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IFA 2008 : Der leise Fortschritt nach der Pixelmanie

  • -Aktualisiert am

Bild: Hersteller

Größer, bunter, schneller, smarter: Die Faszination der großen, scharfen Bilder erfasst jetzt sogar das Reich der energiebewussten Hobby-Köche und wird das gesamte Erscheinungsbild der Messe dominieren - ganz so, wie wir es von ihr kennen.

          Größer, bunter, schneller, smarter – die Hersteller von Unterhaltungselektronik verwöhnen ihre Klientel Jahr um Jahr in olympischer Manier mit neuen Rekorden, vorzugsweise auf Messen wie der Internationalen Funkausstellung, die am Freitag, dem 29. August, turnusgemäß in Berlin ihre Pforten für sechs turbulente Tage öffnet. Wird das Spektakuläre auch in diesem Jahr das Geschehen unter dem historischen Berliner Funkturm bestimmen? Oder geht es diesmal vielleicht eher – fast wider die Natur der Branche – um subtilere Qualitäten?

          An Superlativen jedenfalls wird in Berlin kein Mangel herrschen – auch wenn nicht alles, was den Besucher in Atem hält, zu den echten Weltpremieren zählt. Schließlich hatten die größten Plasma-Riesen bereits im vergangenen Januar das Gardemaß von 380 Zentimeter erreicht. Und die aufwendigsten LCD-Bildschirme protzen schon seit Monaten mit Auflösungen, die selbst das digitale Kino noch um den Faktor vier übertrumpfen. Wie sollte die IFA das noch toppen?

          Gemächlich verläuft die Einführung des hoch auflösenden Fernsehens

          Dennoch wird der Zauber der großen und feinen Bilder das gesamte Erscheinungsbild der Messe dominieren, ganz so, wie wir es von ihr kennen. Dazu werden Videos auf Bluray-Scheiben einen wichtigen Beitrag leisten, auch wenn es um dieses Medium fast ein bisschen still geworden ist. Kein Wunder eigentlich: Seit die Bluray-Disc das Konkurrenzformat HD-DVD aus dem Rennen kickte, machen Player-Konfektionäre und Hollywood-Studios ihre Arbeit ganz ohne Theaterkulisse und Kleinkriegsgetöse – mit einer Ruhe, in der gewiss die Kraft liegt.

          Berlin-Reisende jedenfalls werden vom einschlägigen Neuheitangebot nicht enttäuscht. Ob Sony, ob Panasonic oder Samsung: Sie alle zeigen neue Bluray-Abspielgeräte, die mehr können als ihre Artgenossen noch vor zwölf Monaten. BD-Live, ein erst spät nachgeschobenes Detail des Bluray-Standards, befähigt die Player jetzt zu interaktiven Funktionen unter Einbindung des Internets. So klappen zum Beispiel auch Online-Spiele – natürlich in prachtvoller High-Definition-Auflösung.

          Allzu gemächlich allerdings, was werden nicht nur die IFA-Besucher monieren, verläuft die Einführung des hoch auflösenden Fernsehens. Dennoch lohnt sich, auch hier genauer hinzuschauen. ARD und ZDF, ausgewiesene Bremser in Sachen HDTV, legen sich nicht nur während der gesamten Messe mit HDTV-Ausstrahlungen ins Zeug. Sie haben auch ihre digitale Übertragung in Standard-Auflösung mit so hohen Datenraten aufgebohrt, dass das vermeintliche Fernsehen von gestern selbst auf mächtigen Schirmen richtig gut aussieht. Und der öffentlich-rechtliche Kultur-Ableger Arte ist sogar schon mit regelmäßigen Ausstrahlungen ins HDTV-Zeitalter eingestiegen.

          LED-Zellen übernehmen die Hinterleuchtung von LCD-Bildschirmen

          Aber es stimmt schon: Die Geräteindustrie eilt den Medienmachern derzeit ein gutes Stück voraus – nicht nur mit Legionen von Fernsehern, die mit dem Siegel „Full HD“ auf ihr kompromisslos feines Raster von 1920 × 1080 Bildpunkten hinweisen. Die Hersteller tüfteln auch, die IFA wird es bezeugen, an vielen Detailverbesserungen, die das Mattscheiben-Erlebnis immer noch ein bisschen eindrucksvoller machen. Eine davon verbirgt sich hinter dem Stichwort „Local Dimming“, zu sehen unter anderem an den Ständen von Sony und Samsung: Statt der üblichen Zeilen aus Leuchtstoffröhrchen übernehmen LED-Zellen die Hinterleuchtung von LCD-Bildschirmen. Das sorgt nicht nur für ein natürlicheres Farbspektrum.

          Der Leuchtstoff-Wechsel ermöglicht auch eine punktgenaue Steuerung der Lichtquellen: In dunklen Bildpartien reduzieren die LED-Pünktchen ihre Strahlkraft, in hellen Regionen drehen sie voll auf. Der Kunstgriff steigert den Kontrastumfang dramatisch. So ganz nebenbei reduziert er auch noch den Stromverbrauch. Und weil die konventionellen Leuchtstoffröhren Quecksilber enthalten, entlastet der LED-Einsatz die Umwelt auch im Sinne der Schadstoffverringerung.

          Schönheit und Komfort stehen nach wie vor ganz oben

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