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Internet : Der sensible Planet

Der Rauch der Waldbrände in Spanien und Portugal zieht zum Atlantik

Der Rauch der Waldbrände in Spanien und Portugal zieht zum Atlantik Bild: Esa

Von Waldbränden und Wirbelstürmen: Satelliten der Esa haben ein Auge auf die schönsten und die verletzbarsten Stellen der Erde geworfen. Bei Google Earth kann man jetzt im Fotoalbum der Naturgewalten blättern.

          3 Min.

          Gott hat gebacken: Europa ist eine Waffel. Mal dick, mal dünner bestäubt liegt der Kontinent unter einer Schneedecke. Vom Oslofjord bis zu den Pyrenäen, von der Bretagne bis zur Kurischen Nehrung. Nur im Rheintal war der Bäcker nachlässig - ein paar dunkle Tupfer schimmern durch die weiße Schicht.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am 4. März 2005 war es mal wieder richtig Winter. Wer unter dem Klimawandel leidet, kann sich das Wintermärchen im Büro in Erinnerung rufen. Die Europäische Weltraumorganisation (Esa) hat jetzt mehr als 130 Satellitenaufnahmen bei „Google Earth“ ins Netz gestellt, um Interesse am Umweltschutz zu wecken. Wie kleine Fähnchen stecken sie auf dem Globus, auf dem sich virtuell die Erde erkunden läßt. Mit einem Mausklick öffnen sich Bilder vom rauchenden Etna oder von Wasserstellen in der Wüste Gobi.

          Sandstürme und rauchende Vulkane

          Unser Planet ist gar nicht so blau: Europa ist weiß, Sibirien grün und über dem fast schwarz eingefärbten Golf von Oman tobt ein gelber Sandsturm. Die Satellitenbilder sind Aufnahmen von seltener Schönheit. Und sie sind ungleich wirklicher als die artifizielle Oberfläche der rotierenden Weltkugel auf „Google Earth“. Denn das Programm täuscht seinen Nutzern einen perfekten Tag vor - ein meteorologisches Unding. Global scheint die Sonne, keine Wolke versperrt die Sicht auf Australien, selbst London ist nicht eingetrübt. Auf den Esa-Bildern aber zeigt sich die Welt, wie sie einmal wirklich war: Boston im Schnee, Wirbelstürme über dem Golf von Mexiko.

          Der Rauch der Waldbrände in Spanien und Portugal zieht zum Atlantik Bilderstrecke
          Internet : Der sensible Planet

          Zwar schaffen es die statischen Esa-Bilder nicht, jene virtuelle Anwesenheit zu vermitteln, die Google Earth seinen Nutzern vorgaukelt. Wie Peter Schlemihl kann man dort in Sieben-Meilen-Steifeln über die Erdoberfläche flanieren, oder mit spektakulären Zoom-Fahrten von Berlin aufsteigen und sich wie ein Habicht auf Peking stürzen.

          Der verletzbare Planet

          Doch selbst wenn „Google Earth“ versucht, eine virtuelle Anwesenheit zu suggerieren, ist dies doch bloße Illusion. Es sind keine Echtzeit-Aufnahmen, die im Netz stehen. Niemand kann nachschauen, ob bei der Tante in Australien noch Licht brennt, oder wie in Montana langsam die Sonne aufgeht. Auch die Esa-Bilder bieten nur Momentaufnahmen, dafür aber besonders beeindruckende. Die ältesten datieren von 2003, die jüngsten sind wenige Wochen alt. Sie stammen also in etwa aus dem Zeitraum, den auch Google Earth als Entstehungsspanne seiner Aufnahmen von der Erdoberfläche angibt.

          Der blaue Planet ist verletzbar. Die Aufnahmen zeigen nicht nur die besonders schönen, sondern auch die besonders sensiblen Stellen des Erdballs: Zu sehen ist etwa, wie der Hurrikan Katrina am 25. August 2005 auf Florida zurast oder die Rauchfahnen der Waldbrände, die am 9. August in Spanien und Portugal loderten. Die Bilder dieser Sammlung wurden unter anderem von dem größten je konstruierten Umweltsatelliten Envisat aufgenommen. Mit dem virtuellen Fotoalbum der Naturgewalten wollen Esa und Google auf Klimawandel, Abforstung und Umweltverschmutzung aufmerksam machen.

          Wellen und Eis

          Envisat wurde 2002 in den Orbit befördert und erfaßt Daten mithilfe der drei Bildgebungssensoren Asar (Advanced Synthetic Aperture Radar), Meris (Medium Resolution Imaging Spectrometer) und AATSR (Advanced Along-Track Scanning Radiometer). Das Radarinstrument Asar bildet Land ab, erstellt Profile von Wellen und Eis, überwacht Landnutzung und Vegetationsarten und mißt verschiedene Oberflächenmerkmale. Meris nimmt Bilder der Erdoberfläche und der Wolken bei Sonnenlicht auf. Das Instrument erfaßt das sichtbare Licht und einen Teil des Infrarotbereichs. Der Sensor AATSR tastet Land- und Wasserflächen auf Brandherde, Wassertemperaturen und die Ausdehnung der Vegetation in bestimmten Gebieten ab. Auf der Grundlage dieser Daten erforschen Wissenschaftler die Ursachen für globale Umweltveränderungen. Ziel ist es, den Schleier um das Geheimnis der globalen Erwärmung zu lüften, die weltweite Abforstung und Umweltverschmutzung zu verfolgen und wichtige Erkenntnisse über den Anstieg der Meeresspiegel zu erhalten.

          Die Esa-Bilder lassen sich auf der Internetseite von Google Earth unter der Rubrik „Featured Content“ abrufen. Die Kategorie wurde im September eingeführt und bietet unter anderem der Esa die Gelegenheit, Material und wissenschaftliche Informationen bereitzustellen. Zu den Inhaltsanbietern unter „Featured Content“ gehören außerdem United Nations Environmental Program, Discovery Networks World Tour und das Jane Goodall Institute.

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