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Hama Internet-TV-Box : Android für den Großbildschirm

  • -Aktualisiert am

Außen hübsch, innen voller Fehler: Internet-TV-Box von Hama Bild: Hersteller

Hama bietet eine Internet-TV-Box zum Aufrüsten an. Die Idee, Android auf den Fernseher zu bringen, ist nicht schlecht. Aber wenn schon, dann muss man es richtig machen.

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          Hat der Fernseher im Wohnzimmer seinen dritten Geburtstag schon hinter sich, dann zählt er noch zur Generation der Internet-Verweigerer. Doch solchen Apparaten kann geholfen werden. Erst kürzlich haben wir mit der TV-Box von Videoweb ein Kästchen ausprobiert, das die Segnungen des Web auch auf ältere Flachbildschirme bringt. Jetzt haben wir eine andere Elektronikschachtel entdeckt, die Ähnliches verspricht, aber zu anderen Mitteln greift: die Internet-TV-Box vom Zubehörspezialisten Hama für etwa 200 Euro.

          Das Videoweb-Modell ähnelt in seiner ganzen Handhabung und seinem Angebot an Online-Inhalten eher der Art, wie sich moderne Fernseher das Internet erschließen. So spielt zum Beispiel der Zugriff auf Mediatheken und andere programmergänzende Angebote aus dem Web eine zentrale Rolle. Die Hama-Box dagegen hat ein Android-Betriebssystem an Bord und leitet daraus ihre Oberfläche und ihre Nutzungsszenarien ab. An ihrer Rückseite sitzen die Anschlüsse für ein Ethernet-Netzwerkkabel und das Steckernetzteil, ferner eine HDMI-Buchse für die Bild- und Tonausgabe und ein USB-Port für Festplatten oder Speichersticks. Zwei weitere USB-Anschlüsse verstecken sich hinter einer Klappe auf der Vorderseite, und rechts am Gehäuse gibt es noch einen Leseschlitz für SD-Karten.

          Sinnvoll und komfortabel: App fürs Internet-Radio

          Die Hama-Schachtel startet recht flott und bietet mit ihrer Fernbedienung ein zwar gewöhnungsbedürftiges, aber interessantes Bedienkonzept: Der Handsender hat einen Bewegungssensor und lenkt den Cursor mit Gesten über die Mattscheibe, so ähnlich wie die Fernbedienung von Nintendos Spielkonsole Wii. Davon profitiert auch die virtuelle Tastatur: Das Wii-Prinzip erlaubt recht zügige Texteingabe. Allerdings: Gestensteuerung und die konventionelle Cursorlenkung mit den üblichen vier Richtungstasten kommen einander gern in die Quere. Sicherer manövriert es sich mit Tastatur und Maus; die Box akzeptiert sowohl drahtgebundene USB-Modelle als auch drahtlose Bluetooth-Versionen, geht allerdings grundsätzlich, trotz deutscher Sprach-Voreinstellung, von amerikanischer Querty-Belegung aus. Und beim Einschalten der Bluetooth-Funktion blieb die Boxenelektronik gelegentlich bis zum gewaltsamen Neustart hängen.

          Die Einstellungsarbeiten für die Internet-Verbindung - neben dem Datenverkehr über Kabel ist auch drahtloses W-Lan möglich - sind keine nennenswerten Hürden. Recht gut gefallen hat uns der vorinstallierte Browser. Er arbeitet freilich nicht so flink wie sein Artgenosse am PC, aber deutlich flotter als die meisten Browser in Fernsehgeräten, und er kann Flash-Videos abspielen. Einige der vorinstallierten Apps befriedigen sogar Büroambitionen, etwa der Adobe-Reader für PDF-Dateien, eine Office-Suite und ein E-Mail-Programm. Man sieht: Hier wurde einfach ein Installationspaket für ein Smartphone übernommen. So landeten auch Anwendungen in der Box, die sich wegen fehlender Hardware überhaupt nicht nutzen lassen - etwa das Skype-Programm oder Latitude und Places, die GPS-Einbauten benötigen und in stationären Geräten nichts zu suchen haben, denn wer sucht schon am Fernseher ein Café in seiner Nähe? Sinnvoll und komfortabel dagegen ist die installierte App fürs Internet-Radio.

          „Mit diesem Konto sind keine Android-Telefone verbunden“

          Was aber leisten die installierten Medienplayer? Musikdateien in MP3 und AAC lassen sich klaglos abspielen, allerdings nicht in einer halbwegs übersichtlichen Auswahl darstellen. Der Mobo-Player, eine Standard-Video-App in der Android-Welt, tut sich mit vielen Formaten schwer. Ruckfrei schaffte er mit der gegebenen Hardware nur Standard-Auflösungen. PM4-Videos funktionierten, MPEG-2-Videodateien dagegen nicht. TS-Ordner oder ISO-Dateien von DVD-Titeln in Datenform ließen sich in unseren Tests nicht abspielen, Flash-Filme dagegen liefen. TS-Dateien, wie sie Festplattenrekorder häufig aufnehmen, ließen sich nur in Standard-Auflösung wiedergeben, hatten dann aber das falsche Bildformat (4:3 statt 16:9) und steuerten den Ton mit sekundenlanger Verzögerung zum trostlosen Geschehen bei.

          Also wollten wir Alternativ-Player ausprobieren, und wir hätten gern, ganz mediengerecht, die Android-Apps für die ZDF-Mediathek, die Tagesschau und den RTL-Videofundus installiert. Die Bedienungsanleitung, die nur in der Online-Version halbwegs hilfreich ist, schlägt dazu vor, die Android-Market-App zu nutzen. Fehlanzeige, denn die hat Hama gar nicht installiert. Aber der App-Markt lässt sich ja auch über den Browser erreichen. Also: Google-Konto angelegt, aktiviert, und los geht's. Dachten wir. Doch die Box spielte nicht mit: "Mit diesem Konto sind keine Android-Telefone verbunden", meckerte die App-Markt-Seite bei jedem Versuch. Wir hätten ihr am liebsten erklärt, dass es ja auch um eine Box geht, aber man soll nicht mit Websites über Semantik diskutieren, schon gar nicht, wenn man sich mit einer Gerätschaft quält, die in dieser Form einfach unbrauchbar ist. Schade: Die Idee, Android auf den Fernseher zu bringen, ist nicht schlecht. Aber wenn schon, dann muss man es, bitte schön, richtig machen.

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