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Kamera NX11 von Samsung : Ein Schnäppchen will systematisch anders sein

  • -Aktualisiert am

Sehr kompakt: Auf den linken Daumen wartet am Objektiv die iFn-Taste Bild: Hans-Heinrich Pardey

Samsungs NX11 ist keine kleine Spiegelreflex. Wohl aber arbeitet sie als „spiegellose Systemkamera“. Ist die Handhabung der i-Function praktisch?

          3 Min.

          Die schwarze Kamera mit der typischen Silhouette einer Spiegelreflex lässt sich ziemlich mühelos in einer Hand verbergen. Mit einem ihrer besonders flach bauenden Wechselobjektive, dem 1:2,4/16mm oder dem 1:2,8 /20mm, beult sie die Jackentasche nur wenig aus. Aber die NX11, die Samsung als überarbeitetes Spitzenmodell der NX10 hat folgen lassen, ist keine kleine Spiegelreflex. Wohl aber arbeitet sie als „spiegellose Systemkamera“ mit einem 14,6 Megapixel liefernden Sensor im APS-C-Format, das auch in der Dachkantprismen-Klasse weit verbreitet ist. Der CMOS-Sensor der NX11 ist also größer als der 4/3-Sensor einer Lumix G3 von Panasonic, begnügt sich aber mit weniger Bildpunkten und einer geringeren Obergrenze der Empfindlichkeit (bis ISO 3200). Das flache Pancake-Objektiv mit der Festbrennweite 20 Millimeter entspricht dabei einem 30-mm-Kleinbildobjektiv. Mit dem optisch stabilisierten Standard-Zoom 1:3,5-5,6/ 18-55 mm (entsprechend 27 bis 83 Millimeter) hat man dann schon deutlich mehr Kameravolumen in der Hand. Das Kitobjektiv ist ziemlich genau so lang, wie das Kameragehäuse hoch ist. Die Familie der Original-Objektive mit NX-Bajonett ist auf zehn angewachsen; außerdem lassen sich mit Adaptern nahezu alle Arten von Fremdobjektiven in das Bajonett der kleinen Systemkamera schrauben.

          Allen adaptierten Optiken ist gemeinsam, dass sie das nicht haben, was sich Samsung als bedienungstechnische Innovation besonders zugute hält: die i-Function-Taste, die an - inzwischen allen neueren - NX-Objektiven von Samsung dort sitzt, wo sie der linke Daumen blind findet. Wenn man sie drückt,werden abhängig von der Betriebsart - also bei Programmautomatik anders als bei Blenden- oder Zeitautomatik - mögliche Einstellungen vergrößert am unteren Bildrand eingeblendet. Verändern kann man sie, in dem man den Ring vorn am Objektiv dreht.

          Veränderter Weißabgleich sofort zu sehen

          Das klingt zunächst recht praktisch und ist es auch, vor allem, wenn man durch den elektronischen Sucher mit VGA-Auflösung blickend fotografiert. Man hat beispielsweise A wie Blendenvorwahl (Zeitautomatik) als Betriebsart gewählt. Man drückt die iFn-Taste, und die Zahlen der Blendenreihe werden am unteren Bildrand eingeblendet. Ein Dreh, und schon ist die Blende von Anfangsöffnung 3,5 auf Blende 8 korrigiert, um die Tiefenschärfe zu erhöhen. Der Haken bei der Sache ist: Die Auswirkung, die das Wählen der kleineren Öffnung auf die Zeitenbildung hat, ist simultan nicht zu sehen. Dafür muss man erst aus dem i-Function-Modus raus, etwa durch Antippen des Auslösers. Sieht man dann die Zeit-Blenden-Kombination und entschließt sich, die Blende noch etwas weiter zuzumachen, geht es mit einem Tastendruck am Objektiv wieder von vorn los.

          Dass je nach Betriebsart andere Einstellmöglichkeiten angeboten werden, ist zwar logisch, wirkt aber leicht irritierend, weil auch die Reihenfolge gleicher Angebote wechselt. Genauso ist die Lage der iFn-Taste zwar immer gleich, doch - durch die Abmessungen des Objektivs bedingt - sitzt der Einstellring für den tastenden Finger verschieden weit vorn. Kurzum: Samsungs bedienungstechnische Variante setzt einige Übung voraus. Gut ist, dass die Auswirkung beispielsweise eines veränderten Weißabgleichs sofort zu sehen ist. Und das ist der richtige Moment, um zu erwähnen, dass das Sucherbild zwar klein, aber ganz ordentlich, der 3 Zoll große AMOLED-Monitor (614.000 Bildpunkte) jedoch sehr gut ist.

          Aus einer Vielzahl von Aufnahmen eine langgezogene Ansicht

          Die NX11 kommt einem wie die NX10 eher handlicher vor als die kleinere System-Schwester NX100. Die mag zwar noch kompakter und damit noch taschengängiger sein als die NX11, doch die greift sich einfach gut und hat auch für kräftigere Hände genug Halt bietende Flächen. Unter den Betriebsarten neu ist die Panoramafunktion: Die mit gedrücktem Auslöser bewegte Kamera macht aus einer Vielzahl von Aufnahmen eine langgezogene Ansicht. Mit den erwartbaren Verzeichnungen hat das gut geklappt. Die Motivprogramme der Kamera lassen sich entweder von Hand einstellen oder werden von der Kamera im Smart-Modus selbst bestimmt: Heftige Bewegungen des Fotografen lassen die Motiv-Analyse auf Sport tippen, am zuverlässigsten werden besonders nahe Motive erkannt, um die Makro-Einstellung zu aktivieren. Mit der NX11 lassen sich Full-HD-Videos (1280 × 720 Pixel) drehen und über die HDMI-Schnittstelle an geeignete Fernsehgeräte übertragen - da erweist sie sich tatsächlich als voll in das System Samsung integriertes Aufnahmegerät.

          Im Internet wird das NX11-Kit für unter 400 Euro angeboten, das 20mm-Objektiv sieht man schon für rund 150 Euro. In Anbetracht von Bildqualität und Vollausstattung dieser Kamera, die sich vor keiner Einsteiger-Spiegelreflex zu verstecken braucht, kann man da schon von einem echten Schnäppchen sprechen.

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