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Bluetooth-Kopfhörer im Test : Bumms gegen Pieps

Bild: Johannes Krenzer

Sie sehen gut aus, brauchen kein Kabel und mindern Außengeräusche. Kopfhörer mit Bluetooth und aktiver Rauschunterdrückung sind nicht nur bei Vielfliegern angesagt. Beats Studio Wireless und Parrot Zik 2 im Vergleichstest.

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          An Selbstbewusstsein mangelt es Beats Electronics nicht. Das junge Unternehmen, das erst vor neun Jahren von Dr. Dre und Jimmy Iovine gegründet wurde, ist von Apple für drei Milliarden Dollar gekauft worden. Die Topstars unter den Fußballern wie Mario Götze oder Neymar tragen die Kopfhörer nicht nur in der Werbung zur Schau. Beats-Produkte sind auch auf der Straße omnipräsent. Wer die Ohrhörer mit dem signifikanten „b“ trägt, fällt auf und will cool sein. An Beats kommt keiner vorbei. Die Frage, ob die Kopfhörer toll klingen, scheint rhetorisch. Wer Zweifel hat, bekommt die Antwort von Beats gleich mitgeliefert. Das Technik-Portal „Cnet“ wird mit dem Urteil zitiert, Studio Wireless sei der beste kabellose Bluetooth-Kopfhörer des Jahres 2015.

          Haben wir uns da verhört? Bisherige Tests waren ernüchternd. Also packten wir uns den neuen Studio Wireless auf den Kopf. Nur noch rasch mit dem Smartphone per Bluetooth verbinden. Erstes Urteil: Es ist der beste Beats, den wir bisher auf den Ohren hatten. Zweites Urteil: Es gibt einige Kopfhörer, die besser klingen und günstiger sind. Warum ist das Unternehmen so erfolgreich?

          Bekannt für das „b“ und die knalligen Farben: Beats-Kopfhörer

          Das Ur-Argument gegen Beats-Kopfhörer ist der zu basslastige Klang. Das gilt mit Einschränkung nach wie vor. Beim Studio Wireless ist er nur nicht mehr ganz so heftig. Dr. Dre und Konsorten haben sich weiterhin bewusst für die Anhebung der tiefen Frequenz entschieden. Damit geben sie dem Hörer vor, was er hören soll: vor allen Dingen Hip-Hop. So wie ihn eben auch der geschäftsführende Rapper Dr. Dre selbst produziert.

          Also ran an das Genre: Wir haben „Ihr Hurensöhne“ von Haftbefehl, „Denken Sie groß“ von Deichkind und „King Kunta“ von Kendrick Lamar gehört. Das passt, weil der Bass dumpf durchwummert, ein paar rhythmische Höhen sich darauf setzen und sich der Gesang mehr oder weniger verständlich dazwischen schiebt. Viel mehr gibt es ja nicht zu hören. Um den älteren Hip-Hop-Song „Dein Herz schlägt schneller“ von „Fünf Sterne Deluxe“ zu zitieren: Wir hatten halt „die fetten Beats.“

          Diktatur der tiefen Frequenz

          Nun ist Hip-Hop nur ein Genre, und selbst die Jugendlichen werden mal zu Rock und Pop oder gar Jazz und Klassik und wieder zurück wechseln. Und dann fegt ständig der Bass durchs Lied, in dem Gitarren heulen, Stimmen brillieren oder Akkorde dominieren sollen. Der Werbespruch von Beats Electronics, Kunden „verdienen es, Musik zu hören, wie der Künstler sie ihnen vorspielen würde“, und es sei der „Sound, wie vom Künstler beabsichtigt“, ist Nonsens. Die Stimme von Dave Gahan in seinem Gastspiel bei den „Soulsavers“ zerbröselt, die seiner Partnerin taucht unter. Und bei „Imagine“ von John Lennon holpert das Lied uninspiriert vor sich hin, das maßgebende Piano weiß nicht vor und nicht zurück.

          Außerhalb des Hip-Hops will kein Künstler so seine Musik hören. Denn in gut produzierten Stücken sind Instrumente mal gleichberechtigt, mal tritt die Stimme in den Vordergrund, die Gitarre zieht sich zurück oder umgekehrt. Der Bass darf gern mal brummen und die Hi-Hat knallen. Doch mit Beats auf dem Kopf hört sich alles gleich an. Es herrscht die Diktatur der tiefen Frequenz. Instrumente werden diskriminiert. Der Bass arbeitet gegen seine eigentlichen Partner.

          Alles andere am Beats ist zu loben. Der Studio Wireless sitzt im Gegensatz zum Solo 2 bequem auf dem Kopf, weil die Muscheln ordentlich gepolstert sind. Eine kleine LED-Anzeige verrät den Stand des Akkus. Die Verwendung als Headset funktioniert reibungslos. Und die Steuerung der Lautstärke sowie das Pausieren und Abspielen der Musik durch Tasten auf der linken Muschel ist praktisch. Wie alle Beats hat auch der Studio Wireless aktives und adaptives Noise-Cancelling. Je stärker die Außengeräusche werden, desto mehr hält die Geräuschunterdrückung dagegen. Sie funktioniert recht gut. Allerdings ergibt sich dadurch ein wahrnehmbares Grundrauschen.

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