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Digitalkameras : Die Frauenversteher

  • -Aktualisiert am

Frauen ansprechen soll dieses Selfie mit der aktuellen Pen E-P5 Bild: Ida Hanhiniemi

Ticken Frauen auch beim Fotografieren anders als Männer? Was wollen Frauen von ihrer Digitalkamera? Was wollen sie nicht? Kann man, muss man für sie spezielle Frauenkameras bauen?

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          Ein Mann zeigt einem anderen seine schönsten Fotos. Man kann darauf wetten, dass irgendwann die Frage kommt: „Mit welcher Kamera sind die gemacht worden?“ Der Fotograf wird das meist genau wissen, häufig einschließlich solcher Details wie Objektivbrennweite und Einstellungen von Zeit und Blende. Bei kaum einer anderen Liebhaberei als dem Fotografieren wird dem Werkzeug solch eine Wichtigkeit beigemessen – vorwiegend von Männern. Wenn Frauen ihre Fotos zeigen, dann geht es fast ausschließlich um die Bildinhalte, um das „Sü-üß!“ auch noch bei der zehnten Aufnahme des Katzenbabys. Wehe, Mann mischt sich ein: „Toll, jedes Schnurrbarthaar gestochen scharf. Was für eine Kamera haben Sie benutzt?“ Dann bekommt man nicht selten Antworten der Art: „Ich habe so eine kleine rote.“ Und die Nachfrage wegen der Marke zeitigt Ratlosigkeit: „Canon? Nikon? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht.“

          Diese Szenarien sind selbstverständlich klischeehaft: Es gibt Männer, die ihre Kameraautomatiken alles allein machen lassen und sich einfach an den guten Ergebnissen freuen. Manche Frauen können die technischen Daten ihrer Ausrüstung und Aufnahmen herunterbeten wie ein Kochrezept für Gemüsebrühe. Aber wenn sie sich denn überhaupt für eine Kamera interessieren und nicht die entsprechende Funktion ihres Smartphones für völlig ausreichend halten, sind Frauen eine Kundschaft, die von Herstellern und Handel ganz anders umworben sein will als die männliche Minderheit. Bei den Kamerakäufern macht diese allerdings die erdrückende Mehrheit aus: bei manchen Kameramodellen weit über 90 Prozent.

          Klein, leicht, simpel und pink?

          Stimmt nun das Vorurteil, dass Kameras für Frauen klein, leicht, simpel und am besten pink sein sollten? Für solche Fragen gibt es einen kompetenten Gesprächspartner in Hamburg. Akihiko Murata ist General Manager Consumer Products der Region Central Europe von Olympus. Zweimal in der Unternehmensgeschichte hatte Olympus besonderes Glück bei Frauen, in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts und 50Jahre später, also aktuell. Beide Male hieß die Kameraserie, die besonders bei Frauen punktete: Pen. Also hat Olympus den Bogen raus, spezielle Frauenkameras zu bauen? Der junge Japaner schüttelt den Kopf: „Frauen definieren, was eine Frauenkamera ist, und wollen keine von uns vorgesetzt bekommen.“ Und er zieht einen Flop als Vergleich heran: „Kinder wollen auch keine Tigerentenkamera.“

          Dann schildert er den Ansatz, den Olympus seit rund drei Jahren verfolgt. Dass es einzelne Kameramodelle gibt, die von signifikant mehr Frauen benutzt werden als der Bauart nach ähnliche, weiß der Hersteller. So betrug die Quote der Besitzerinnen bei der Pen E-P2 rund 10 Prozent in Europa, bei der E-PM1 und der E-PM2 jedoch 27 und 26 Prozent. An solche Zahlen gelangt man ohne eigentliche Marktforschung etwa durch die Auswertung der Registrierung, mit der die Käufer ihre Kameras beim Hersteller anmelden, um Firmware-Aktualisierungen zu erhalten. Auf Facebook sind die Olympus-Fans zu 35 Prozent weiblich.

          Auch dieses Plakat der ersten Olympus Pen aus den sechziger Jahren sollte vor allem Frauen gefallen
          Auch dieses Plakat der ersten Olympus Pen aus den sechziger Jahren sollte vor allem Frauen gefallen : Bild: Hersteller

          Das M der Typenbezeichnung E-PM1 stand für Mini: Ihr Gehäuse, das es in sechs Farben gab, darunter weiß, schokobraun und fliederfarben, ist kleiner und leichter als das E-P2, hat aber das gleiche Objektiv-Bajonett. Mit der E-PL1 wurde der Live Guide eingeführt: Mit virtuellen Schiebereglern auf dem Touchscreen ließen sich die Farbsättigung, die Farbstimmung und die Helligkeit ändern, man konnte den Hintergrund unscharf werden lassen und mit Wischeffekten Bewegung ins Bild bringen. Dazu musste man nichts von Tiefenschärfe oder Verschlusszeit wissen, es genügte, den Schieber am Bildrand mit der Fingerspitze zu bewegen.

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