebot. Und könnten sogar eine Legende zur Schau stellen. Vielleicht ist ja der K-1000 im nächsten Jahr dabei. Wir würden ihn uns auf jeden Fall gerne anhören.

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