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Kopfhörer Beats Solo 2 im Test : Schläge auf die Ohren

Bild: Hersteller

Beats-Kopfhörer sind überall präsent: auf dem Schulhof, in der U-Bahn und auf Partys. Nach dem Kauf durch Apple wird man die Dinger noch häufiger auf den Ohren der Jugend sehen. Wir haben den neuen „Solo 2“ getestet.

          Wieder dieses „b“. Das Erkennungszeichen der Marke Beats sieht man immer häufiger auf den Ohren der Jugendlichen und Fußballprofis. Die Generation Smartphone trägt die Kopfhörer auffällig auf Schulhöfen, in der U-Bahn oder auf Partys. Meist sind es die schwarzen oder knallroten Modelle. Sie werden bald auch in Pink, Graublau und Dunkelblau auftauchen.

          Denn der Hersteller hat für sein neues On-Ear-Modell Solo 2 die Farbskala erweitert. Es ist der Nachfolger des Solo, der laut Beats deren beliebtester Kopfhörer ist. In Amerika trägt übrigens jeder Zweite, der mindestens 100 Dollar für einen Kopfhörer ausgibt, ein Produkt von Beats. Gründer und Besitzer Dr. Dre hat sein Unternehmen nun kürzlich für mehr als drei Milliarden Dollar an Apple verkauft. Was ist also das Besondere an diesen Kopfhörern?

          Der Solo 2 hat das typische Beats-Design. Der Bügel geht ansatzlos über in die Abdeckung der Muschel, wo der Teil mit Membran, Elektronik und Ohrpolster sitzt. Diese Form war lange Zeit stilbildend für diese Kopfhörer. Mittlerweile wird sie von namhaften Herstellern kopiert. Im Vergleich zu anderen Modellen verzichtet man beim Solo 2 darauf, an beiden Seiten einen Mini-Klinken-Eingang zu setzen, so dass das Kabel immer links sitzt. Dieses ist mit einem üblichen Headset-Modul versehen, was in Verarbeitung und Optik recht billig wirkt.

          Der Sitz des Solo 2 ist aus zwei Hinsichten unbequem. Der Kopfhörer hat – wie alle Beats-Modelle – einen starken Anpressdruck. Dadurch wirkt er schwer und aufdringlich. Der einzige Vorteil des festen Sitzes ist, dass das Polster rund um das Ohr ziemlich dicht abschließt und somit Außengeräusche unterdrückt. Wir haben das im Flugzeug ausprobiert und konnten den Effekt gut hören. Was ebenfalls unangenehm auffällt, ist der Druck des Bügels auf den Schädel. Der Grund ist schnell gefunden. Unterhalb des Bügels befindet sich nur ein Alibi-Polster. Weil kaum Schaumstoff darin verarbeitet ist, drückt das Plastik letztlich ungehindert auf den Knochen.

          Nun könnte man den Druck verhindern, indem man den Bügel mit Hilfe der beiden fein justierbaren und verlässlich funktionierenden Scharniere nach oben schiebt. Das führt jedoch dazu, dass die Muschel nicht mehr fest und gleichmäßig verteilt auf dem Ohr sitzt. Der Anpressdruck ist dann unten größer als oben, was sich auf Klang und Schallisolierung auswirkt. Der ungleichmäßige Sitz wird verursacht durch die wenig flexible Befestigung des Muschelmoduls am Rahmen. Bei guten Kopfhörern lässt sich dieser Teil einige Grad horizontal und vertikal bewegen, damit sich die Muschel der Ohr- und Kopfform anpassen kann. Der Solo 2 hat dafür nicht genug Spiel.

          Bass ist zu dominant

          Kopfhörer, die so populär sind wie die von Beats und künftig als Apple-Produkt vermutlich an noch mehr iPhones betrieben werden, sollten wenigstens gut klingen. Doch das tut der Solo 2 nicht. Das Klangbild ist immer noch stark gefärbt. Es fällt nach wie vor der dominante Bass auf, was vom angehobenen Tieftonbereich herrührt. Diese Anhebung betrifft verschiedene Genres und Instrumente, sei es eine Bassgitarre in einem Rocksong oder ein Beat in einem Techno- oder HipHop-Stück.

          Der Bass ist zwar differenziert, doch die Staffelung ist nicht ausgewogen. So kommt der obere Tieftonbereich zu kurz. Da die Mitten gefühlt eher noch gesenkt wurden, leiden diese unter der Dominanz der Tiefen. Gesang und Gitarre werden deutlich in der Hintergrund gedrängt. Bei vielen Liedern würde man Sänger oder Sängerin am liebsten das Mikrofon lauter drehen. In den Höhen spürt man dann wieder eine Verstärkung, so dass der bekannte und zu Recht verpönte Wanneneffekt eintritt.

          Hämmert jeden Ton in den Schädel

          Beats-Fans verteidigen dieses Klangbild damit, dass es von Dr. Dre bewusst gewählt wurde, um gerade Lieder aus dem Hip-Hop- oder Elektro-Genre besser klingen zu lassen. Das ist ein Argument, das wir schwer nachvollziehen können. Entweder ist ein Hip-Hop-Lied sauber produziert, dann braucht der Kopfhörer nicht an den Tiefen oder Höhen zu zerren. Ist es schlecht produziert, hilft auch keine Beats-Färberei, es würde nur verschlimmbessern. Im Übrigen zeigt der Solo 2 weitere Schwächen: Impulstreue und Dynamik lassen zu wünschen übrig. Der Beats-Kopfhörer hämmert jeden Ton in den Schädel, als gebe es kein „leise“. Es bildet sich kaum eine Bühne. Der feste Sitz in Kombination mit dem harten Sound strengen beim Hören unnötig an.

          Beats-Kopfhörer sind eine Mode, die den Ohren nicht guttut. 200 Euro für einen hübsch designten Kopfhörer sind zudem viel Geld. Für exakt die gleiche Summe bekommt man etwa mit dem Momentum On-Ear von Sennheiser einen ebenfalls schicken Kopfhörer in verschiedenen Farbkombinationen, der edel verarbeitet ist, bequem sitzt, ein hochwertiges Headset hat und vor allen Dingen gut und sauber klingt. Damit lassen sich auch Hip-Hop und Techno wunderbar hören. Und mit dem Momentum wurden sogar schon Fußballer gesehen.

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