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Digitaler Rundfunk : Digitalradio stößt beim Hörer auf taube Ohren

  • -Aktualisiert am

Anders als beim UKW-Rundfunk ist es ein steiniger Weg zum digitalen Radio Bild: picture-alliance / dpa

Tot und begraben scheint der Zweig des UKW-Nachfolgers. Die ARD-Anstalten nutzen aus Bequemlichkeiten viele der mit DAB verbundenen neuen Möglichkeiten nicht. Dennoch gibt es eine weitere Finanzierung aus Gebühreneinkommen.

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          Anders als der 1949 in Deutschland eingeführte UKW-Rundfunk konnte sich der digitale Rundfunk hierzulande noch nicht zur „Welle der Freude“ entwickeln. Nachdem die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten mindestens 180 Millionen Euro Gebühren mit Digital Audio Broadcast (DAB) versendeten und gern dasselbe nochmals verpulvert hätten, schob Anfang des Jahres die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfes der Rundfunkanstalten (KEF) für die nächste Gebührenperiode 2009 bis 2012 eine nur noch 22,5 Millionen Euro teure Grabplatte auf DAB.

          Tot und begraben – dead and buried, wie DAB längst aufgelöst wurde – ist damit dieser Zweig des UKW-Nachfolgers. Jedenfalls in Deutschland, wo kaum mehr als etwa 0,3 Prozent der Rundfunkempfänger DAB empfangen können. In Großbritannien hingegen ist DAB wegen höherer Sendeleistungen, die einen Empfang innerhalb des Hauses ermöglichen, und dank gleichzeitig ausgestrahlter Zusatzinformationen wenigstens vorübergehend ein relativer Erfolg geworden.

          Praktisch keine Empfänger

          Die ARD-Anstalten hingegen nutzen aus Bequemlichkeiten viele der mit DAB verbundenen neuen Möglichkeiten erst gar nicht. So klagen die wenigen Digitalhörer in Niedersachsen beispielsweise darüber, dass die Nachrichtenzeilen nur sehr schleppend aktualisiert werden – wenn überhaupt. Dennoch meinen die Rundfunker, die mangelnde Akzeptanz läge allein an der Technik. Deshalb rufen sie nach zusätzlichen 42 Millionen Euro, um zwischen 2009 und 2012 ihr nächstes Digitalkonzept zu entwickeln. Neben DAB+ könnte das auch ein DRM+ genanntes Verfahren sein.

          Jedoch hat DRM – Digital Radio Mondiale – nach gut zehn Jahren auf Kurzwelle eine im weltweiten Maßstab ähnlich bestürzende Bilanz wie DAB in Deutschland aufzuweisen. Dabei überzeugt seine Technik. Mit pfiffigen Algorithmen trickst sendeseitig richtig genutztes DRM die Unbilden der Ionosphäre weitgehend aus und bietet sogar Stereo in erstaunlicher Qualität. Davon überzeugt der Empfang plattdeutscher Predigten von Radio HCJB aus Quito/Ecuador ebenso wie die Zuspielsendungen von Radio Neuseeland für einige Pazifikinseln.

          Doch das erste DRM-Jahrzehnt leidet darunter, dass es praktisch keine Empfänger für diesen Digitalempfang gibt. Selbst in der kleinen und durch keine Interferenzen zu erschütternden Gemeinde der Hobbyhörer spielt DRM eine Rolle höchstens dann, wenn der vollvergoldete Niedergang eines Mediums zu demonstrieren ist. Stand der Technik bildet die Kombination eines Radios mit einem Computer, der die Dekodierung vornimmt. Eine kostenlose Software hierzu entschlüsselt aber jene Sender – wie Radio Irland – nicht, die sich einer kostenpflichtigen Komprimierung bedienen. Die Zahl der weltweit vielleicht 101 täglichen DRM-Hörer dürfte somit auf eine hohe einstellige Zahl sinken.

          Störender als ein kleiner Signaleinbruch

          Das ist schade. Denn aus bis zu etwa 3000 Kilometer Entfernung empfangen, hält der digitale Kurzwellenfunk, was sich alle Welt davon verspricht. Doch die Rundfunker überdehnen die Entfernungen, sehen zu wenig Reserven in der Komprimierung vor und nutzen im Regelbetrieb weder die automatische Umschaltung auf bessere Alternativfrequenzen noch den Multimedia-Kanal zum Senden von Nachrichtentexten. So ist der Empfang immer wieder von Aussetzern unterbrochen, die störender als ein kleiner Signaleinbruch beim analogen Kurzwellenempfang empfunden werden.

          Staatlich subventioniert, haben wenigstens Forschungsinstitute und die Hersteller von Sendern ihren Schnitt gemacht. Steuergelder auch noch bei der Empfängerindustrie abzuladen wäre denn doch wohl zu teuer geworden, so dass seit Jahren der endgültige DRM-Receiver auf das jeweils nächste Herbstgeschäft verschoben wird.

          Der Hörer bleibt nur Zuhörer

          In diesen Tagen gibt es Testsendungen in DRM+ und dem amerikanischen IBOC-Verfahren, die in Hannover und Kaiserslautern nur einige wenige Entwicklungsingenieure empfangen können. Als weiterer Konkurrent tritt DAB+ hinzu. Nur die ersten beiden haben im traditionellen UKW-Rundfunkband Platz und versprechen dank Simulcast, dass die etwa 200 Millionen UKW-Radios in Deutschland nicht zu Elektronikschrott werden. Doch trotz Simulcast zeigen schon heute Empfangsversuche in DRM auf Mittelwelle, dass damit weder klassischer noch digitaler Empfang möglich ist. Aber mit fast 65 Millionen Euro weiterer Fördergelder sollte das zu packen sein.

          Den zahlenden Hörer jedoch locken weder Spartenkanäle noch die Aussichten auf gleichzeitige Test- und Bildübertragung. Was beim Fernsehzuschauer als DVB-T zunächst terrestrisch klappte und bald auch via Satellit diktiert wird, scheinen beim Radio die Gerätehersteller dringender zu benötigen als die Hörer. Die KEF will erst dann den Geldhahn aufdrehen, nachdem sich alle Marktteilnehmer auf die Zukunft des UKW-Rundfunks geeinigt hätten. Doch die Erfahrung lehrt, dass auch hier der Hörer nur Zuhörer bleibt.

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