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Messe Can Jam Europe : Drei Kopfhörer aus drei Schallwelten

Magnetostatisch: Hifiman HE-1000

Die größte Konkurrenz zu den Topmodellen von Beyerdynamic, Sennheiser, AKG und anderen kommt aus Amerika. Das kalifornische Unternehmen Audeze hat sich mit seinen magnetostatischen Modellen in den Ranglisten der Fachmagazine ganz oben etabliert. Der LCD-3 wird als einer der besten Kopfhörer gehandelt. Er kostet mit deutlich mehr als 2000 Euro allerdings auch spürbar mehr als ein Beyerdynamic T1, Sennheiser HD 800 oder AKG K812, deren Preise etwa von 1000 bis 1500 Euro reichen. Nun wird Audeze von einem chinesischen Unternehmen mit amerikanischen Wurzeln bedrängt. Hifiman hat sich ebenfalls auf Magnetostaten spezialisiert. Produkte wie der HE-560 oder HE-6 sind etwas günstiger und im Klang ein bisschen schwächer als die Konkurrenz von Audeze. Doch man will nun beides ändern. Der Hifiman HE-1000 kostet unglaubliche 3500 Euro. Dafür können die Chinesen nicht nur auf einen Superlativ im Preis verweisen. So setzt Hifiman in seinem neuen Modell laut Hersteller die dünnste Folie ein, die bisher bei Kopfhörern verwendet wurde. Die Größenangabe befindet sich oberhalb des Nanometerbereich, sie ist also weniger als ein Tausendstelmillimeter dünn.

Der Hifiman HE-1000 ist ein Magnetostat der Superlative: perfekt verarbeitet, faszinierender Klang, superdünne Folie und unglaublich teuer.
Der Hifiman HE-1000 ist ein Magnetostat der Superlative: perfekt verarbeitet, faszinierender Klang, superdünne Folie und unglaublich teuer. : Bild: Hersteller

Das etwas geringere Gewicht der Folie ist ohnehin der größte Vorteil des magnetostatischen Verfahrens. Denn auf der Membran sitzt keine Schwingspule aus Kupferdraht. Dort werden stattdessen dünne Leiterbahnen in einer bestimmten Anordnung aufgebracht. Parallel zur Membranfläche sitzen eine Reihe stabförmig angeordnete Magneten. Wird nun die Leiterbahn von einem elektrischen Signal durchflossen, wirkt ebenso wie bei elektrodynamischen Kopfhörern eine Kraft. Das entstandene Magnetfeld wird vom Feld der Permanentmagneten angezogen und abgestoßen. Da die Leiterbahnen fest auf der Membran aufgebracht sind, bewegt sich diese.

Dieses Verfahren hat ebenso Auswirkungen auf den Klang. Magnetostatische Kopfhörer wie der HE-1000 klingen sehr transparent und differenziert. Auch nach vielen getesteten Kopfhörern lässt man sich zu dem Satz hinreißen: „Man hört bei manchen Liedern Töne, die man vorher noch nie gehört hat.“ Der Bass fällt beim HE-1000 am meisten auf. Natürlich ist er, wie sich das für Kopfhörer dieser Klasse gehört, trocken und präzise. Auch kommt er nicht ganz so tief in die untersten Frequenzen wie etwa der T1 von Beyerdynamic. Doch er zeigt sich auf der anderen Seite äußerst fein und den Liedern häufig angemessen. Es ist kein Hauruck-Bass, er gibt dem Hörer Zeit, sich auf ihn zu konzentrieren. Ansonsten ist der HE-1000 etwas heller als der T1 abgestimmt, hat eine deutlich größere Bühne. Aufgrund seines luftigen, vom Ohr weiter entfernten Klanges lässt sich mit ihm stundenlang entspannt Musik hören.

Das Wettrennen um die dünnste Folie mag Hifiman gewonnen haben. Doch auf die aufgebrachten Leiterbahnen und den daraus folgenden Gewichtszuwachs können auch magnetostatische Kopfhörer nicht verzichten. Ohne elektrisch versorgte Teile wie Schwingspule oder Leiterbahnen kommen nur elektrostatische Kopfhörer aus.

Elektrostatisch: Stax SR-009

Für Audiophile ist der elektrostatische Kopfhörer so etwas wie die Stradivari unter den Geigen. Der Klang ist nahe am Perfekten, wenige Musikliebhaber können sich so ein Produkt leisten, und fast alle sind sich einig, dass ein Elektrostat das Maß aller Dinge ist. Das japanische Unternehmen Stax hat so etwas wie eine Monopolstellung. Das aktuelle Modell SR-009 löste vor etwa zwei Jahren den altgedienten Vorgänger erst nach fünfzehn Jahren ab. Bei Stax-Kopfhörern redet man in jeder Hinsicht von Superlativen. Der SR-009 liegt preislich bei 5000 Euro. Wer bei der Lektüre dieser Zahl staunt, bekommt nun noch diese Information: Jeder elektrostatische Kopfhörer braucht auch einen speziellen Verstärker, der ihn antreibt. Das sind dann noch mal knapp 3000 Euro für die Röhrenvariante.

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