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HDTV : Der weite Weg zum hochauflösenden Fernsehen

  • -Aktualisiert am

Hat hochauflösende Bilder im Kasten: Sony HDR-FX1 Bild:

Erste Bildquellen für das detailreiche TV-Erlebnis sind verfügbar. An vielen Ecken fehlt es aber noch an Standards, so daß das technische Zusammen- oft zum Glückspiel wird.

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          Die Zukunft des hochauflösenden Fernsehens HDTV hat schon begonnen - diesen Eindruck konnte gewinnen, wer die einschlägigen Demonstrationen der Hersteller von großen Flachbildschirmen auf der Cebit auf sich wirken ließ. Keine der mächtigen Mattscheiben präsentierte sich da mit hübschgerechneten Bildern aus den heute noch üblichen Standardfernseh- und Videoquellen.

          Erst echte, hochauflösende Programme mit rund 2 Megapixel je Einzelbild machen die moderne Mattscheibe richtig schön. Daß HDTV in diesem Jahr zum Trendthema Nummer eins der Unterhaltungselektronik avanciert, ist angesichts des Flachbild-Booms naheliegend, aber man sollte wissen: Die öffentliche Aufmerksamkeit für die magische Formel High Definition eilt den schnöden Marktrealitäten noch weit voraus.

          Sicher, der HD-Zug ist immerhin gestartet. Erste HDTV-Experimentalsendungen gehen über den Äther, auf HD-DVDs mit Windows-Media-Kodierung gibt es eine erste kleine Auswahl an hochauflösend produzierten Videofilmen zu kaufen, und Hobbyfilmer können sogar schon eigene Videos in HD-Technik drehen. Sony bietet dazu einen Kamkorder namens HDR-FX1 an (5000 Euro), der HD-Videosignale mit 1080 Zeilen auf einer normalen Mini-DV-Kassette speichert. So entstehen traumhaft scharfe Bilder in einer Qualität, die mit dem Begriff Video, wie wir ihn kennen, nicht mehr viel zu tun haben - eher schon mit dem Qualitätsniveau des Zelluloidfilms im Kino.

          Viel Entwicklungsarbeit muß noch getan werden

          Aber weitere Bestandteile der künftigen HD-Infrastruktur stecken noch tief in der Entwicklungsphase. So entstehen gerade erst die ersten Chipsätze für künftige HDTV-Settop-Boxen. Sagem zeigte auf der Cebit sogar schon einen ersten Empfänger-Prototyp, doch bis daraus Serienreifes wird, dürfte mindestens der Rest das Jahres 2005 ins Land gehen. Klar ist, was die neuen Apparate zu leisten haben: Sie müssen in der Lage sein, Bildsignale nach dem neuen, enorm effizienten Kompressionsstandard MPEG-4 AVC, auch H.264 genannt, zu dekodieren. Denn in dieser Kodierung wird HDTV in Europa voraussichtlich ausgestrahlt. Außerdem müssen die Empfänger den neuen Satellitenübertragungsstandard DVB-S2 nutzen können, eine effizientere Sendemodulation, die 30 Prozent mehr Bits je Sekunde über den Orbit jagt als unser heutiges Satellite-DVB. Beides, die neue Kompression und die schnellere Übertragung, machen es künftig möglich, bis zu fünf HDTV-Programme in einen Satellitenkanal zu zwängen. Zum Vergleich: Digitales Standardfernsehen, nach heutigen Verfahren über den Satelliten geschickt, erlaubt die Belegung eines Kanals mit sechs Programmen. Die Satellitenübertragung des kommenden HD-Fernsehens wird folglich kaum teurer als die heutige Ausstrahlung in Standardauflösung.

          Unklar ist bisher, wann und in welcher Form HD-taugliche Videorekorder antreten werden. Zwar sitzen mit der HD-DVD und mit der Blu-ray-Disc bereits zwei Formate in den Startlöchern, die beide auf der Abtastung mit blauen Lasern beruhen. Doch sie haben für Europa nicht viel mehr als den Charakter von Technikstudien. Wenn das HD-DVD-Lager ankündigt, noch in diesem Jahr 80 Spielfilme auf der neuen Scheibe zu veröffentlichen, kann das kaum beeindrucken, denn in Europa werden diese Medien, wenn überhaupt, frühestens zwölf Monate später ankommen, und vor allem: Die Architektur der Abspielgeräte ist mangels einschlägiger Standardisierung noch gar nicht klar. So kann heute niemand sagen, welche Schnittstellen es denn zur Aufnahme digitaler Quellen geben wird - und ob die Medienindustrie überhaupt Eingänge für hochauflösende Signale aus HDTV-Settop-Boxen zulassen wird. Dies scheint heute eher unwahrscheinlich, allerdings dürfte die neue Rekordergeneration eingebaute HDTV-Tuner haben. Daß man damit auch wirklich aufnehmen kann, ist allerdings keineswegs selbstverständlich. Beide Rekordersysteme werden mit einem internen Kopierschutz- und Rechtebeschneidungssystem arbeiten, das Advanced Access Content System (AACS) heißt. Bis jetzt ist der elektronische Rechtewächter noch nicht fertig, aber die Fernsehsender werden ihn künftig auf Hollywood-Geheiß oder freiwillig verwenden, um genau festzulegen, was wo und wie oft gespeichert, kopiert und angeguckt werden darf. Vorbei also die Zeiten, in denen man mitschneiden durfte, was immer über den Fernseher flimmerte.

          Eine weitere Hürde für die Entfaltung der neuen Formate kommt hinzu: Auf die neuerliche Systemkonkurrenz könnte König Kunde reagieren, wie er die letzte vergleichbare industriepolitische Geisterfahrt, nämlich den Formatkrieg zwischen den Super-Musikscheiben SACD und DVD-Audio, quittiert hat: Im vergangenen Jahr kaufte das deutsche Publikum doppelt so viele schwarze Vinyl-Schallplatten wie SACD- und DVD-Audio-Titel zusammen.

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