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Heimkino-Atmosphäre : Der richtige Fernseher zum Fest

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Die übrigen Parameter der Bildqualität im Laden beurteilen zu wollen, ist leider ein verwegenes Ansinnen. Denn die Geräte werden dort mit allen möglichen verschiedenen, nie vergleichbaren Bildquellen angesteuert, mal mit recht gutem High-Definition-Material, mal mit lausigsten Signalen in Standard-Auflösung. Eine beliebte Unsitte: Kontrast, Farbsättigung und Helligkeit der Vorführgeräte sind bis zum Anschlag aufgedreht, alles erscheint in knalligsten Bonbon-Tönen. So hilft nur eine klare Ansage: Das Gerät der engeren Wahl muss an eine High-Definition-Quelle, der Verkäufer wird höflich genötigt, Farbe und Kontrast vernünftig einzustellen. Dann kann man durchaus ein paar wichtige Dinge erkennen: Zeigt der Bildschirm schwarze Anteile im Bild wirklich dunkel genug? Kann er auch düstere Passagen noch einigermaßen differenzieren, oder verschwimmt alles in dunkler Soße? Wirken die Farben natürlich? Bleiben die Motive auch noch klar konturiert, wenn sie sich schnell bewegen?

Die schlechtesten Resultate liefert ein analoger Kabelanschluss

Eine zusätzliche praktische Erprobung sollte Fernsehsignalen in Standard-Auflösung gelten, denn sie bestimmen ja immer noch unseren Medienalltag. Skaliert der Fernseher sie mit erträglicher Schärfe auf die große Bildfläche? Oder macht er alles flau und unscharf? Oft ist der Wechsel von High-Definition- zu Standard-Signalen ziemlich ernüchternd. Das liegt nicht nur am Fernsehgerät, sondern in noch höherem Maß an der Qualität des Fernsehsignals. Die schlechtesten Resultate liefert ein analoger Kabelanschluss. Schade eigentlich, denn er funktioniert nach dem Prinzip Plug and Play. Schließlich warten die meisten Fernseher immer noch mit einem eingebauten analogen Empfangsteil auf. Man muss also daheim nur noch das Antennenkabel anstöpseln, und schon geht der Apparat auf Empfang. Trotzdem: Der große Fernseher im Wohnzimmer verdient Besseres.

Viele Hersteller rüsten ihre Geräte zusätzlich schon mit Empfangsteilen für das digitale Antennenfernsehen DVB-T aus. Das liefert tatsächlich oft bessere Bilder als das analoge Kabel, taugt aber eigentlich doch eher für kompakte Zweitfernseher. Denn über terrestrische Antennen funkten die Sender mit sehr knappen Datenraten, die für große Fernseh-Kaliber einfach nicht ausreichen. Hinzu kommt: In vielen Regionen beschränkt sich das DVB-T-Angebot auf die öffentlich-rechtlichen Sender. So bleiben als Auswege eigentlich nur der digitale Kabelanschluss oder der Satellitenempfang mit der Schüssel auf dem Dach. Vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender schicken hohe Datenraten über den Orbit und über die Kabelnetze, die oft sogar die Datenraten der DVD übertreffen. Entsprechend gut machen sich die Bilder auf großen Mattscheiben.

Luxusmodelle bieten zusätzlich eine eingebaute Festplatte

Als Empfangselektronik für digitale Kabel- oder Satellitenprogramme kommen separate Settop-Boxen in Frage; die Kabelbetreiber liefern sie zumeist unentgeltlich als Bestandteil der vereinbarten Leistung. Es geht aber auch komforta-bler: Fernseher der gehobenen Klassen haben schon digitale, HDTV-taugliche Empfänger für Kabel oder Satellit an Bord. Luxusmodelle bieten zusätzlich sogar eine eingebaute Festplatte als Ersatz für den Videorekorder. Theoretisch spricht alles für solche Lösungen. Praktisch jedoch muss man mit Fußangeln rechnen, die uns die Kabelbetreiber bescheren. Mit Ausnahme von Kabel Baden-Württemberg nämlich verschlüsseln alle Kabelgesellschaften die privaten Fernsehprogramme. Zwar haben Geräte mit digitalen Kabel-Empfangsteilen eingebaute Schnittstellen für steckbare Entschlüsselungsmodule. Aber für solche Lösungen liefern die Netzbetreiber keine Abo-Karten zur Freischaltung der Programme. Und selbst wenn man sie sich unter der Hand besorgt, bleibt das Risiko, dass nach dem nächsten Wechsel der Verschlüsselungsart die Mattscheibe dunkel bleibt.

Vorerst kann das nur heißen: Ein eingebautes Empfangsteil für digitale Kabelprogramme ist sinnlos, solange es keine technische Lösung gibt, die auch von den Kabelbetreibern unterstützt wird. Und weil die Kabelbarone für ihre digitale Programmanlieferung auch noch monatlich extra kassieren und Sachen Programmvielfalt manchmal sogar auch noch in der Bildqualität hinter dem Satellitenangebot zurückbleiben, fällt unser Fazit ausnahmsweise parteiisch aus: Die Freude am neuen, großen Flachbild-Fernseher wird erst dann perfekt, wenn sich unter dem Christbaum auch gleich noch eine Satellitenschüssel für den orbitalen Digitalempfang hinzugesellt.

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