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Kopfhörer HE-500 von HiFiMan : Aus China und doch alles andere als billig

  • -Aktualisiert am

Edler Holzkopf: Der Kopfhörer HiFiMan ruht hier auf dem passenden Ständer namens Omega für 99 Euro Bild: Hersteller

Ein Kopfhörer fürs Leben: Der HE-500 von HiFiMan ist ein Magnetostat. Die aufwendige Technik bietet ein warmes Klangbild - und schließt das Ohr nicht ganz gegenüber der Außenwelt ab.

          Kopfhörer sind mitunter mehr Last als Lust. Sie drücken auf Schädel und Ohren, ihre Kabel sind Stolperfallen, und manches an ihrer Musik bleibt hinter dem von Lautsprechern Gewohnten zurück. Kein Wunder, dass viele sie nur als Not- und Gelegenheitslösung sehen - fürs mobile Hören unentbehrlich, aber auch im heimischen Sessel dann, wenn spät nachts Nachbarn gestört werden könnten oder im selben Zimmer jemand fernsehen will. Mit Kopfhörer hören kann aber auch großes Vergnügen bereiten, denn was hochwertige Geräte können, steht hochwertigen Lautsprechern nicht nach, selbst wenn es nicht direkt vergleichbar ist. Und auch der Tragekomfort kann sich von schlechten Beispielen höchst positiv abheben.

          Wir machten jetzt Bekanntschaft mit einem Kopfhörer, der in Amerika schon einigen Erfolg erzielt und das Zeug dazu hat, auch bei uns Aufmerksamkeit zu erregen. Er ist chinesischer Herkunft, trägt die Marke HiFiMan und ist, entgegen allen China-Erwartungen, alles andere als billig - rund 750 Euro. Importiert wird er von Jan Sieveking in Bremen, der schon mit dem japanischen CD-Receiver Aura ein glückliches Händchen bewies. Der HE-500 gehört zu einem ganzen Quartett von HiFiMan-Kopfhörern, die das Arbeitsprinzip gemeinsam haben: Sie zählen zur magnetostatischen Fraktion, die zusammen mit der elektrostatischen eher ein Nischendasein im Vergleich zur allgegenwärtigen elektrodynamischen Bauart führt. Wie bei Lautsprecher-Magnetostaten schwingt hier eine hauchdünne, elektrisch leitende Folie in einem Feld zwischen einander abstoßenden Magneten. Was dort schon schwierig genug zu realisieren ist, wird im viel kleineren Kopfhörer-Maßstab zum Geduldsspiel der Entwickler: Zur Millimeterarbeit kommt der Spagat zwischen Feld- und Folienstärke. Bei HiFiMan hat man inzwischen offenbar eine Menge darüber gelernt. Alle vier Modelle sind überdies offene Kopfhörer, das heißt, sie schließen das Ohr nicht ganz gegenüber der Außenwelt ab. Man hört also noch die Türklingel, nimmt aber auch unerwünschte Nebengeräusche eher wahr. Heiße Ohren wie bei den geschlossenen Exemplaren bekommt man jedoch nicht so schnell.

          Starker Bass, farbenreiche Mitten und seidige Höhen

          Der HE-500 ist das jüngste der vier Modelle. Er vereint Eigenschaften der beiden teuersten aus dem Rest, die 600 und 1000 Euro kosten: Vom einen erbte er die speziell bedämpfte Membran mit Aluminium-Leiterbahnen, vom anderen, dem Topmodell, die aufwendige Magnetkonstruktion. Im Klang, so lässt Sieveking wissen, ähnele er den drei übrigen aber nicht. Er verzichte auf den Vorrang von Luftigkeit und Hochtonauflösung zugunsten einer wärmeren, mehr bassbetonten Abstimmung. Dass man einen Kopfhörer dieser Preisklasse nicht an der Buchse mittelprächtiger Vorstufen oder CD-Spieler betreibt, sondern an einem spezialisierten Verstärker, sollte sich von selbst verstehen. Wir wählten zu diesem Zweck den HiFiMan EF5 CE aus Sievekings Programm, einen Kopfhörerverstärker mit Röhrenvorstufe und einem separatem Netzteil mit Ringkerntrafo (rund 500 Euro für das Set), der dank umschaltbarer Verstärkung auch für Kopfhörer anderer Marken geeignet ist (in Vorbereitung ist ein noch fortgeschritteneres Transistor-Modell EF6 für voraussichtlich etwa 1200 Euro). Als Kabelverbindung zum Kopfhörer - jeder Treiber hat seine eigene, abnehmbar verschraubte Zuleitung - empfiehlt Sieveking das 4S6 von Canare aus Japan, das wir auch benutzten.

          Der EF5 CE unterstützt seinen Kopfhörer-Partner HE-500 sogar noch in dessen Streben nach vollmundigem, rundem Klang - und trägt dabei manchmal sogar zu dick auf. So griffen wir gern auch auf den hochwertigen Kopfhörer-Ausgang unseres Digital/Analog-Wandlers Benchmark DAC 1 zurück, der sachlicher zu Werk geht und sich somit als gutes Gegengewicht zur Charakteristik des HE-500 erweist. Dann kommt sehr Hörenswertes zustande: Der warme Grundton bleibt, aber es entsteht ein perfekt strukturiertes Klangbild von hoher Qualität, mit starkem Bass, farbenreichen Mitten und seidigen, aber niemals nervig-schrillen Höhen. Dass man diesen Kopfhörer stundenlang trägt, ohne ihn als lästig zu empfinden, liegt gewiss nicht allein an der Bügelkonstruktion, an der nichts Ungewöhnliches ist. Vor allem trägt dazu die Ausgewogenheit der Musikdarstellung bei, die dem Klang von Spitzenlautsprechern sehr nahe kommt, ohne freilich die Im-Kopf-Lokalisation vermeiden zu können, die bei Kopfhörern nur mit zusätzlichen Tricks gemildert werden kann. Wenn aber schon Kopfhörer, dann sollte der HiFi-Jünger nicht sparen: Denn nur aufwendig konstruierte Modelle wie der HE-500 können im Rahmen ihrer Möglichkeiten optimalen Musikgenuss sichern.

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