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Over-Ear-Kopfhörer im Test : Wohlige Wärme und komfortable Kühle

Zwei neue Kopfhörer von Sony und Audio-Technica Bild: Hersteller

Die beiden neuen geschlossenen Over-Ear-Kopfhörer von Sony und Audio-Technica klingen sehr unterschiedlich. Aber beide sehr gut. Ärgerlich ist nur die HiRes-PR-Kampagne.

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          Es kommen immer wieder neue Kopfhörer auf den Markt, an denen es kaum etwas zu meckern gibt. Jüngste Beispiele sind zwei geschlossene Over-Ear-Modelle von Sony und Audio-Technica. Beide gehören unter die Favoriten im Preissegment zwischen 200 und 250 Euro. Den Japanern kann man eigentlich nur vorwerfen, dass ihre PR-Abteilungen unnötigerweise mit einem technischen Detail werben, das im Fall von Kopfhörern wenig sinnvoll ist. Sowohl Sony als auch Audio-Technica preisen ihren MDR-1A und ATH-MSR7 als HiRes-Modelle an, also hochauflösende Kopfhörer.

          Die einen behaupten, ihr Kopfhörer erfasse „mit einem Frequenzbereich von bis zu 100 kHz das wahre Wesen jedes Titels für Musikgenuss“, der „der Originalaufnahme alle Ehre“ mache. Die anderen sind der Meinung, ihr Modell unterstütze „mit einem Frequenzbereich von 5 bis 40000 Hertz den Einstieg in die Welt der hochauflösenden Audioformate mit extremer Klarheit und Transparenz“. Beides sind recht unsinnige Aussagen. Was bei hochauflösenden Audiodateien noch diskussionswürdig ist, wirkt bei Kopfhörern und Lautsprechern eher lächerlich.

          Audio-Technica ATH-MSR7: Der Kühle

          Kommen wir also zu den wirklichen Vorzügen der beiden Kopfhörer. Sie konzentrieren sich offensichtlich auf den Klang und weniger auf extravagantes Aussehen. Audio-Technica fährt mit dem ATH-MSR7 eine ganz zeitlose, klassische Tour. Dieser Kopfhörer hätte in diesem Design auch schon vor Jahrzehnten auf den Markt kommen können. Einzig bei einer Farbauswahl kann man auf einen Überraschungseffekt hoffen: Rot-Gold. Zählt man den schwarzen Bügel dazu, wäre man sogar bei Schwarz-Rot-Gold. Der Audio-Technica wirkt sehr wertig und stabil, die Muschelaufhängung inklusive des Polsters ist flexibel genug, damit er auf vermutlich jedem Kopf gut sitzt. Die Höhe des gut gepolsterten Bügels hat feine Justiermöglichkeiten. Anfangs war der Anpressdruck recht hoch. Dieser lässt mit der Zeit etwas nach. Dennoch hatten wir im Test jederzeit das Gefühl, dass man den ATH-MSR7 selbst nach Stunts weiterhin auf dem Kopf behält.

          Die auffällige Farbvariante des Audio-Technica ATH-MSR7
          Die auffällige Farbvariante des Audio-Technica ATH-MSR7 : Bild: Hersteller

          Die PR-Abteilung kann übrigens auch anders. Ihre Klangbeschreibung trifft den Punkt. „Studioqualität für alle“ heißt es da. Ebenso wie der legendäre ATH-M50 von Audio-Technica zeichnet sich der Neue in der Tat durch einen sehr neutralen Sound aus. Im Zeitalter der dröhnenden Bässe hat man zeitweise sogar das Gefühl, dass der Bass im Frequenzbereich leicht heruntergezogen ist. Doch das täuscht. Hört man den ATH-MSR7 eine Weile, weiß man wieder, was neutral bedeutet. Ein wohltuende Erfahrung. Die Wiedergabe von Liedern wirkt unverfälscht, eben nahe dran an dem Klang, wie die Produktion aufgenommen wurde. Allerdings wirkt der Klang sehr direkt, zuweilen kühl, was aber immer die Folge einer linearen Abstimmung ist.

          Sony MDR-1A: Der Wärmende

          Das ist beim zweiten getesteten Kopfhörer MDR-1A nicht so. Denn Sony hat wieder seinen typischen weichen Bass-Teppich ausgerollt. Zwar etwas weniger als sonst, aber immer noch gut erkennbar. Wer diesen Sound mag, wird auch den neuen Sony-Kopfhörer mögen. Das Hörerlebnis korrespondiert perfekt mit dem Sitz. Denn das zarte Polster der Muscheln mitsamt seinem weichen Bügel schmiegt sich ebenso angenehm um die Ohren wie der Klang auf das Trommelfell. Bei diesem und anderen Sony-Kopfhörern stellt sich sofort eine Wohlfühlatmosphäre ein, die einen nur schwer wieder loslässt. Mit Studioatmosphäre hat das nichts zu tun.

          Sony rollt wieder den weichen Bassteppich aus
          Sony rollt wieder den weichen Bassteppich aus : Bild: Hersteller

          Aber das macht nichts. Man hat das Gefühl, über den Liedern liege ein Weichzeichner, die Musik scheint weiter weg zu sein. Und hier trifft das, was der Hersteller selbst behauptet, nicht wirklich zu. Denn der MDR-1A erfasst nicht immer das „wahre Wesen jedes Titels“ und macht nicht immer „der Originalaufnahme alle Ehre“. Dafür hat Sony den Klang doch zu sehr getunt. Diese Entscheidung geht vollkommen in Ordnung, weil es so schön klingt. Der Kunde muss nur wissen, was er kauft.

          An der Spitze der geschlossenen Over-Ear-Modelle mit einem Preis um zirka 200 Euro wird das Gedränge nun immer größer. Neben etablierten Kopfhörern wie Sennheisers Momentum oder Focals Spirit One S, um hier nur einige zu nennen, reihen sich auch Sony und Audio-Technica mit ihren beiden Modellen ein. Das vollmundige HiRes-PR-Gerede kann man getrost ignorieren. Die anderen schaffen den überzeugenden Klang im Übrigen mit einem Frequenzgang, der „nur“ bis 22 Kilohertz reicht. Und mit den besten Kopfhörern jenseits der 1000 Euro können auch die hochauflösenden Modelle von Sony und Audio-Technica kaum mithalten.

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