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Action-Cam „Medion Life“ : Sparen zu Lande, zu Wasser und in der Luft

  • -Aktualisiert am

Im tauchfesten Gehäuse: Action-Cam Medion Life Bild: Hersteller

Die erste Action-Cam von Medion ist ein Preisbrecher: Für 130 Euro erhält man eine preiswerte Variante zur beliebten GoPro. Doch kann sie auch in Technik und Ausstattung mithalten?

          3 Min.

          Ein Papiertaschentuch heißt Tempo, ein Klebestreifen Tesafilm, eine Action-Kamera für den Fahrradhelm GoPro, jedenfalls im Volksmund: Manche Marken schaffen es einfach, zum Synonym für eine ganze Warengattung aufzusteigen. Dabei gibt es jede Menge Alternativen. Auch solche, die preisgünstiger sind, ohne mit lausiger Qualität aufzuwarten. Wir haben uns mit einer GoPro-Alternative beschäftigt, die das etablierte Vorbild im Preis geradezu dramatisch unterbietet: Sie heißt Medion Life und ist für 130 Euro zu haben.

          Zum Vergleich: Für die GoPro Hero 3+ Black Edition legt König Kunde um 340 Euro auf den Ladentisch, das Konkurrenzmodell S-50 Nitro Circus von Rollei schlägt mit etwa 230 Euro zu Buche. Kann die Medion Life in Technik und Ausstattung da wenigstens halbwegs mithalten? Ihr Preisvorteil könnte sich zum Beispiel durch besonders klobige Form erklären. Doch Fehlanzeige. Zwar geriet die Medion-Kamera in ihrem wasserdichten, tauchfesten Schutzgehäuse tatsächlich korpulenter als die GoPro Hero 3+, aber kaum sperriger, sogar etwas schmaler als die Rollei in ihrer Schutzbehausung.

          Bei der Elektronik lässt sich die Cam nicht lumpen

          Der Größenvergleich der Gehäuse liegt deshalb nahe, weil sich die Mini-Kameras nur mit dieser Verkleidung am Helm oder am Fahrradlenker befestigen lassen. Mit ihrem einschlägigen Zubehör muss sich die Medion auch nicht hinter der Konkurrenz verstecken: Eine Fahrradschelle, ein Gelenk, ein Gurt und zwei Halterungen zum Aufkleben gehören zum Lieferumfang. Und die Elektronik? Auch hier lässt sich Medions Action-Kamera nicht lumpen: Über eingebauten W-LAN-Funk nimmt sie Kontakt zu einem Smartphone auf.

          Eine passende App, Action View genannt und für iOS ebenso erhältlich wie für Android, verwandelt den Telefonbildschirm in einen Sucher-Monitor, der auch Aufnahmen auslösen und schon gespeicherte Ablichtungen zeigen kann. Dass die W-LAN-Verbindung Fotoschüsse erst nach einer Verzögerung von einer halben Sekunde auslöst, ist zwar unschön, aber die Konkurrenz kann es über den Funkweg auch nicht schneller.

          Weitere Elektronik-Zutaten: Eine Zeitrafferfunktion dokumentiert zum Beispiel die Wechselfälle des Wetters im Schnelldurchgang, eine Timer-Funktion startet den Selbstauslöser nach vorgewählter Zeitspanne, eine Ultra-Wide-Brennweiteneinstellung sorgt dafür, dass das ohnehin schon sehr weitwinklige Objektiv noch ein bisschen mehr von der Umgebung des Motivs einfängt, allerdings nur im Foto-Modus.

          Unterschiede in den Auflösungen von Foto und Video

          Hinzu kommt eine Farbkorrektur für Unterwasseraufnahmen. Schließlich: Wird die Kamera kopfüber montiert, können ihre Bilder trotzdem richtig herum erscheinen - eine Voreinstellung macht es möglich. Nicht einmal mit ihren Schnittstellen geizt die Medion-Kamera: Über eine Klinkenbuchse kann ein externes Mikrofon andocken, ein Mini-HDMI-Anschluss beamt die Bilder direkt auf einen großen Fernsehschirm.

          Nennenswerte Unterschiede zwischen den Geräteklasssen gibt es in den Auflösungen von Videos und Fotos. Immerhin: Die Medion-Kamera filmt im Full-HD-Raster mit 30 Vollbildern je Sekunde. Mehr schafft nur die GoPro: Sie punktet mit 50 Full-HD-Bildern je Sekunde. Sogar im Ultra-HD-Raster kann die GoPro filmen, allerdings nur mit ruckelnden 15 Einzelbildern je Sekunde, was einem allenfalls theoretischen Vorteil entspricht. Fotos schießt die Medion mit 5 Megapixel Auflösung. Da ist die Konkurrenz mehr als nur theoretisch überlegen: 14 Megapixel schafft die Rollei, 12 Megapixel die GoPro.

          Doch grau ist alle Theorie. Bunter sehen unsere Testaufnahmen der Medion aus. Und die erreichen durchaus das Niveau der teureren Mitbewerber - in der Definition der Farben, im Rauschverhalten, in der Schärfe. Allerdings: Die Medion offenbart auch Schwächen, die gattungstypisch sind. Bekanntlich haben Action-Cams keinen Bildstabilisator, was ihre Videos auf dem Bildschirm gehörig zappeln lässt, nicht nur, wenn es mit dem Mountainbike über Stock und Stein geht. Und: Sie alle filmen mit sehr weitwinkligen Linsen, die gerade Strukturen an den Rändern der Motive kräftig verbiegen. Aber nicht nur im Medion-Kino, sondern ebenso mit der GoPro.

          Das heißt: Action-Cams definieren eine eigene Ästhetik. Die mag man mögen oder auch nicht; der Sinn von Pixelzählerei jedenfalls relativiert sich vor diesem Hintergrund. Und so relativiert sich der Technikvorsprung, den eine GoPro hat. Als Outdoor-Kamera am Lenker macht die Medion keine nennenswert schlechtere Figur als erheblich teurere Modelle, und darauf kommt es schließlich an.

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