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Digitalfilm : Die Standbild-Spiegelreflex als Videokamera

  • -Aktualisiert am

Filmen mit dem Vollformatsensor einer Nikon 3D Bild: Hersteller

Was anfangs wie eine überflüssige Zusatzfunktion wirkte - Bewegtbilder mit der digitalen Spiegelreflexkamera -, findet Anklang bei professionellen Filmern. Gründe dafür sind Gewicht, Kosten, Qualität und - die Physik.

          4 Min.

          Eigentlich hat sie ja mit dem Kinofilm angefangen, die Kleinbildfotografie. Der für den schnellen Transport in der Senkrechten an den Seitenrändern perforierte 35-mm-Film wurde allerdings für die Standbilder gedreht und in der Horizontalen zunächst gemächlich bewegt. Dabei ergab sich wie von selbst für Erfinder wie den Leica-Entwickler Oskar Barnack eine Verdoppelung des Kino-Bildformats zum klassischen 24×36 Millimeter messenden Kleinbild. Als ob dies das Maß aller Dinge sei, wird heute ein digitaler Sensor, der (ungefähr) so groß ist, Vollformatsensor genannt. Der bleibt für so manchen Digitalfotografen ein teurer Traum, denn kleinere Sensoren erlauben nicht nur den Bau kompakterer Kameras, sondern sie sind vor allem kostengünstiger.

          Ein vergleichsweise großer Sensor - mit dem Vollformat ist das Ende der Kantenlängen schließlich längst nicht erreicht - hat abgesehen davon, dass viele große Pixel auf ihn passen, etliche weitere Vorteile. Zunächst lassen sich, wenn die lichtempfindliche Fläche, egal, ob Film oder Sensor, gleich bleibt, die Objektive der analogen KB-Systemkamera am digitalen Vollformat-Modell weiterverwenden. Dass sie dafür natürlich dasselbe Bajonett brauchen und nicht immer optimale Ergebnisse liefern können, bleibe mal dahingestellt. Es tritt aber nicht der Beschnitt des Bildfelds wie beim Übergang zu einem kleineren Sensor auf.

          Von dem ist als „Crop-Faktor“ unter digital fotografierenden Spiegelreflexfreunden viel die Rede: Fotografiert man statt mit dem Vollformatsensor etwa mit einem kleineren im sogenannten APS-C-Format, dann bewirkt dies bei gleichbleibender Brennweite durch Verringerung des Bildwinkels eine Art von Ausschnittvergrößerung um den Faktor 1,5. Ein KB-Objektiv mit Brennweite 35 Millimeter ist eigentlich ein leichtes Weitwinkel. Angesetzt an eine Kamera mit einem Four-Thirds-Sensor, verwandelt es sich zu einem guten Porträtobjektiv. Optisch scheint sich die Brennweite - mit „Crop-Faktor 2“ - auf 70 Millimeter zu verdoppeln, weil die Bilddiagonale des Sensors etwa halb so groß ist wie die des KB-Formats. Anders ausgedrückt: Je kleiner ein Sensor (oder ein Filmformat) ist, desto kürzer muss die Brennweite eines Objektivs sein, um den gleichen Bildwinkel zu bieten.

          Unerschütterlich und präzise zugleich muss sich mit dem Räderwerk am Objektiv die Schärfe nachziehen und die Brennweite verstellen lassen
          Unerschütterlich und präzise zugleich muss sich mit dem Räderwerk am Objektiv die Schärfe nachziehen und die Brennweite verstellen lassen : Bild: Hersteller

          Den Konstrukteuren von digitalen Superkompaktkameras kann das recht sein

          Nun hängen aber andere optische Eigenschaften wie die Schärfentiefe nicht vom gezeigten Bildwinkel, sondern von der tatsächlichen Brennweite ab. Den Konstrukteuren von digitalen Superkompaktkameras kann das recht sein: Kleiner Sensor, besonders kurze Brennweite, scharfe Bilder von vorn bis hinten. In Bridgekameras mit 1/1,6-Zoll-Sensor aber werden rechnerische Tricks angewendet, um zu erreichen, was jede Vollformat-Kamera mit einem nicht abgeblendeten Teleobjektiv kann: Die Schärfenzone so eng werden zu lassen, dass sie nicht einmal mehr vom strahlenden Auge bis zur Nasenspitze reicht.

          Solche etwa bei Nahaufnahmen auf der Kinoleinwand besonders beeindruckenden Effekte sind es, die der digitalen Spiegelreflex (DSLR) und vor allem der mit Vollformatsensor zu ihrer Karriere als Videokamera verholfen haben. Denn auch die aufs Bewegtbild spezialisierten Camcorder haben vergleichsweise kleine Sensoren. An sich erschien anfangs die Integration des Bewegtbilds in die DSLR nur als ein Zugeständnis an die Kundschaft der Einsteiger-Klasse, wenn nicht geradezu widersinnig: Man klappt den Spiegel hoch, macht den optischen Sucher der Kamera also blind, zeigt dafür mit „Live View“, was der Sensor sieht, auf dem Rückwand-Monitor und handelt sich eine ganze Reihe von Nachteilen ein.

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