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IFA 2008 : Fernseh-Flachmänner bleiben die Superstars

  • -Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET-Andreas Brand

In früheren Jahren hat sich die IFA gern gegen die Sichtweise gewehrt, eine Messe des Fernsehens zu sein. Heute bekennt sich die Veranstaltung selbstbewusst zu ihrer Kernkompetenz, auch wenn sich ihre thematische Spannweite erweitert hat.

          In früheren Jahren hat sich die Internationale Funkausstellung in Berlin gern gegen die Sichtweise gewehrt, eine Messe des Fernsehens zu sein: Das galt seinerzeit als angestaubt, etwa im Vergleich zu all den aufregenden Internet-techniken, die sich eine Cebit ans Revers zu heften pflegte. Heute bekennt sich die Veranstaltung eher selbstbewusst zu ihrer Kernkompetenz, auch wenn sich ihre thematische Spannweite dramatisch erweitert hat. Warum denn auch nicht: Hier nehmen die wichtigsten Technik-Schübe der modernen Elektronik-Welt sinnliche Gestalt an - eindrucksvoll für die Experten der Szene, faszinierend für das Publikum. So hat es ausgeprägten High-Tech-Charme, wenn sich die Bildschirme auf eine Stärke verschlanken, die sich immer mehr der Stärke einer Fensterscheibe annähern. LED-Hinterleuchtung von Flüssigkristall-Schirmen ist eine der Methoden, solche Ergebnisse zu erzielen. Sony verbannt selbst diese zierlichen Halbleiter-Lichtquellen noch in den schlanken Rand des Bildschirms und verteilt die Leuchtkraft mit einer flachen Folie über die gesamte Bildfläche. Das Ergebnis: Ein nur 9,9 Millimeter dicker, 40 Zoll großer Schirm, zu bewundern in Gestalt der eleganten IFA-Neuheit Bravia ZX1.

          Der Umstieg auf LED-Licht hat noch andere Vorzüge: Nach Samsung und Sony präsentieren nun auch Philips und Sharp LCD-Fernseher, die nach dem Prinzip des „Local Dimming“ den Bildinhalt mit den LED-Zellen der Hinterleuchtung nachahmen, um auf diese Weise den Kontrast deutlich zu erhöhen. Bei Philips heißt das Local-Dimming-Flaggschiff 42PFL9803 LED LUX, bei Sharpt Aqos LC-XS1E.

          Durchmesser einer 2-Euro-Münze

          Plasma-Schirme kommen ganz ohne Hinterleuchtungen aus, weil die Bildzellen hier selber strahlen. Dennoch steht ein 147 Zentimeter großer Panasonic-Prototyp für nichts weniger als eine technische Meisterleistung: Der Bildschirm-Bolide misst in der Tiefe nur 25 Millimeter - leicht zu merken, weil das ungefähr dem Durchmesser einer 2-Euro-Münze entspricht. Dieser neue Flachmann gehört darüber hinaus einer Generation seiner Gattung an, die den Stromverbrauch auf etwa die Hälfte der heute noch üblichen, relativ hohen Plasma-Werte reduziert - auch das steht für einen bedeutenden technischen Sprung in die richtige Richtung.

          Andere Bildschirm-Innovationen sind subtilerer Art: Sie befassen sich mit dem unerschöpflichen Vorrat an Problemen, die sich aus der Notwendigkeit ergeben, die Zeittakte und die Auflösungen unterschiedlichster Bildquellen so an die Gegebenheiten der Bildschirme anzupassen, dass Konturen stets scharf und selbst schnelle Bewegungen schön flüssig erscheinen. Und weil es darüber hinaus noch gilt, Farben zu optimieren und Kontraste zu justieren, kann die Rechenleistung der Flachmänner gar nicht hoch genug sein und die nötige Software gar nicht clever genug ins Geschehen eingreifen. Besonders schöne Ergebnisse haben wir bei Philips gesehen. Der Hersteller erzielt mit der jüngsten Version seines komplexen Bildverbesserers, der Perfect Pixel HD Engine 2008, einfach tolle Ergebnisse. Sony kam auf die Idee, die bewegten Bilder erstmals aus 200 Einzelbildern je Sekunde zusammenzusetzen. Soweit man das am Messestand beurteilen kann, sorgt die 200-Hertz-Technik wirklich für sehr glatte Bewegungsabläufe, selbst bei extremen Kameraschwenks. Toshiba baut in seine jüngsten Fernseher, etwa das 46-Zoll-Flaggschiff ZF575D, seinen Cell-Prozessor ein, jenes mit acht Kernen rechnende Halbleiter-Wunder, das der Playstation von Sony zur atemraubend schnellen Kalkulation hoch auflösender virtueller Welten verhilft. Damit, sagt Toshiba, ist man auf der sicheren Seite: Was immer den Ingenieuren an noch pfiffigeren Algorithmen einfällt - der Cell-Prozessor nimmt es in Form aktualisierter Software gelassen entgegen.

          Nur drei Millimeter dünner Schirm

          Die Speerspitze der Bildschirmtechnik aber heißt OLED, zu bewundern am Sony-Stand: Schirme nach diesem Bauprinzip setzen die Bilder aus lauter selbst leuchtenden, farbigen LED-Pünktchen zusammen. So schlagen sie die gängige LCD-Technik in fast allen Disziplinen: Kontrast, Schnelligkeit, Energie-Effizienz, Bildschirm-Stärke. Ein erstes, elf Zoll großes Modell kann man nach der IFA sogar schon kaufen. Sein nur drei Millimeter dünner Schirm ist ein Traum aus Leuchtkraft und Schärfe, der Preis hat es in sich: rund 3000 Euro. Bis die neue Technik für große Formate zu erschwinglichen Preisen taugt, werden wir wohl noch fünf IFA-Jahrgänge erleben.

          Natürlich bestimmen in Berlin nicht allein die scharfen neuen Flachmänner das Messegeschehen. In gebotender Kürze ein weitere Beispiele für die Trends der Saison: Panasonc steuert zum Thema Bluray Disc den ersten Rekorder dieser Gerätegattung bei. Er heißt DMR-BW500 und erscheint zunächst nur in Frankreich, wird aber, sobald sich das HDTV-Angebot diesseits des Rheins auf einen angemessenen Umfang erhöht, auch in Deutschland zu haben sein. JVC präsentiert mit seinen Modellen DLA-HD350 und DLA-HD750 zwei neue Projektoren in voller High-Definition-Auflösung, in denen die bewährten D-ILA-Kombinationen aus Halbleitern und LCD-Beschichtungen für überragende Klarkeit auf der Leinwand sorgen. Polaroid bringt einen Fotodrucker namens Pogo, der in die Jackentasche passt und so nach alter Väter Sitte für Papierabzüge gleich am Ort des Schnappschusses sorgt. Logitech variiert sein Dauerthema Musik aus dem Netzwerk mit einem Squeezebox Boom genannten Mobilempfänger, der drahtlos Musiksammlungen auf PC-Festplatten oder Radiostationen im Internet anzapft. Und weil sich die IFA auch der Autofahrer liebevoll annimmt, wollen wir nicht vergessen, was Navigon zur Weltverbesserung beisteuert: Die jüngsten Systeme der Wegweiser-Spezialisten können ab sofort vor allen gefährlichen Kurven Deutschlands einen Warnruf absetzen, wenn der Gasfuß zu fest aufs Pedal drückt.

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