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Elektronische Tasteninstrumente : Auf der Suche nach dem perfekten Ton

Rolands V-Piano ist das erste digitale Hardware-Piano, das nicht mehr mit Samples arbeitet, sondern den Ton ausschließlich errechnet Bild: Roland

Mit immer ausgefeilteren Mitteln suchen die Hersteller elektronischer Tasteninstrumente, einen großen Konzertflügel authentisch nachzubilden. Sie kommen ihrem akustischen Vorbild schon beeindruckend nah.

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          Auf jeder Musikmesse ist es das gleiche Schauspiel. Dann diskutieren die Tasten-Fans an den Ständen leidenschaftlich: Welcher Hersteller bildet ihn am besten nach, den unvergleichlichen Klang eines Steinway German D oder eines Bösendorfer Imperial 290? Wer tilgt am besten jeden Hinweis auf Künstlichkeit, bei welchem Digitalpiano kann man bei geschlossenen Augen wirklich nicht mehr sagen, ob da ein echter Flügel erklingt oder eine technische Nachbildung?

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Die authentische Reproduktion eines großen Konzertflügels ist für die Hersteller elektronischer Tasteninstrumente so etwas wie die Suche nach dem heiligen Gral. Seit den ersten analogen Synthesizern in den siebziger Jahren versuchen Hersteller wie Yamaha, Kawai, Roland oder Casio mit hohem technischen Aufwand, den Klang eines akustischen Flügels so authentisch wie möglich nachzuahmen - und überbieten einander regelmäßig mit Superlativen. Doch der Klang eines echten Flügels, sagen Puristen, werde niemals vollständig reproduzierbar sein: der Resonanzkörper aus Fichtenholz, das komplexe Schwingungsverhalten der miteinander klingenden Saiten, die Obertöne, der voluminöse Klang, der nicht punktuell aus Lautsprechern kommt, sondern sich im ganzen Raum verteilt.

          Kein Stimmen, weniger Gewicht - aber auch so authentisch?

          Die Digitalpiano-Fraktion hält das hingegen sehr wohl für möglich - und findet die Vorteile der Technik überdies so überzeugend, dass mancher ein digitales Instrument dem aus Holz vorzöge: kein Verziehen der Saiten und damit kein aufwendiges Stimmen, keine 300 Kilogramm Gewicht, dafür aber eine Vielzahl von Klängen und eine deutlich einfachere Bespielbarkeit unter Studio- und Konzertbedingungen.

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          Es ist ein Glaubenskrieg, der da unter Musikern tobt, und je weiter die technische Entwicklung voranschreitet, desto unentschiedener wird er. In den Anfangsjahren der elektronischen Tasteninstrumente war die Angelegenheit noch ziemlich eindeutig. Denn die Klänge, die von den frühen analogen Synthesizern wie dem Yamaha CS-80 oder dem Moog Sonic Six erzeugt wurden, erinnerten eher an eine indische Sitar als an einen echten Flügel. Damals wurden die Töne mit Hilfe eines sogenannten Oszillators gebildet, der elektrische Schwingungen erzeugt. Je nachdem, welche Wellenform diese Schwingungen hatten, änderte sich der Klangcharakter des erzeugten Tons. Im Sägezahn-Spektrum waren alle Obertöne enthalten, was eher scharf klang und Streichern oder Akkordeons ähnelte. Rechteck klang dumpf und hohl und erinnerte an eine Flöte, Dreieck enthielt fast nur die ersten fünf Obertöne, klang ebenfalls hohl und wurde für flächige Sounds und zum „Andicken“ genutzt. Allen Arten dieser analogen Klangerzeugung war gemein: Für elektronische Musik war sie gut geeignet, nur nach Klavier klang sie nicht.

          Auch der Nachhall wird gesampelt

          Das änderte sich erst mit dem Aufkommen der Sampling-Technik, die Anfang der achtziger Jahre entwickelt wurde. Die Töne wurden auf einem Keyboard nicht mehr analog von elektrischen Schwingungen erzeugt, sondern entstammten Aufnahmen eines echten Flügels, die beim Drücken einer Taste abgespielt wurden. Anfangs, als die Chips in den Digitalpianos noch klein und der Speicherplatz begrenzt war, wurden die 88 Tasten eines Klaviers in Zonen unterteilt und je Zone nur ein echter Ton aufgenommen. Je nach gedrückter Taste auf dem Digitalpiano wurde er dann höher oder tiefer, lauter oder leiser abgespielt. Später, als der elektronische Speicher billiger wurde, wurden es mehr Töne und Lautstärkestufen. Heute ist ein 88-Tasten-Sampling Standard. Das heißt: Jede Taste auf dem Flügel wird in einem Studio aufgenommen, bei billigeren Digitalpianos in einer bis drei, bei den teuren mit bis zu fünf Lautstärkestufen (Velocity). Auch den Hallanteil der Töne, der umso bedeutender wird, je größer der Flügel ist, sampeln die Hersteller seit längerem mit.

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