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Messe Can Jam Europe : Drei Kopfhörer aus drei Schallwelten

Der Hifiman HE-1000 ist ein Magnetostat der Superlative: perfekt verarbeitet, faszinierender Klang, superdünne Folie und unglaublich teuer.
Der Hifiman HE-1000 ist ein Magnetostat der Superlative: perfekt verarbeitet, faszinierender Klang, superdünne Folie und unglaublich teuer. : Bild: Hersteller

Elektrostatische Kopfhörer müssen mit einer hohen Spannung versorgt werden, damit das ihnen zugrundeliegende Prinzip funktioniert. Im Unterschied zu elektrodynamischen und magnetostatischen Modellen kommt das elektrostatische dafür ohne Spule oder Leiterbahnen aus. Die sehr dünne Folie wird lediglich mit einem Material bedampft, das elektronische Ladung aufnehmen kann. Die Ladung ist allerdings - wie der Name des Verfahrens sagt - statisch. Das Audiosignal, das erst einmal ordentlich verstärkt werden muss, weil die elektrostatische Kraft gering ist, liegt an den beiden Elektroden an, welche die Folie umgeben. Die Membran als Träger des aufgedampften Materials bewegt sich, weil sich das elektrische Feld der Elektroden aufgrund der unterschiedlichen Audiosignale ändert. Bei elektrodynamischen und magnetostatischen Kopfhörern ist es andersherum: Dort fließt in unterschiedlicher Stärke und unterschiedlichen Abständen Strom durch die Schwingspule und die Leiterbahnen, so dass sich deren Magnetfeld verändert und dieses auf die Permanentmagneten reagiert. Da die Membranfläche bei Elektrostaten und Magnetostaten größer als bei elektrodynamischen Kopfhörern ist, bewegt sie sich auch homogener.

Bei vielen Audiophilen die Nummer eins: der elektrostatische Kopfhörer Stax SR-009
Bei vielen Audiophilen die Nummer eins: der elektrostatische Kopfhörer Stax SR-009 : Bild: Hersteller

Auch dieses Verfahren hat deutliche Auswirkungen auf den Klang. Der Stax SR-009 wird in der Fachwelt häufig als bester Kopfhörer der Welt gehandelt. Sein Klang wäre somit perfekt. Und er bewegt sich in der Tat nahe am Perfekten. Lieder klingen sehr luftig, Instrumente und Stimmen sind jederzeit eindeutig identifizierbar, ihre Charakteristik ist nicht verfälscht und vermittelt Live-Atmosphäre. Diskutieren kann man über den Bassbereich. Die Membran ist zwar sehr leicht, lässt sich jedoch weniger weit auslenken als bei elektrodynamischen und magnetostatischen Kopfhörern. Der Bass ist somit nicht ganz so druckvoll, wie es der eine oder andere Hörer vielleicht mag. Ansonsten tut der Stax genau das, wovon die meisten Toningenieure träumen: ihre Musik exakt so wiedergegeben, wie sie von ihnen im Studio produziert und aufgenommen wurde.

Der teuerste Kopfhörer der Welt

Nun gibt es noch ein anderes Unternehmen neben Stax, welches das elektrostatische Verfahren nicht loslässt. Bereits im Jahr 1991 hat Sennheiser diese Technik ausgereizt und den bis dato teuersten Kopfhörer der Welt gebaut. Es gab lediglich 300 Stück mit einem Einzelpreis von knapp 20 000 Mark. Der Orpheus ist unter Audiophilen eine Legende. Auf Messen wie der Can Jam in Essen bringt Sennheiser immer ein Exemplar zum Probehören mit.

Elektrostatische Kopfhörer müssen mit einer hohen Spannung versorgt werden, damit das ihnen zugrundeliegende Prinzip funktioniert. Deswegen braucht jeder einen speziellen Verstärker wie etwa den SRM-007.
Elektrostatische Kopfhörer müssen mit einer hohen Spannung versorgt werden, damit das ihnen zugrundeliegende Prinzip funktioniert. Deswegen braucht jeder einen speziellen Verstärker wie etwa den SRM-007. : Bild: Hersteller

Vor wenigen Wochen hat das Unternehmen in London mit viel Getöse den Nachfolger vorgestellt, der aber nicht so genannt werden soll. Sennheiser spricht von „Meilenstein“, tut recht geheimnisvoll und hält sich auch auf Nachfrage mit weiteren Details zurück. Zu sehen und zu erfahren war in London nun Folgendes: Das Gehäuse des Verstärkers besteht aus Carraramarmor. Es hält dadurch Erschütterungen stand, die das Wirken der acht Röhren stören könnten. Die Membran ist 2,4 Mikrometer dünn und mit Platin bedampft. Der Frequenzbereich reicht von 8 Hertz bis 100 Kilohertz. Das ist im Vergleich zu anderen Kopfhörern sehr breit. Beeindruckend ist die Handhabung: Durch Drücken des Lautstärkereglers fährt dieser ebenso wie drei weitere Bedienknöpfe aus dem Marmor heraus. Ebenso erheben sich wie von Geisterhand die acht Röhren aus dem Gehäuse, der Deckel fährt sanft nach oben und gibt den Kopfhörer frei. Marmor, Sesam, öffne dich, Röhrentechnik und eine platinbedampfte Membran: der Orpheus II, wie man ihn nennen könnte, wird sicherlich seinen vermeintlichen Vorgänger in Preishöhe und Klangerlebnis überholen.

Auf der Can Jam wird er leider nicht zu hören sein. Dafür aber der Original-Orpheus.

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