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Fernglas und 3D-Kamera : Elektronischer Weitblick

  • -Aktualisiert am

Der Apparat heißt DEV-50, kommt demnächst in die Läden und kostet dann um 2100 Euro Bild: Hersteller

Ein digitales Fernglas, das alles, was es sieht, auch aufnehmen kann - in 3D, mit optischem Bildstabilisator, in HD-Auflösung und, dank GPS, mit digitalen Ortsmarkierungen? Ja, das gibt es.

          Wir waren nicht dabei, als dieses Gerät erdacht wurde. Aber am Ende unserer Erprobung haben wir dazu verschiedene Theorien. Als philosophische Ausgangsfrage können wir uns vorstellen: Warum analog und stromlos, wenn es auch digital und mit Akkubetrieb geht? Wir vermuten allerdings einen weniger abstrakten Einstieg - nämlich den: Sony hat seine Ingenieure verdonnert, die bis dahin ziemlich klotzigen 3D-Camorder mit ihren zweiäugigen Objektiven noch ein bisschen einzudampfen. Auf einmal sah der Prototyp aus wie ein Fernglas, und schon war eine neue Produktidee geboren.

          Jedenfalls hielten wir das Resultat nun in beiden Händen: ein digitales Fernglas, das alles, was es sieht, auch aufnehmen kann - in 3D, mit optischem Bildstabilisator, in HD-Auflösung und, dank GPS, mit digitalen Ortsmarkierungen. Der Apparat heißt DEV-50, kommt demnächst in die Läden und kostet dann um 2100 Euro. Das wäre allzu viel Geld, ginge es nur um die Vergrößerung entfernter Motive. Auch in den Disziplinen Gewicht und Volumen hätte der Digitalo im Vergleich zu analogen Sichthilfen nicht unbedingt die Nase vorn. Immerhin wiegt er samt Akku 890 Gramm, und etwa 15 Zentimeter in Länge und Breite sind schon gestandene Maße. Also haben wir beschlossen, das ganze Objekt doch eher unter dem Kameraaspekt zu betrachten; zu den Fernglas-Kriterien geben wir immerhin noch zu Protokoll, dass der Vergrößerungsbereich zwischen 0,8- und 12-fach liegt.

          Mit je 5 Megapixel Auflösung

          Das Gerät blickt mit zwei Objektiven in die Welt, dahinter sitzen separate Bildsensoren mit je 5 Megapixel Auflösung. Hinter den Okular-Linsen geben zwei Oled-Schirme die Bilder an den Betrachter aus, in einem Raster von jeweils 1024 mal 768 Bildpunkten. Bevor sich dort aber wirklich bunte Motive zeigen, sind ein paar Justagearbeiten fällig. Ein Rädchen stellt die Okulare auf den Augenabstand ein, kleine Hebel besorgen den Dioptrienausgleich, und eine Art digitales Fadenkreuz bringen die Monitorbilder elektronisch zur Deckung. Das Fernglas stellt nun zur Wahl, ob es die Außenwelt flach in 2D oder im plastischen 3D-Modus zeigen soll.

          Für die dreidimensionale Abbildung muss die reale Welt ein paar Bedingungen erfüllen: Das Motiv muss in einem bestimmten Mindestabstand liegen, einen gewissen Kontrast aufweisen, Vorder- und Hintergrund in einer deutlichen Struktur arrangieren. Wie gut sich die eingefangenen Bilder für den 3D-Eindruck eignen, bildet ein Diagrammbalken im Sucher grafisch ab und legt, wenn 3D nicht recht klappt, den 2D-Betrieb nahe. Wir haben den 3D-Durchblick für reizvolle Direktvergleiche zwischen der artifiziellen Dreidimensionalität und der linsenlosen Natursichtweise genutzt und dabei einmal mehr bestätigt gefunden: Stereoskopisches 3D ist interessant und oft genug spektakulär, aber eben doch anders als jener natürliche, weniger gestaffelt erscheinende Tiefeneindruck, den wir ständig ganz unbewusst ohne Technikhilfen genießen.

          Aber natürlich wollten wir nicht nur sehen, was die hellen, farbstarken Winzig-Monitore im Fernglas aus den eingefangenen Bildern machen: Der große Fernsehschirm sollte sie auch im Wohnzimmer inszenieren. Zur direkten Bildübertragung liefert Sony ein HDMI-Anschlusskabel mit; wer mag, kann auch die Speicherkarte aus dem Fernglas herausnehmen und dem Fernseher über einen Leseschacht verabreichen. Vorab noch ein paar Informationen über all die Formate, in denen das Fernglas das Gesehene konservieren kann: 3D-Filme dreht es mit voller HD-Auflösung im Halbbildmodus, für 2D-Videos bietet es verschiedene Auflösungen bis hin zum HD-Raster im Vollbild-Modus an. Fotos schießt der Apparat ebenfalls; Sony nennt eine Maximalauflösung von 20 Megapixel, die aber nur durch Interpolation erreicht wird.

          Das Filmen mit einer fernglasartigen Gerätschaft ist ein bisschen ungewohnt, hat aber verblüffende Vorzüge: Mit beiden Händen hält man das Gerät ruhig, helles Sonnenlicht kann die Sucherbilder nicht stören, im Zweifel schützen mitgelieferte Okularblenden zusätzlich vor unerwünschtem Lichteinfall, nichts lenkt vom Motiv ab. So gelingen selbst in maximaler Tele-Einstellung (sie entspricht im 3D-Betrieb etwa der Brennweite 400 Millimeter von Kleinbildkameras) erstaunlich zitterarme Aufnahmen, die wir mit einem konventionellen Camcorder so noch nicht zustande gebracht haben. Sie sehen auf einem Fernsehschirm so gut aus, dass es sich lohnt, wieder die fast schon in Vergessenheit geratene 3D-Brille aus der Schublade zu kramen.

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