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Historische Kameras : Als der Tischler die Kamera baute

  • -Aktualisiert am

Über Kimme und Korn: Um 1906 erschien Krügeners Delta Ronda Laufboden-Balgenkamera fürs Negativformat 9 × 12 Zentimeter, hier mit Goerz Doppel- Anastigmat als Objektiv. Bild: Gesellschaft für Photohistorica e.V.

Noch lange Zeit nach der Erfindung der Fotografie waren Kameras höchst unhandliche Apparate. Doch dann kam Rudolf Krügener und entwarf eine kompakte Kamera. Der Anlass für diese Idee war ein Unfall.

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          Zum Fotografieren die Kamera (oder heute eben das Smartphone am ausgestreckten Arm) in die Hand zu nehmen erscheint vollkommen selbstverständlich. Doch noch geraume Zeit nach Erfindung der Fotografie waren Kameras - bedingt durch die Aufnahmeformate und die umständlichen chemischen Verfahren der Entwicklung - höchst unhandliche Apparate. Große Kästen mit langen Auszügen mochten wohl „Reisekamera“ heißen, aber sie waren schwer und mussten auf stabile Stative gestellt werden. Zum Laden und Entwickeln des Bildmaterials führte man sein Dunkelkammerzelt mit. Aus der freien Hand fotografieren zu können blieb lange bloß ein Wunsch.

          Datieren wir einen von mehreren denkbaren Geburtstagen des Lichtbilds mit der Vorstellung der Daguerreotypie auf den August 1839. Dann hat es noch ziemlich genau ein halbes Jahrhundert gedauert, bis die Kodak Nr. 1 des George Eastman - hergestellt von 1889 bis 1895 - dem Fotografen eine Box in die Hand gab, an der er nur noch den Knopf drücken musste, während sich Eastman als Rollfilmhersteller um den ganzen Rest zu kümmern versprach. „Photographie auf drei Handgriffe reduziert“ verhieß die deutsche Werbung für „Eastman’s Kodak-Handkamera“.

          So berühmt diese mit 120 Mark ausgesprochen teure Box ohne Sucher auch wurde, sie war weder die erste noch die einzige Handkamera dieser Jahre. Bereits mit Wirkung vom 13. Januar 1888 erteilte das Kaiserliche Patentamt in Berlin unter der Nummer 46423 ein Patent über eine „photographische Geheim-Camera, welche die Form und das Aussehen eines Buches hat, aus dessen Bekleidung weder das Objectiv, noch der Momentverschluß oder sonstige größere Theile hervortreten“.

          Aufnahmebereit aufgeklappt: Eine Normal Simplex Magazinkamera fürs Format 9 × 12 Zentimeter mit Objektiv Periscop, etwa aus dem Jahr 1889. Bilderstrecke
          Aufnahmebereit aufgeklappt: Eine Normal Simplex Magazinkamera fürs Format 9 × 12 Zentimeter mit Objektiv Periscop, etwa aus dem Jahr 1889. :

          Der Mann, der sich dies hatte schützen lassen, war ein zu seiner Zeit hochangesehener Pionier der kompakten Kamera. „Alle bis heute maßgebenden Typen der Handkamera sind im Prinzip zuerst von Krügener gemacht“, urteilte 1910 das Lexikon der Photographie und Reproduktionstechnik über Dr. Rudolf Krügener. Heute kennen den aus Wuppertal-Elberfeld gebürtigen Chemiker vorwiegend noch die Sammler seiner Kameras und Fotohistoriker wie Manfred Herrmann. Er ist Kurator einer Sonderausstellung im Haus der Foto- und Filmgeschichte im Hessenpark Neu-Anspach, die von dem Verein „Gesellschaft für Photohistorica“ ausgerichtet wurde.

          Das stattliche Haus am Marktplatz des Freilichtmuseums ziert eine überdimensionale Adox-Filmschachtel ähnlich wie ein Wirtshausschild. Hier wird auf mehreren Stockwerken dokumentiert, dass für rund 160 Unternehmen der optischen Industrie mit zum Teil klangvollen Namen Hessen einmal Standort gewesen ist. Schräg gegenüber im Haus Rauschenberg ist das Funktechnische Museum untergebracht. Da kann man sehen und erleben, wie vergleichsweise grobschlächtig Radio- und Fernsehtechnik vor der Digitalisierung aussah, repariert wurde und sogar noch heute funktioniert. Denn von hier aus bringen Funkamateure immer wieder die Station DK0HP in die Luft. Das Schöne an diesen beiden kleinen, aber feinen Technik-Sammlungen ist: Sie liegen so, dass Besucher nicht einmal Eintritt für den Hessenpark bezahlen müssen.

          Die Sonderausstellung „Dr. Krügener - Wegbereiter der Hand-Kamera“ vergegenwärtigt mit ihren Exponaten den Zeitraum von 1889 bis 1909. In diesen Jahren hat Krügener zunächst in „Bockenheim bei Frankfurt“ (seit 120 Jahren ein Stadtteil), später in Frankfurt und zeitweise mit einem Zweigwerk in Furtwangen eine „Fabrik photographischer Apparate und Chemikalien“ betrieben. Zu den Kameras kam also noch - zumindest der Vertrieb der - Foto-Chemie hinzu.

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