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Kamera Leica Q : Die Straßenkämpferin

  • -Aktualisiert am

Viel Zubehör: Hier die Leica Q im Protektor Bild: Hersteller

Leica bringt mit dem Modell Q eine Vollformatkamera mit lichtstarker Weitwinkel-Festbrennweite und einem elektronischen Sucher. Sie lässt sich flink wie in alten Zeiten bedienen: mit der Hand und dem Verstand.

          Um es gleich zu sagen: Diese Kompaktkamera von Leica gibt es nicht von Panasonic. Die Wetzlarer bieten mit der Leica Q (Typ 116) eine Kamera an, wie sie allenfalls so ähnlich Sony mit der RX1R im Sortiment hat. Ein Vollformatsensor, also ein 24×36 Millimeter großer CMOS (24,2 Megapixel effektiv, 26,3 insgesamt), gepaart mit der lichtstarken Festbrennweite Summilux 1:1,7/28 Millimeter ASPH (11 Linsen in 9 Gruppen, 3 asphärische Linsen) und mit einem exzellenten elektronischen Sucher.

          Aber nicht Sony war der Pionier bei den gelegentlich als Premium-Kompaktklasse bezeichneten Kameras ohne Zoom oder gar Wechseloptik, sondern Sony konterte mit der RX1 den sensationellen Erfolg, den Fujifilm zuvor mit den X100-Modellen hatte. Die wiederum – und da beißt sich die Schlange in den Schwanz – wenigstens äußerlich geradezu unverschämt der Leica M nachgestaltet waren und sind.

          Der entscheidende Unterschied des Konters: Sony verbaute wie nun auch Leica einen 35-mm-Sensor, während sich Fujifilm auf das Format APS-C beschränkt hatte. Damit geriet die RX1 preislich in die Gegend von 3000 Euro, war damit annähernd 2000 Euro teurer als eine X100 von Fuji, und so wurde sie als „Exklusive Kamera zum elitären Preis“ apostrophiert.

          Das wiederum lässt die rund 4000 Euro, die Wetzlar für die Leica Q haben will – und bekommen wird, denn in Leicaland ist das Wort Straßenpreis unbekannt –, etwas leichter verschmerzen. Je nachdem, wo man sich im Leica Store umsieht, erscheint der Betrag von nur vier Riesen ja auch geradezu als Schnäppchen für eine komplette Kamera.

          Herr der Ringe - für Blende, Fokus und Naheinstellung - ist man bei der Leica Q

          Mit Maßen von rund 13×8×9 Zentimeter (Breite×Höhe×Tiefe), wobei rund 5 Zentimeter der Tiefe auf das über den Kamerakörper hinausragende Summilux entfallen, und einem Gewicht von betriebsbereit etwas mehr als einem und einem viertel Pfund, geht die Q als kompakte Kamera durch, aber nicht mehr in jede Jackentasche rein. Das büchsenartige Design des Gehäuses mit den gerundeten Flanken wird selbstverständlich gewahrt, einschließlich der Stufe in der Deckplatte.

          Die Leica Q ist glatt, aber vorzüglich griffig. Das liegt zum einen an einer fein diamantierten Belederung und zum anderen an einer Griffmulde für den rechten Daumen an der Rückseite. Notabene: kein aufgesetztes Polster, sondern eine Vertiefung. Die Gehäusekanten sind angenehm, weil sanfter gerundet als bei aktuellen M-Leicas. Bei so viel Handlichkeit erscheint der als Zubehör zuzukaufende Handgriff genauso wie die in drei Größen erhältlichen Fingerschlaufen – die schon so manchem Leica-Besitzer bitteren Kummer bereitet haben – eher überflüssig. Apropos Zubehör: Es gibt einen Aufsteckblitz, der trotz roten Leica-Logos nicht verleugnen kann, dass er von Metz stammt, diverse Taschen, Holster, Protektor und Lederriemen wie -handschlaufen und, am verwunderlichsten, eine eigene Displayschutzfolie – „Made in Germany“ ganz wie die Kamera selbst.

          Höchst unauffälliges Werkzeug des Straßenfotografen

          Die wenigen Bedienelemente der Leica Q – eine belegbare Funktionstaste, das blätternde Daumenrad und die Daumentaste, mit der man zum Digitalzoom (1,5-fach wie 35 und 1,8-fach wie 50 Millimeter Brennweite entsprechend) umschaltet, sind genau da, wo man sie sich wünscht. Das Menü jedoch ist nicht, wie der Prospekt behauptet, „aufgeräumt“, sondern gar keins, nur eine quälend lange und – nur vermeintlich – nach Wichtigkeit sortierte Liste mit mal mehr und mal weniger Unterpunkten. Wohl dem, der an der richtigen Stelle sucht.

          Sehr schön dagegen: statt eines Rädchens zur Wahl der Betriebsart nur ein Zeitenrad oben und am Objektiv Drehringe für die Blende, das Scharfstellen und die Wahl des Nahbereichs (ab 17 Zentimeter). Wird auf Macro geschaltet, erscheint eine eigene Entfernungsskala. Die zwei roten A kennzeichnen die Programmautomatik, AF – mit einer Sperre gesichert – verweist auf den flotten Kontrastautofokus. Ein Blick, und man weiß Bescheid. Handlichkeit ist eben nicht nur eine Frage der Haptik.

          Ein schöner Rücken: Displayschutz als Extra und eine pfiffige Daumenmulde

          Die Leica Q lässt sich bis auf einen kaum hörbaren Klick stumm schalten und wird dann zum höchst unauffälligen Werkzeug des Straßenfotografen: sichere Schnappschüsse von untadliger Bildqualität, rasche Bildfolgen. Binnen Stundenfrist wird der sonst an Kompaktkameras verpönte Digitalzoom zu einer der Lieblingsfunktionen: Während in geringerer Bildgröße eine Aufnahme wie mit einem 50-mm-Objektiv entsteht, werden gleichzeitig die Rohdaten des 28-mm-Vollformats als digitales Negativ im .dng-Format auf die Speicherkarte geschaufelt. Diese kleine Straßenkämpferin könnte Ahnin ähnlicher Leicas mit anderer Brennweite werden, die Q ist endlich wieder eine Leica jenseits von Schickimicki.

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