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Kompaktkameras - ein Überblick : Die kleinen Schwarzen für immer und überall

  • -Aktualisiert am

Die Olympus XA und einige ihrer Zeitgenossen: Die Vitor C von Voigtländer und ihr Vorbild Minox 35 EL und rechts die Revue 35CC Bild: Hersteller

Kompaktkamera, das klingt heute in den Ohren vieler ambitionierter Fotofreunde wie ein herablassendes „Knipse“. Dabei gibt es Kameras für die Jackentasche, bei denen man kaum einen Kompromiss hinsichtlich der Bildqualität machen muss.

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          Ein Vorstellungsgespräch 1979: Hinter Robert Held, Berater der Herausgeber-Konferenz der F.A.Z. und leitender Außenpolitiker der Zeitung, hing eine großformatige gestochen scharfe Schwarzweißfotografie, eine Landschaftsaufnahme, wie Held sie von seinen Reisen für die Zeitung mitbrachte. Irgendwann fragte Held, als sich das Gespräch ums Fotografieren drehte: „Was glauben Sie, mit welchem Apparat habe ich diese Aufnahme gemacht?“ Kein blasser Schimmer, aber es ging ja wohl darum, dass es sich um ein extrem vergrößertes Kleinbildnegativ handelte. Da konnte Leica oder Leicaflex wohl nicht ganz und gar verkehrt sein. Held schüttelte fein lächelnd den Kopf und zog aus seiner Schreibtischschublade eine Kamera im Format einer Zigarettenschachtel. „Man will es nicht glauben, dass da überhaupt eine Kleinbildpatrone hineinpasst . . .“

          Die erste Kamera dieser Klasse brachten 1966 die Rollei-Werke Franke & Heidecke in Braunschweig heraus: Die von Heinz Waaske konstruierte Rollei 35 mit einem versenkbaren Zeiss Tessar 1:3,5/40 mm hat bis heute glühende Anhänger. Anzeigen bildeten sie in Originalgröße ab, und bis 1974 hielt sie den Rekord als der Welt kleinster Fotoapparat für das Kleinbild-Format 24 × 36 Millimeter.

          Vergleichbar kleine, auch noch kleinere Kameras gab es durchaus - und nicht nur die Minox von Walter Zapp. 1972 hatte Kodak etwa den Kassettenfilm im Format 110 und die Pocket Instamatic als preisgünstige Kompakte eingeführt. Aber alle diese Versuche, Kameras zu verkleinern, gingen einher mit der Reduzierung des Negativformats. Das schlug sich zusammen mit einfachen Optiken und Problemen wie der mangelnden Planlage des Films in deutlichst reduzierter Abbildungsqualität nieder.

          1979 analog, 2011 digital: das Modell Olympus XA und sein Nachfolger Olympus XZ-1

          Erst Minox, dann Olympus

          1974 brachte Minox in Gießen die Minox 35 EL mit dem auf dem Klappdeckel herausfahrenden Color-Minotar 1:2,8/35 mm. Sie war etwas kleiner als die Rollei 35 und vor allem spürbar leichter, denn ihr Gehäuse bestand zu einem großen Teil aus Makrolon. Kunststoff war salonfähig geworden. Auch die Minox 35 wurde wie die Rollei 35 in zahlreichen Varianten jahrzehntelang gefertigt und hat ihre eingeschworene Fangemeinde.

          Fünf Jahre nach der Minox 35 erschien schwarz und kompakt, etwas größer als die Minox, etwas kleiner als die Rollei, die Olympus XA, eine der Kameras unter der Ägide des Pen-Konstrukteurs Yoshihisa Maitani. Ihr Kunststoffgehäuse galt als revolutionär: Die Front wurde seitlich verschoben, wobei das sechslinsige F-Zuiko 1:2,8/35mm freigelegt und die Elektronik der Kamera aktiviert wurde. Die XA hatte einen Entfernungsmesser mit einem allerdings nicht sonderlich kontrastreichen Mischbild. Mit einem Schieber an der Front wählte man die Blende vor, und die Zeit wurde automatisch bis zu einer kürzesten Verschlusszeit von 1/500 Sekunde gesteuert. Welche Zeit es war, konnte man nur mit heftigem Schielen zum linken Rand des Suchers erkennen. Für den Filmtransport gab es ein schnelles, butterweiches Reibrad. Ein kleiner Hebel am Boden aktivierte je nach Stellung den Selbstauslöser sowie die Gegenlichtkorrektur und diente außerdem zur Batteriekontrolle.

          Ob digital oder analog - taschenkompatibel

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