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Heimkino-Atmosphäre : Der richtige Fernseher zum Fest

  • -Aktualisiert am

Ein wahrer Alleskönner: Das Sharp-Modell LC-46HD1E Bild: Hersteller

Glänzt ein eleganter Flachbildschirm unter dem Christbaum, freut sich die ganze Familie. Jedenfalls dann, wenn die Kaufentscheidung die richtige war. Denn bei der Wahl des richtigen Modells gilt es, eine Menge Details zu berücksichtigen.

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          Noch kurz vor dem Fest nach einem neuen Fernseher Ausschau zu halten ist eine anspruchsvolle Mission. Denn bei der Wahl des richtigen Modells gilt es, eine Menge Details zu berücksichtigen - auch wenn die in Reih und Glied stehenden Flachmänner in den Regalen der Mediensupermärkte einander äußerlich oft ähneln wie ein Ei dem anderen und folglich die Versuchung besteht, einfach der günstigsten Offerte den Zuschlag zu erteilen.

          Das erste, scheinbar banalste Kriterium für eine gezielte Vorauswahl ist die Bildschirmgröße. Für Heimkino-Atmosphäre kann die Bildfläche natürlich gar nicht groß genug sein, aber Jumbos mit Diagonalmaßen um 50 Zoll (127 Zentimeter) haben eigentlich nur dann Sinn, wenn der Wohnraum auch angemessene Betrachtungsabstände von drei, besser noch vier Metern zulässt und wenn eine großzügige Gesamt-Einrichtung verhindert, dass die Mattscheibe den Rest des Interieurs förmlich erschlägt. Im Laden unterschätzt man oft, wie groß die Geräte im heimischen Wohnzimmer am Ende wirken. Sharp hatte deshalb vor Jahr und Tag die pfiffige Idee, Kunden Pappkameraden realer Fernseher-Modelle in die Hand zu geben - zur Erprobung im heimischen Mobiliar. Mit Schere, Zollstock und Karton funktioniert diese Simulation auch ohne Hersteller-Hilfe. So wird schnell deutlich, welches der drei Standard-Diagonalmaße Maße 32, 37 oder 42 Zoll am besten zum Wohnzimmer passt.

          Die Frage nach der Pixel-Auflösung

          Die Vorauswahl des Kalibers erübrigt zumeist auch schon die Gretchenfrage im Konfliktfeld zwischen LCD und Plasma. Denn die kostspieligere Plasma-Technik ist erst in Größenklassen ab 42 Zoll so richtig zu Hause. Hier demonstriert sie immer noch gewisse Vorzüge, darunter höhere Kontraste, schnellere Reaktion auf die Bildsignale und uneingeschränkte Betrachtungswinkel. Aber die LCD-Schirme haben in der Kompensation ihrer natürlichen Schwächen immer stärker aufgeholt. So kann man heute selbst in der 42-Zoll-Klasse getrost zu einem guten LCD-Modell greifen.

          Perfektes Zweit-Modell: DVB-T-Fernseher PVD-1079 von Philips

          Mit Bildschirmgrößen hat auch das nächste Kriterium auf der Checkliste zu tun, nämlich die Frage nach der Pixel-Auflösung. Praktisch alle größeren Fernseher tragen heute das Logo HD-ready, das heißt, ihre Bildschirme zeigen mindestens 1280 mal 720 Bildpunkte. „Full-HD“-Geräte, ab Diagonalmaß 42 Zoll gang und gäbe, setzen die Bilder aus 1920 mal 1080 Punkten zusammen. Sie entsprechen damit der höchsten Auflösungsstufe des Zukunftsfernsehens HDTV und der Bluray Disc. Muss es also „Full-HD“ sein, oder reicht auch „HD-ready“? Zwischen beiden Gerätekategorien liegen immerhin Preisdifferenzen bis zu 300 Euro. Hier gibt es wirklich Sparmöglichkeiten: Aus Betrachtungsabständen von mehr als drei Meter sind die Auflösungsunterschiede auf einem 37-Zoll-Bildschirm kaum noch zu erkennen.

          Eine beliebte Unsitte: alles erscheint in Bonbon-Tönen

          Nur wer näher vor der Mattscheibe sitzt und zudem noch als wahrer Cineast gerade beginnt, eine Bluray-Sammlung anzulegen, sollte zur Königsklasse greifen, um auch die letzten Feinheiten der Bildquelle angemessen goutieren zu können. Bluray-Fans sollten auch noch auf ein anderes Kriterium achten: Der Fernseher der engeren Wahl sollte in seinen Datenblättern das Kürzel 24p auflisten. Es steht für die Fähigkeit des Geräts, Videos von der Heimkino-Scheibe mit 24 einzelnen Vollbildern je Sekunde zu verarbeiten. In diesem Zeitraster werden Bluray-Filme zumeist produziert - in direkter Umsetzung der Bildfrequenz des Kinos. Und wenn der Fernseher dem Player die Aufgabe abnimmt, diese Einzelbild-Folge auf höhere, der Bildschirmdarstellung zuträgliche Frequenzen umzurechnen, sehen die Resultate zumeist besser aus, sprich flüssiger und ohne lästiges Bildruckeln.

          Die übrigen Parameter der Bildqualität im Laden beurteilen zu wollen, ist leider ein verwegenes Ansinnen. Denn die Geräte werden dort mit allen möglichen verschiedenen, nie vergleichbaren Bildquellen angesteuert, mal mit recht gutem High-Definition-Material, mal mit lausigsten Signalen in Standard-Auflösung. Eine beliebte Unsitte: Kontrast, Farbsättigung und Helligkeit der Vorführgeräte sind bis zum Anschlag aufgedreht, alles erscheint in knalligsten Bonbon-Tönen. So hilft nur eine klare Ansage: Das Gerät der engeren Wahl muss an eine High-Definition-Quelle, der Verkäufer wird höflich genötigt, Farbe und Kontrast vernünftig einzustellen. Dann kann man durchaus ein paar wichtige Dinge erkennen: Zeigt der Bildschirm schwarze Anteile im Bild wirklich dunkel genug? Kann er auch düstere Passagen noch einigermaßen differenzieren, oder verschwimmt alles in dunkler Soße? Wirken die Farben natürlich? Bleiben die Motive auch noch klar konturiert, wenn sie sich schnell bewegen?

          Die schlechtesten Resultate liefert ein analoger Kabelanschluss

          Eine zusätzliche praktische Erprobung sollte Fernsehsignalen in Standard-Auflösung gelten, denn sie bestimmen ja immer noch unseren Medienalltag. Skaliert der Fernseher sie mit erträglicher Schärfe auf die große Bildfläche? Oder macht er alles flau und unscharf? Oft ist der Wechsel von High-Definition- zu Standard-Signalen ziemlich ernüchternd. Das liegt nicht nur am Fernsehgerät, sondern in noch höherem Maß an der Qualität des Fernsehsignals. Die schlechtesten Resultate liefert ein analoger Kabelanschluss. Schade eigentlich, denn er funktioniert nach dem Prinzip Plug and Play. Schließlich warten die meisten Fernseher immer noch mit einem eingebauten analogen Empfangsteil auf. Man muss also daheim nur noch das Antennenkabel anstöpseln, und schon geht der Apparat auf Empfang. Trotzdem: Der große Fernseher im Wohnzimmer verdient Besseres.

          Viele Hersteller rüsten ihre Geräte zusätzlich schon mit Empfangsteilen für das digitale Antennenfernsehen DVB-T aus. Das liefert tatsächlich oft bessere Bilder als das analoge Kabel, taugt aber eigentlich doch eher für kompakte Zweitfernseher. Denn über terrestrische Antennen funkten die Sender mit sehr knappen Datenraten, die für große Fernseh-Kaliber einfach nicht ausreichen. Hinzu kommt: In vielen Regionen beschränkt sich das DVB-T-Angebot auf die öffentlich-rechtlichen Sender. So bleiben als Auswege eigentlich nur der digitale Kabelanschluss oder der Satellitenempfang mit der Schüssel auf dem Dach. Vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender schicken hohe Datenraten über den Orbit und über die Kabelnetze, die oft sogar die Datenraten der DVD übertreffen. Entsprechend gut machen sich die Bilder auf großen Mattscheiben.

          Luxusmodelle bieten zusätzlich eine eingebaute Festplatte

          Als Empfangselektronik für digitale Kabel- oder Satellitenprogramme kommen separate Settop-Boxen in Frage; die Kabelbetreiber liefern sie zumeist unentgeltlich als Bestandteil der vereinbarten Leistung. Es geht aber auch komforta-bler: Fernseher der gehobenen Klassen haben schon digitale, HDTV-taugliche Empfänger für Kabel oder Satellit an Bord. Luxusmodelle bieten zusätzlich sogar eine eingebaute Festplatte als Ersatz für den Videorekorder. Theoretisch spricht alles für solche Lösungen. Praktisch jedoch muss man mit Fußangeln rechnen, die uns die Kabelbetreiber bescheren. Mit Ausnahme von Kabel Baden-Württemberg nämlich verschlüsseln alle Kabelgesellschaften die privaten Fernsehprogramme. Zwar haben Geräte mit digitalen Kabel-Empfangsteilen eingebaute Schnittstellen für steckbare Entschlüsselungsmodule. Aber für solche Lösungen liefern die Netzbetreiber keine Abo-Karten zur Freischaltung der Programme. Und selbst wenn man sie sich unter der Hand besorgt, bleibt das Risiko, dass nach dem nächsten Wechsel der Verschlüsselungsart die Mattscheibe dunkel bleibt.

          Vorerst kann das nur heißen: Ein eingebautes Empfangsteil für digitale Kabelprogramme ist sinnlos, solange es keine technische Lösung gibt, die auch von den Kabelbetreibern unterstützt wird. Und weil die Kabelbarone für ihre digitale Programmanlieferung auch noch monatlich extra kassieren und Sachen Programmvielfalt manchmal sogar auch noch in der Bildqualität hinter dem Satellitenangebot zurückbleiben, fällt unser Fazit ausnahmsweise parteiisch aus: Die Freude am neuen, großen Flachbild-Fernseher wird erst dann perfekt, wenn sich unter dem Christbaum auch gleich noch eine Satellitenschüssel für den orbitalen Digitalempfang hinzugesellt.

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