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Kopfhörer : Drei Individualisten für zwei Ohren

  • -Aktualisiert am

Bild: Tunze

Hörgeräte mit höheren HiFi-Ambitionen: Wir haben drei ganz unterschiedliche Repräsentanten dieser Klasse von Kopfhörern ausprobiert: Ein luxuriöser Überflieger, ein Traditionspfleger und ein akustischer Reisebegleiter erster Klasse.

          Das Thema Kopfhörer trennt die HiFi-Gemeinde in zwei Fraktionen. Die eine sieht im tönenden Kopfschmuck eher einen Kompromiss, den die Rücksicht auf hellhörige Nachbarn gelegentlich fordert.

          Die andere erkennt in der privatesten aller akustischen Genussvarianten ihren eigenen Reiz. Denn das individuelle Lauschen offenbart oft genug Finessen, die klotzige Lautsprecher glatt unterschlagen.

          Voraussetzung für zweite Art der Wertung sind allerdings Hörgeräte mit höheren HiFi-Ambitionen. Wir haben drei ganz unterschiedliche Repräsentanten dieser Klasse ausprobiert.

          Ultrasone Edition 10

          Edition 10 von Ultrasone

          Die erste heißt Edition 10, stammt von Ultrasone und gibt sich schon äußerlich kompromisslos: Zartes äthiopisches Schafsleder verleiht Ohr- und Bügelpolstern traumhaft weiche Oberflächen, die Hörkapseln schmücken sich mit Intarsien aus dem exotischen Zebranoholz, ein hölzerner Koffer dient als schützende Behausung, die Bügelmechanik schimmert in mattem Aluminium. Alles ist vom Feinsten, sogar der mitgelieferte hölzerne Ständer. Die offene Bauweise des Hörers soll ein luftiges, transparentes Klangbild fördern. Und eine spezielle Anordnung der Wandler-Elemente soll helfen, die virtuellen Schallquellen nach vorn zu rücken, also eine akustische Perspektive zu fördern, die eher einem Lautsprecher ähnelt als einem typischen Kopfhörer, der stets mit dem Phänomen der "Im-Kopf-Lokalisation" zu kämpfen hat.

          Die Edition 10 folgt einer Philosophie des Herstellers, die schon von anderen Modellen her bekannt ist, etwa der geschlossenen Kopfhörer-Variante Edition 9: Auch dieses Gerät tendiert dazu, den Tief- und den Hochtonbereich ungewöhnlich kräftig herauszuarbeiten. Über die Legitimität einer solchen Orientierung streiten die verschiedenen Schulen des HiFi-Reinheitsgebots seit Generationen. Wir finden sie vor allem für das Hören mit maßvollen Lautstärken durchaus sinnvoll.

          Und die Art, wie die Edition 10 dem Ultrasone-Credo folgt, ist schier atemberaubend: Sie lässt Obertöne nur so glitzern, funkeln und schweben - stets ultrapräzise und glasklar, aber dennoch mit wunderbarer Leichtigkeit und Sensibilität. Und am unteren Ende des Frequenzspektrums wuchtet der Hörer Bässe mit gewaltiger Macht an die Trommelfelle, aber auch dies auf eine Art, die Kraft mit spielerischer Lässigkeit und luftigem Atem verbildet. Das ganze Klangbild wirkt ungemein frei, plastisch und - für Kopfhörerverhältnisse - bemerkenswert tief. Da kommt einfach nur Freude auf. Dies alles hat natürlich seinen Preis: Fast 2000 Euro verlangt der Händler für den Ausnahme-Hörer.

          Q701 von AKG

          Der zweite Kandidat in dieser Erprobungsrunde hat uns deshalb neugierig gemacht, weil wir sein überaus gelungenes Vorbild gut kennen, den Klassiker K701 von AKG. Der Hersteller bietet nun eine Version an, die sich Q701 nennt; der Buchstabe im Kürzel ist eine Hommage an den großen amerikanischen Musikproduzenten Quincy Jones, der dem Hersteller derzeit als Werbe-Ikone dient. Äußerlich unterscheiden sich die beiden offenen Modelle nur in winzigen Details. So ist das Kabel des Q701 nun über einen Steckmechanismus mit der Hörkapsel verbunden.

          Und wie steht es mit dem Klang? Auch der hat sich durch die Quincy-Veredlung kaum nennenswert verändert: Der 701 ist immer noch ein Großmeister der grundehrlichen, ungeschönten und unspektakulären HiFi-Wiedergabe: Prächtige, naturgetreue Klangfarben von Stimmen und Instrumenten, ein eher warmes Timbre, lebendige Detailfreude, solides, sauber strukturiertes Bassfundament, eine weiträumige, aber durchaus auch tiefe Abbildung des musikalischen Geschehens - all dies sind Eigenschaften des Q701, die wir auch schon am K701 schätzen. Nur eines ist nicht so ganz zu verstehen: Der Neue kostet um 480 Euro, an sich für ein Qualitätsmodell dieses Kalibers ein akzeptabler Preis. Der zum Verwechseln ähnliche K701 ist bei vielen Internetversendern immer noch zu haben, zu Preisen von 200 Euro an. Wunder gibt es immer wieder, auch und vor allem in den Sphären des Marketings.

          T5P von Beyerdynamic

          Der dritte Hörer im Bunde heißt T5P und stammt von Beyerdynamic. Auch er sieht aus wie ein Edelhörer für den Ohrensessel, und so fühlt er sich auch an: Feine, glatte und sehr weiche Lederbezüge veredeln Bügel- und Ohrpolster. Für den Einsatz im Wohnzimmer, äußert der Hersteller, ist das Modell durchaus auch gedacht, seine spezifischen Stärken jedoch entfaltet es eher unterwegs. Denn die elektrischen Eigenschaften der eingebauten Schallwandler sind so ausgelegt, dass sie besonders gut zu mobilen Geräten passen, also einen Wirkungsgrad bieten, der Apparaten wie dem iPod konzertante Lautstärken entlockt. So sieht Beyerdynamic in seinem Zögling eine gepflegte Alternative zu all jenen Ohrstöpseln, mit denen mobile Musikfreunde gemeinhin auf Reisen gehen. Zum Einsatz in Bahn und Flugzeug passt auch die geschlossene Bauweise der Hörkapseln: Sie schützt vor allzu aufdringlichem Umweltlärm.

          Das geschlossene Prinzip hat stets gewisse Einflüsse auf die Klangcharakteristik, so auch hier: Das Klangbild wirkt kompakter, nicht ganz so weiträumig wie das der beiden Konkurrenten. Aber in den Disziplinen Klangfarbentreue, Breite des akustischen Spektrums, Exaktkeit in der Definition von Stimmen und Instrumenten kann sich dieses Modell durchaus mit anderen anspruchsvollen Edelhörern messen. Wer sich auch unterwegs akustisch nur Gutes tun will, der hat mit diesem Reisekader de luxe jedenfalls eine Lösung, die ein wenig an die stilvolle Fortbewegung in Zeiten des Orientexpress erinnert. Ganz billig ist der Spaß allerdings nicht: Um 890 Euro stellt der Händler in Rechnung.

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