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DSLM-Kameras : Wer braucht noch Spiegel?

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Größenvergleich: Im kompakten Format und ohne Schwingsiegel so leistungsfähig zu sein wie eine professionelle Spiegelreflexkamera des E-Systems, das verspricht das neue Spitzenmodell OM-D E-M1 von Olympus Bild: Hersteller

Drei neue kompakte Kameras zeigen: Die Spitzenklasse kompakter DSLM-Kameras macht mit erstklassigen Objektiven digitalen Spiegelreflexkameras heftige Konkurrenz.

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          Sie sehen nur so aus, als ob. Ihre Gehäuse haben einen Prismen-Giebel, aber in dem steckt kein Umkehrprisma, sondern ein hochauflösender elektronischer Sucher. Und auch wenn sie so aussehen, als ob sie digitale Spiegelreflexkameras (abgekürzt: DSLR) seien, sie sind keine. Die Sony Alpha 7 und Alpha 7R sind wie die Olympus OM-D E-M1 – bei nicht wenig Verschiedenheit zwischen den drei brandneuen Kameras – alle drei spiegellose Systemkameras, für die sich allmählich das Kürzel DSLM durchsetzt wie Digital Single Lens Mirrorless. Und alle drei haben noch etwas gemeinsam: Sie erschließen ein breites Angebot von sehr guten Objektiven, was sie tatsächlich zu Systemkameras macht, die mit herkömmlichen Spiegelreflexkameras für professionelle Ansprüche konkurrieren können.

          Im Fall der Olympus war das ein erklärtes Entwicklungsziel. Denn die Japaner lassen mit der im Vergleich zum neuen Top-Modell E-M1 geradezu klobig erscheinenden E-5 ihre DSLR-Baureihe mit dem Four-Thirds-Sensor auslaufen. Insgesamt gibt es allein von Olympus bislang 63 Four-Thirds- und Micro-Four-Thirds-Objektive. Darunter sind optisch erstklassige Bolide, die ein Vielfaches des Preises der neuen Kamera kosten. Nur ein Beispiel: Das lichtstarke ProfiTeleobjektiv Olympus Zuiko Digital 1:2,8/300 mm ED, das als spritzwassergeschütztes kompaktes Objektiv für Sport- und Naturaufnahmen einer 600-mm-Kleinbildbrennweite entspricht und für seine beeindruckende Bildschärfe berühmt ist. Es wird zu Straßenpreisen zwischen rund 7000 und knapp 10.000 Euro im Internet gehandelt.

          Ein großer Wurf

          Dass solche Werte bewahrt werden mussten, war klar. Olympus hatte es aber insofern einfacher als andere Hersteller, sich von der DSLR-Baureihe zu trennen, weil diese mit Sensoren der gleichen Größe wie die spiegellosen Pen-Modelle arbeitete. Das andere Bajonett der Four-Thirds-Objektive lässt sich – wie Objektive des analogen OM-Systems (siehe Bild) – mittels eines Adapters an die E-M1 anpassen. Der für rasch entschlossene Käufer kostenlose MMF-3 erlaubt der Kamera, die Art des Objektivs zu erkennen, so dass sie sich auf dessen Funktionsumfang einstellen kann.

          Mit System: Eine Fülle von – häufig im Vergleich zu den Kameragehäusen wesentlich teureren – Optiken passt an Sonys neue Spiegellose Bilderstrecke
          Mit System: Eine Fülle von – häufig im Vergleich zu den Kameragehäusen wesentlich teureren – Optiken passt an Sonys neue Spiegellose :

          Dass bei einer Kamera für den professionellen Einsatz Kompaktheit nicht das Maß aller Dinge ist, lässt sich daran erkennen, dass die Bedienungselemente der E-M1 größer gerieten als die bei der ersten Kamera des OM-D-Systems, der E-M5. Im Übrigen wurden der E-M1 nicht nur hinsichtlich Robustheit, Geschwindigkeit und Bildqualität höhere Leistungen als der fraglos in der Profiklasse spielenden Four-Thirds-DSLR E-5 abverlangt. Vor allem ist der elektronische Sucher der E-M1 dem ins Okular gespiegelten Bild überlegen: Er ist nicht nur um das bis zu 1,3-Fache eines optischen Suchers größer, sondern seine Darstellung und Vergrößerung lassen sich auch individuell anpassen. Dieser Sucher ist ein großer Wurf.

          Die Vorstöße werden nicht die letzten bleiben

          Sony setzt bei seinen beiden neuen Alphas noch eins drauf: Die Sony Alpha 7 und Alpha 7R haben trotz der Kompaktheit der Gehäuse beide Vollformat-Sensoren, die so groß sind wie ein Kleinbildnegativ. 24,3 Megapixel große Bilder liefert der Sensor in der Alpha 7, 36,4 Megapixel sind es bei der Alpha 7R. Deren Exmor-CMOS verzichtet zudem für eine höhere Abbildungsqualität auf einen optischen Tiefpassfilter. Sony spricht auch davon, dass man die Abstände zwischen den einzelnen Bildpunkten minimiert und die lichtempfindlichen Elemente des Sensors vergrößert habe.

          Die beiden Neuen werden von Sony mit mehreren neuen Vollformat-Objektiven ins Rennen geschickt. Als Kit-Objektiv wird es ein Zoom 1:3,5–5,6/28–70 mm von Sony geben. Aber auch Carl Zeiss wird ein lichtstarkes Normalobjektiv, ein 24–70-mm-Zoom und ein 335-mm-Teleobjektiv mit Anfangsöffnung 1:2,5 beisteuern. Diese Objektive kommen mit dem E-Bajonett von Sonys spiegellosen Nex-Modellen. Wer auf die große Palette von erstklassigen Vollformat-Objektiven von Zeiss und Sony mit dem A-Bajonett zurückgreifen will (siehe nebenstehendes Bild), kann dies an den 7er-Modellen mit dem Adapter LA-EA4 tun.

          Die Vorstöße von Olympus und Sony werden nicht die letzten bleiben: Wer eine erstklassige Bildqualität will, muss sich nicht mehr unbedingt eine klobige Spiegelreflexkamera umhängen.

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