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Kamera-Objektive : Mit fremden Gläsern

  • -Aktualisiert am

Lichtriesen: Drei der vier Voigtländer Nokton mit der Anfangsöffnung 1:0,95 Bild: Pardey

Diese Objektive mit MFT-Bajonett sind nicht nur für schlechte Lichtverhältnisse geeignet. Allerdings dürften die Werkzeuge von Voigtländer so manchen Knipser überfordern.

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          Natürlich wird es wieder Schlaumeier geben, die angesichts der vier von Voigtländer kommenden Nokton-Objektive mit dem MFT-Bajonett sofort mäkeln, dass so etwa doch kein Mensch brauche: Warum teure und pfundschwere Objektive ins Bajonett vergleichsweise zierlicher Kameras schrauben, wenn die doch bloß einen Four-Thirds-Sensor haben?

          Kurz rekapituliert: Ein Four-Thirds-Sensor wie in spiegellosen MFT-Kameras (wie Micro-Four-Thirds) hat bis auf Ausnahmen die Maße 17,3 × 12,9 Millimeter und eine Bilddiagonale von 21,6 Millimeter, genau die Hälfte der Diagonale eines Vollformat-Sensors (43,2 mm). Daraus resultiert, dass man die Brennweite eines MFT-Objektivs immer mal zwei nehmen muss, um zu ermitteln, welcher Kleinbild-Brennweite sie entspricht.

          Das Voigtländer Nokton 1:0,95/25 mm ist also seinem Bildwinkel nach ein ultralichtstarkes Normalobjektiv, dem an der Vollformatkamera ein 50-mm-Objektiv entspricht. Bei dem 1300 Euro kostenden asphärischen Nokton 1:0,95/17,5 mm handelt es sich um ein 35-mm-Weitwinkelobjektiv. Das Nokton 1:0,95/42,5 mm ist eine 85-mm-Porträtbrennweite. Auf der Photokina angekündigt wurde als asphärisches Superweitwinkel das Nokton 1:0,95/10,5 mm, entsprechend der Kleinbildbrennweite 21mm.

          Scharfer Vordergrund, unscharfer Hintergrund

          Nicht nur die Brennweite verdoppelt sich, auch die Schärfentiefe: Ein MFT-Objektiv 1:1,8/45 mm entwickelt bei Anfangsöffnung gerundet so viel Schärfentiefe wie ein Kleinbildobjektiv mit den Eckdaten 1:3,5/90 mm ohne Abblendung. Praktisch bedeutet das, was nicht nur in diesem speziellen Fall, sondern generell gilt: Je kleiner der Sensor, desto kürzer bei gleichem Bildwinkel die Brennweite und desto größer die Schärfentiefe.

          In vielen Fällen ist das gar kein Nachteil: Mit dem vergleichsweise winzigen Sensor eines Handys oder einer Partyknipse gelingen auch tiefgestaffelte Gruppenaufnahmen von vorn bis hinten scharf. Will man aber genau das nicht, sondern den fokussierten Vordergrund von einem unscharf abgebildeten Hintergrund lösen, hat es die MFT-Kamera schwerer als eine mit Vollformatsensor. Oder aber sie braucht mehr Lichtstärke.

          Nichts für den einfachen Knipser

          Genau die bieten diese bei Cosina in Japan in untadeliger Qualität gefertigten Objektive. Und damit die Möglichkeit, sich im Extremfall zu entscheiden: Soll der Schärfepunkt das Spitzlicht im Auge sein oder eine Sommersprosse auf der Stupsnase? Bei Video-Aufnahmen gelingen wundervolle Schärfeverläufe und Wechsel, nicht zuletzt, weil die Schärfe von Hand gezogen werden muss, denn es gibt keinen Autofokus.

          Das Scharfstellen wie das Abblenden geschieht mit samtweicher und völlig geräuschloser Drehung; der Blendenring ist mit einem Handgriff auf Rastung in halben Stufen umgestellt. Dank zehn Blendenlamellen geraten die Unschärfekreise sehr schön rund. Alle drei Objektive haben eine um 20 Zentimeter liegende Naheinstellgrenze - und einen dementsprechend riesigen Verstellweg bis zur Einmetermarke. Der Makro-Abbildungsmaßstab liegt bei 1:4.

          Kurz gesagt: Diese Objektive sind nicht nur für schlechte Lichtverhältnisse geeignet. Als kreativ bereichernde Werkzeuge, die eine stupende Bildqualität liefern, braucht sie gewiss nicht jeder. So manchen Knipser würden sie nämlich einfach überfordern.

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