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Kopfhörer Sennheiser HD 630VB : Extraportion Bass für Bahn und Bus

  • -Aktualisiert am

Der Sennheiser HD 630VB löst musikalische Details sehr sauber auf Bild: Hersteller

Mit seinem Preis von etwa 500 Euro erhebt der neue Sennheiser Anspruch auf einen Platz in der Qualitätsoberliga. Der HD 630VB ist ein bisschen eigenwillig, passt aber durchaus zum Trend.

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          Schon zur Fachmesse High End im Mai hatte Sennheiser erste Muster im Gepäck. Jetzt sind die neuen Kopfhörer des Herstellers reif für den Verkaufsstart - und wir haben uns eines der ersten Serienexemplare für einen Test gesichert. Denn das HD 630VB genannte Modell macht neugierig.

          Mit seinem Preis von etwa 500 Euro erhebt es Anspruch auf einen Platz in der Qualitätsoberliga. Dort hatte sich Sennheiser bisher aber vor allem mit seinen offenen Kopfhörer-Konstruktionen etabliert, etwa mit dem legendären HD 800, der bis heute mit seinem außergewöhnlich luftigen, räumlichen Klang Maßstäbe setzt (allerdings auch zu einem noch weit höheren Preis). Der HD 630VB dagegen setzt auf geschlossene Bauweise. Denn er soll unterwegs vor Umgebungsgeräuschen schützen: Sennheiser hat ihn eher für den mobilen Einsatz konzipiert, zum Beispiel als Spielpartner von Tablets und Smartphones. Dafür allerdings geriet er ziemlich mächtig. Zum Joggen jedenfalls braucht man zierlichere Modelle.

          Also: Sennheisers Neuer ist ein bisschen eigenwillig, passt aber durchaus zum Trend, dem vor allem junge Leute folgen: Sitzen sie mit ihren Hörgeräten in der U-Bahn, können die Ohrkapseln gar nicht groß genug sein. Der mechanische Aufbau des HD 630VB macht einen grundsoliden Eindruck. Der breite, komfortabel gepolsterte Tragebügel wirkt stabil, ebenso wie die flexiblen Stahlbänder, die zur Anpassung an die Kopfgröße dienen. Die Hörkapseln und ihre kräftigen Aufhängungen fertigt Sennheiser aus Aluminium, die wechselbaren Ohrpolster mit ihren weichen Kunstleder-Bezügen sitzen bequem und sicher.

          Das Anschlusskonzept unterstützt die Rolle des HD 630VB als Mobilhörer: Am Kabel sitzt ein Mikrofon, das den Hörer zum Telefon-Headset aufrüstet. Und der vierpolige Mini-Klinkenstecker am Kabelende enthält einen Schaltkontakt für Steuerfunktionen. Gut gelöst: Ein Schalter an der rechten Hörkapsel passt die Kontaktbelegung entweder an Apples iOS-Geräte oder an mobile Android-Elektronik an.

          Siri-Spracherkennungsfunktion funktioniert auch

          Außen an der rechten Kapsel sitzen zu einer runden grauen Fläche zusammengefasste Schaltelemente. Pfeile oben und unten signalisieren die Druckpunkte zur Lautstärke-Einstellung. Eine Taste in der Mitte dient als Universalschalter. Einmal drücken lässt die Musik stoppen und danach weiterspielen. Zweimal antippen lässt die Wiedergabe zum nächsten Musikstück springen, dreimal tippen führt zum Anfang des Stücks zurück. Schneller Vor- und Rücklauf lassen sich ebenfalls mit dieser Taste steuern. Und meldet das Smartphone einen Anruf, nimmt man das Gespräch mit ebendieser Taste an. Auch die Siri-Spracherkennungsfunktion lässt sich damit auslösen.

          Ein schmaler, drehbarer Aluminiumring umgibt das gesamte Schaltfeld. Er dient zur Klangregelung: Ein Dreh nach rechts verpasst dem Klang eine Extra-Portion Bass. Wie die Sache im Detail funktioniert, mochte Sennheiser nicht so recht erklären; in jedem Fall handelt es sich um eine passive, teils elektrische, teils mechanische Konstruktion, denn der Hörer hat keine eigene Verstärkerelektronik, und er delegiert die Klangkosmetik auch nicht ans Abspielgerät. Mit der Impedanz von 23 Ohm passt der Hörer auch elektrisch gut zu mobilen Spielpartnern. Den Übertragungsbereich gibt der Hersteller mit 10 bis 42000 Hertz an.

          Damit setzt das Gerät auch Frequenzen um, die hochauflösende Musikdateien liefern. Allerdings bedarf es eines Gehörs mit Fledermausqualitäten, um noch höchste Ultraschallanteile wahrzunehmen. Bemerkenswert sind diese Daten trotzdem - schon deshalb, weil der HD 630VB Membranen mit konventionellem dynamischen Antrieb hat. Um deren Masse so gering wie möglich zu halten, verarbeitet Sennheiser Schwingspulendrähte aus Aluminium.

          Ehrlich und wenig spektakulär

          Was trägt all dies zum akustischen Ergebnis bei? Tatsächlich löst der HD 630VB musikalische Details sehr sauber auf, an Obertonglanz herrscht kein Mangel. Aber er bleibt dabei doch eher bodenständig; das Klangbild erreicht nicht so ganz die Schwerelosigkeit, die wir von hochkarätigen offenen Kopfhörern kennen. Das ist auch nicht zu erwarten: Das geschlossene Bauprinzip sorgt zumeist für einen etwas kompakteren, nicht ganz so luftigen Klangeindruck. An der Grundtonwiedergabe von Stimmen und Instrumenten gibt es nichts auszusetzen: Der HD 630VB ist eine ehrliche Haut, intoniert stets korrekt und hält sich gewissenhaft an die natürlichen Klangfarben. Ehrlich und wenig spektakulär - diese Eigenschaften charakterisieren auch die Basswiedergabe.

          Die Bass-Boost-Regelung passt zu dieser Grundtendenz: Sie bläht den Tieftonbereich keineswegs auf, wie wir es von den elektrischen Nachbrennern mobiler Wiedergabegeräte kennen. Die Tiefton-Extraportion bewirkt eine maßvolle, gut dosierbare Kräftigung des akustischen Fundaments, ohne den Eindruck von Präzision aufzuweichen.

          So macht der HD 630VB als solider HiFi-Kopfhörer eine überzeugende Figur. Ein High-End-Überflieger ist er nicht, aber er ist, trotz Bass-Boost und Unterwegskonzept, unter den Mobilkopfhörern eher ein Feingeist - jedenfalls im Vergleich zu Modeprodukten, die außer deftigem Wummer-Bass nicht allzu viel können.

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