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iStockphoto : Getty setzt auf Amateurbilder und das iPad

Chance für Foto-Amateure: iStockphoto Bild: iStockphoto

Die Fotoagentur Getty leidet unter der Schwäche bei Verlagen und Werbeagenturen. Es ist schwierig geworden, mit hochklassigem Bildmaterial gute Geschäfte zu machen. Die Online-Plattform iStockphoto für Hobbyknipser ist dagegen ein Lichtblick.

          3 Min.

          Für die weltgrößte Fotoagentur Getty Images ist es eine nüchterne Erkenntnis: Es ist schwierig geworden, mit hochklassigem Bildmaterial gute Geschäfte zu machen. Ob Zeitungs- und Zeitschriftenverlage oder Werbeagenturen: Die wichtigsten Kundengruppen von Getty sind schwer von der Wirtschaftskrise und einem allgemeinen Strukturwandel getroffen worden und sparen an den Fotos. Getty hat sich diesen Umwälzungen angepasst und sieht mittlerweile einen Lichtblick auf einem Gebiet, das so gar nicht mit den stolzen Ursprüngen des Unternehmens vereinbar scheint: das Geschäft mit Amateurfotografie.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die zu Getty gehörende Online-Plattform iStockphoto, die von einem Heer von mehreren zehntausend Hobbyfotografen bestückt wird, hat sich zum Wachstumsmotor für den gesamten Konzern entwickelt. Nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Jonathan Klein hat Getty den Umsatz mit iStockphoto 2009 um 40 Prozent auf 200 Millionen Dollar ausgebaut, der Dienst stand damit für 20 bis 25 Prozent des Konzernumsatzes. Im laufenden Jahr soll das Wachstum sogar noch höher ausfallen. Es ist ein steiler Aufstieg, denn als Getty iStockphoto vor vier Jahren zukaufte, lag der Umsatz im einstelligen Millionenbereich. Im Vergleich zu damals ist Getty nun völlig anders aufgestellt: „Wir haben uns früher auf die Art von Fotos konzentriert, die das Zeug zum Pulitzerpreis haben. Heute bedienen wir alle Segmente“, sagte Klein im Gespräch mit dieser Zeitung.

          Freilich ist der Erfolg von iStockphoto kein uneingeschränkter Grund zur Freude: Denn er spiegelt einen Trend zur Entwertung von professionell gemachten Inhalten wider, wie er auch anderswo zu beobachten ist, etwa bei Zeitungen und Zeitschriften, die unter kostenlosen Online-Angeboten leiden. Jonathan Klein gibt auch zu, dass die etablierten Geschäfte von Getty durch den Vormarsch von iStockphoto in erheblichem Umfang kannibalisiert werden. Je größer und besser das Angebot auf der Seite wird, umso mehr kommt es auch für Kunden in Frage, die bislang teureres Bildmaterial von Getty gekauft haben. Der Preisunterschied ist beträchtlich: Ein großer Teil der Fotos auf iStockphoto kann für rund 4 Dollar heruntergeladen werden, manche Bilder gibt es sogar für weniger als einen Dollar. Für traditionelle Getty-Bilder sind gut und gerne 200 Dollar fällig.

          „Insgesamt klar positiv“

          Trotzdem bezeichnet Klein diese Verschiebung der Gewichte im Geschäft von Getty als „insgesamt klar positiv“. Getty habe damit seine Kundenbasis ausgeweitet, und trotz der vergleichsweise niedrigen Umsätze je Foto sei das Geschäft attraktiv, weil es kaum Kosten verursache und die höchsten Margen im Konzern bringe. Das Sortiment füllt sich durch das große Netz an Hobbyfotografen ohne viel Aufwand für Getty, mittlerweile sind auf der Seite mehr als 6,5 Millionen Bilder, Videos und Audiodateien. Die Zulieferer bekommen 20 bis 40 Prozent der Erlöse, wenn ihre Inhalte gekauft werden. Mittlerweile gibt es nach den Worten von Klein mehr als 100 Mitglieder, die daraus einen Vollzeitjob gemacht haben. „Das läuft ähnlich wie der Handel auf Ebay, der für viele Menschen auch zum Hauptberuf geworden ist.“ Die Zuwächse für iStockphoto konnten nicht verhindern, dass der Gesamtumsatz von Getty im vergangenen Jahr gesunken ist, wobei Klein keine genauen Zahlen nennen will. Gleichwohl sieht er noch immer Potential im angestammten Geschäft von Getty, zumal wenn sich das wirtschaftliche Umfeld wieder aufhellt.

          Viele Unternehmen oder Werbeagenturen legen nach seinen Worten noch immer Wert darauf, Fotos exklusiv nutzen zu können, was ihnen ein freier Marktplatz wie iStockphoto nicht erlaube. Die traditionelle Auftragsfotografie bei aktuellen Ereignissen in Bereichen wie Politik, Sport oder Unterhaltung wiederum habe sich auch in der Wirtschaftskrise vergleichsweise stabil geschlagen. Der Sparkurs bei den Verlagen habe hier in gewissem Umfang sogar einen positiven Effekt auf Getty, weil viele Zeitungen und Zeitschriften zunehmend auf eigene Fotografen verzichten und Agenturfotos verwenden. Getty decke außerdem mehr aktuelle Ereignisse ab: „Vor vier Jahren hatten wir zum Beispiel gar keine Bundesliga, heute fotografieren wir bei jedem Spiel.“ Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika will Getty mit 50 Fotografen vertreten sein.

          iPad bietet sich für visuelle Inhalte an

          Als einen Hoffnungsträger für sein Unternehmen und für die Medienbranche sieht Klein den Tablet-Computer iPad von Apple, der im April auf den Markt kommen wird: „Das Gerät gibt uns eine Chance, weil es sich für visuelle Inhalte anbietet.“ Klein hat nach eigenen Worten mit vielen Vertretern der Medienindustrie über das iPad gesprochen: „Vor allem die Herausgeber von Zeitschriften haben hohe Erwartungen und setzen darauf, dass sich damit neue Wege finden lassen, für Online-Inhalte Geld zu verlangen.“ Klein hält die Hoffnung nicht für abwegig und verweist auf iStockphoto oder auch den Online-Musikdienst iTunes von Apple, die sich als Plattformen für den Verkauf von Inhalten für geringe Geldbeträge (Micro-Payments) etabliert hätten. In ähnlicher Weise könnten nach seiner Einschätzung auch Verlage ein zahlendes Publikum finden, wenn die Inhalte in attraktiver Weise präsentiert werden, so wie es das iPad verspricht.

          Jonathan Klein hat die Fotoagentur im Jahr 1995 zusammen mit Mark Getty gegründet, der aus der Familie hinter dem einstigen Ölimperium Getty stammt. Mit einer Serie von Akquisitionen ist Getty Images im Laufe der Jahre zur größten Fotoagentur der Welt aufgestiegen. 2008 wurde das Unternehmen für mehr als 2 Milliarden Dollar mehrheitlich an die Beteiligungsgesellschaft Hellman & Friedman verkauft, die beiden Gründer und das Management halten aber noch immer rund 30 Prozent der Anteile.

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